"Bibi Blocksberg"-Kassetten zum Einschlafen hören - das brachte seine Karriere als Buchautor ins Rollen. Jahrelang schrieb Matthias von Bornstädt Geschichten über die bekannte Hexe. Jetzt hat der gebürtige Wernigeröder seine eigene Buchserie veröffentlicht, in der viel von seiner Heimat steckt.

Von Marlene Kohring

Wernigerode l Unter den alten Fachwerkhäusern von Wernigerode liegt ein geheimes Labyrinth, das die Gebäude der Stadt unterirdisch miteinander verbindet. Durch die Geheimgänge kann man sich Zutritt zu allen Häusern verschaffen, durch die Wände lauschen, was die Bewohner beschäftigt, was die Schurken Böses im Schilde führen.

Nur in Matthias von Bornstädts Büchern "Labyrinth der Geheimnisse" heißt die Stadt nicht Wernigerode, sondern Wittenstein. "Ich brauche reale Vorbilder für meine Geschichten. Beim Schreiben laufe ich deshalb im Geiste stets Wege in Wernigerode ab", erzählt der 27-Jährige. Die ersten vier Bände ("Achterbahn der Abenteuer", "Das Gruselkabinett der Gräfin", "Lauschangriff im Lehrerzimmer", "Das Spektakel des Schreckens") seiner Abenteuerserie für Kinder sind Anfang des Jahres im Ravensburger Verlag erschienen.

Und was hat die fiktive Stadt Witterstein noch mit seiner Heimat Wernigerode gemein? "Die Touristen. Das war auch meine Motivation, mir so viele unterirdische Geheimgänge für meine Bücher auszudenken", erklärt Matthias von Bornstädt. Einige Orte aus Wernigerode sind sogar eindeutig zu identifizieren. "Der Westerntorturm heißt in meiner Geschichte Westernturm und die Schule ist ans Gerhart-Hauptmann-Gymnasium angelehnt", sagt er.

Für seine Bücher versetzt sich Matthias von Bornstädt zurück in seine Kindheit in Wernigerode. "Beim Schrei-ben muss ich mich wie elf fühlen, nur dann ist es richtig." Schließlich sind seine Romanfiguren Phil, Jago und Karoline, die ihre Abenteuer in Witterstein erleben, auch nicht viel älter. Ganz einfach war die Veröffentlichung nicht. Er schickte sein Konzept an die Verlage, bekam hunderte Absagen - bis Ravensburger sich meldete. Auch danach gab es noch Hindernisse.

"Beim Schreiben laufe ich im Geiste stets Wege in Wernigerode ab."

"Den ersten Band habe ich zweimal getippt - von Anfang bis Ende. Meine vorherige Version war nicht perfekt. Der erste Teil setzt den Startschuss für den Verlauf der Geschichte, deshalb ist er so wichtig", erklärt von Bornstädt.

Das Entwickeln seiner Bücher sei selbst wie das Umherirren in einem Labyrinth. "Es gibt nur einen Weg, der zum Ziel führt. Manchmal bleibt man stecken und muss eine andere Richtung einschlagen." In solchen Situationen hilft sich der Buchautor mit einer ungewöhnlichen Technik. Matthias von Bornstädt legt sich schlafen, wenn er wieder aufsteht, aber nur halb wach ist, kann er problemlos weiter schreiben.

Apropos schlafen: Weil er "Bibi Blocksberg"-Kassetten zum Einschlafen hört, bekam er ein Praktikum beim Ravensburger Verlag. "Ich bin ein Retro-Hörer", sagt Matthias von Bornstädt und lacht. Allerdings bemerkte er schnell, dass die Geschichten der kleinen Hexe nicht mehr so gut sind, wie damals, als er sie im Kindesalter hörte. Die Figuren wirken nicht mehr lebendig, haben ihren Humor verloren, lautet seine Beschwerde. "Als Elfie Donnelly noch selbst schrieb, hatte ich immer den Eindruck, dass sie innerlich ein Kind geblieben ist, das für andere Kinder schreibt. So muss es sein."

Deshalb schickte er der Autorin eine E-Mail: eine Mischung aus Fanpost und Beschwerdebrief. "Ich bemängelte das Niveau der neuen Geschichten, ermunterte sie dazu, selbst mal wieder eine zu schreiben", erinnert sich der Wernigerode. Kurze Zeit später antwortete Elfie Donnelly. Sie sei ganz erfreut über die Nachricht, habe aber leider keine Zeit, selbst wieder die Feder zu schwingen. "Da kam mir die Idee, das für sie zu übernehmen", sagt von Bornstädt. "Ganz schön blauäugig", ergänzt er und schmunzelt.

"Den ersten Band habe ich zweimal getippt - von Anfang bis Ende."

Ungefragt sendete er zwei selbstgeschriebene "Bibi Blocksberg"-Manuskripte für Hörspielkassetten an die Erfinderin der bekannten Hexe. "Ich bin vor Ideen übergesprudelt und habe 40 Dialogseiten in zwei Wochen getippt", berichtet der Jung-Autor. Elfie Donnelly leitete die Drehbücher an den Verlag weiter - vergeblich. Sie wurden nicht genommen.

Dafür erhielt der Medizinstudent eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch. In diesem bot der Ravensburger Verlag ihm ein Redaktionspraktikum für ein Jahr in Berlin an - Bornstädt sagte zu. Dann hieß es: Kaffee kochen in der Hauptstadt. Er bekam zwar einen Einblick in die Redaktionsarbeit, aber viel selbst tun, das durfte er anfangs nicht.

Immer wieder legte er ungefragt seine Manuskripte auf die Schreibtische von Entscheidern. Seine Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Er durfte kleine Bilderbuch-Geschichten über Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen verfassen.

Matthias von Bornstädt studiert in Berlin Medizin, derzeit im zehnten Semester. Auch wenn das Schreiben der Bücher oft 80 Prozent seiner Zeit raubt, wie er einschätzt, verfolge er intensiv sein Studium. Ihm sei bewusst, was für eine brotlose Kunst das Schreiben ist. Trotzdem - aufgeben möchte er es nicht. "Vielleicht schaffe ich es, eine Kinderbuchserie mit medizinischem Hintergrund herauszubringen oder im Medizinjournalismus Fuß zu fassen", sagt er.

Erst einmal will er seine Abenteuerreihe "Labyrinth der Geheimnisse" beenden. Im Frühjahr 2014 erscheinen Band fünf und sechs. Seine Ideen reichen für zehn Romane, sagt der Harzer. Aber ob so viele erscheinen, das hänge vom Erfolg ab. In seinem fünften Fortsetzungsroman spielt ein altes Schloss eine Rolle, natürlich inspiriert vom Wernigeröder Schloss. In Vorbereitung auf Buch Nummer sechs liest er gerade die Lektüre "Sagen der Grafschaft Wernigerode".

Seine Liebe zum Schreiben begann schon in der Kindheit. In der Grundschule verfasste er Theaterstrücke, war Mitglied der Wernigeröder Schreibwerkstatt und nahm erfolgreich am Literaturwettbewerb in seiner Heimatstadt teil.

"Die Anerkennung, die man für die eigenen Geschichten bekommt, ist wichtig, um weiterzumachen. Text-Talente werden in meiner Heimat Wernigerode sehr gut gefördert", lobt Matthias von Bornstädt die Schreibwerkstatt.