Das Grüne Haus in der Friedrichstraße wird am Sonnabend in Leipzig versteigert. In den vergangenen Jahren hatte sich die Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft Wernigerode um die Vermarktung des Objektes bemüht. Weshalb man das Haus nun verkaufen will, darüber hüllt sich Geschäftsführerin Kirsten Fichtner in Schweigen.

Wernigerode l Die einstige Kinderkrippe in der Friedrichstraße154 wird am Sonnabend samt Gartengebäude und Grundstück von der Sächsischen GrundstücksauktionenAG in Leipzig versteigert. Umworben wird das Objekt, das im Volksmund als Grünes Haus bekannt ist, von der Auktionsfirma "mit beeindruckendem Blick auf das Westerntor" und einer guten Wohnlage "unweit des historischen Stadtkerns". Im Keller sei zwar "partiell Feuchtigkeit erkennbar" und es bestehe grundsätzlich Sanierungsbedarf, doch das Grundstück sei mit 1726Quadratmetern "großzügig geschnitten", auch Stellplätze sind vorhanden.

Das Mindestgebot für das markante Haus mit grünem Anstrich in Wernigerodes Zentrum liegt bei 98000Euro. Noch befindet sich das Objekt im Besitz der Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft Wernigerode (GWW). Das Unternehmen hatte es vor wenigen Jahren von der Stadtverwaltung erworben, wollte es vermarkten. Nun möchte man das Grüne Haus scheinbar loswerden - was war geschehen?

Das Gebäude war von 1997 bis 2009 Sitz des Dezernats Gemeinwesen mit Kultur- und Jugendamt. In direkter Nachbarschaft, in der Goethestraße1 und der Friedrichstraße149, waren Liegenschafts- sowie Bauamt untergebracht. Nach dem Erwerb des ehemaligen Katasteramtes in der Schlachthofstraße6 - heute Sitz des "Neuen Rathauses" - verkaufte die Stadtverwaltung alle drei Gebäude an ihre kommunale Tochtergesellschaft, die GWW. Kaufpreis: 220000Euro. In der Beschlussvorlage aus dem Jahr 2009 heißt es: "Die Grundstücke sind aktuell bewertet und bilden einen Gesamtverkehrswert in Höhe von 554000Euro."

"Ziel war es, die Verwaltung unter ein Dach zu bringen und Betriebskosten zu sparen", sagt Andreas Meling. Die GWW sollte für die drei Standorte "eine dem Gesellschaftszweck entsprechende Vermarktung vornehmen", erklärt der Sprecher der Stadtverwaltung.

"Dies ist bei den beiden Häusern in der Goethestraße1 und der Friedrichstraße 149 erfolgreich gelungen", resümiert er. Studentenwohnungen sowie eine Zahnarztpraxis wurden dort eingerichtet. Als einziges Objekt steht bis dato das Grüne Haus leer, die Vermarktungsstragien der GWW liefen dort augenscheinlich ins Leere.

"Es gab immer mal wieder Zwischennutzungsüberlegungen, auch durch uns, die aber wegen des Gesamtzustandes des Gebäudes verworfen wurden", erklärt Meling.

Geht es um die 220000Euro-Investition, hält man sich bei der GWW derweil bedeckt. Über ihre Mitarbeiterin Evelin Malek ließ Geschäftsführerin Kirsten Fichtner lediglich mitteilen, dass sie gegenüber der Volksstimme nicht Stellung nehmen wird.

Das Grüne Haus in der Friedrichstraße 154 hat eine wechselvolle Geschichte. 1864 wurde es von "Herrn Weber" errichtet, wie aus der Bauakte hervorgeht. Um einen Anbau mit Wohnung wurde es 1926 von dem Privatmann Karl Reinsdorf erweitert. Von 1928 an nutzte das Hospital St. Georgii Magdeburg das Gebäude als Alten- und Pflegeheim. Von der Wernigeröder Stadtverwaltung wurde es 1968/69 zur Kinderkrippe umgebaut. 1994 entschied die Kreisverwaltung, dass eine Schule für Geistigbehinderte vorübergehend einzieht. Von 1997 bis 2009 war es Sitz des Sozial-Dezernats.

Versteigert werden am Wochenende noch drei weitere Häuser in Wernigerode. Darunter ein Gebäude in der Büchtingenstraße8, das Mindestgebot liegt bei 59000Euro. Ein weiteres Objekt in der Albert-Bartels-Straße30 kann ab 15000Euro ersteigert werden, und ein Haus in der Breiten Straße101 gibt es ab 89000Euro.