Das so genannte Handyparken könnte in absehbarer Zeit auch in Wernigerode eingeführt werden. Vor dem Sachsen-Anhalt-Tag wird es allerdings nichts, sagt die Stadtverwaltung.

Wernigerode l Parkgebühren bequem mit dem Handy zahlen - was in anderen Städten bereits gang und gäbe ist, soll künftig auch in Wernigerode möglich sein. Zumindest haben der Ordnungs- sowie der Finanzausschuss dem Vorhaben ihren Segen gegeben. Entscheiden muss der Stadtrat in seiner Sitzung am 7. November

In den beiden Ausschüssen warb CDU-Stadtrat André Weber für das Handyparken: "Das Ganze ist eine neue Bezahlart, die sehr bürger- und benutzerfreundlich ist", sagte Weber, der den Antrag namens der CDU-Fraktion eingebracht hat, in der Sitzung des Finanzausschusses.

Lohnend für Touristenstädte

Wer per Handy einen Parkschein lösen möchte, schickt eine SMS an eine Kurzwahlnummer mit dem Autokennzeichen und der gewünschten Parkdauer. So läuft es zumindest in Magdeburg, wo das Handyparken im September eingeführt wurde. Zuvor hatten bereits Naumburg und Aschersleben private Dienstleister mit dem neuen Service beauftragt. Gerade für Großstädte und Tourismushochburgen lohne sich das neue Verfahren, erklärte Weber.

Autofahrer profitierten von der modernen Zahlungsmethode. "Für den Nutzer hat es den großen Vorteil, dass kein Kleingeld gesucht werden muss", sagt Weber. Bezahlt wird darüber hinaus nur die reine Parkzeit, Überzahlung gibt es nicht mehr. Eine SMS erinnert kurz vor Ablauf des Tickets daran, dass nachgezahlt werden muss. Die Parkzeit kann dann ebenfalls per SMS unbegrenzt verlängert werden, ohne dass der Fahrer zurück zu seinem Auto muss.

Für die Stadt biete das Handyparken laut Weber Vorteile. Wenn mehr Parker ihre Handys und weniger die Parkautomaten nutzen, verringere sich der Aufwand beim Kleingeldmanagement. Ebenso dürften die Reparatur- und Wartungskosten für die Parkautomaten sinken. Zudem gewinne man genauere Daten über das Parkverhalten: "Man kann zum ersten Mal ablesen, wie lange die Leute parken, wie oft die Brötchentaste genutzt und ganztägig geparkt wird", sagt Weber.

Der Service kostet allerdings. Die Ersteinrichtung des neuen Systems schlägt mit rund 4000 Euro zu Buche, pro Jahr fallen etwa 1300 Euro Systempauschale an. Hinzu kommen etwa 450 Euro für Erinnerungs-SMS. Bei geschätzten 6000 Parkvorgängen, die im ersten Jahr per Handy abgewickelt werden könnten, kämen rund 3400 Euro Provision für den Anbieter zusammen, das entspricht einem Anteil von 13,5 Prozent an den Einnahmen aus den Parkgebühren. Die Zahlen hat André Weber anhand von Angeboten verschiedener Dienstleister zusammengetragen.

Fünf Prozent im ersten Jahr

Dass die Kostenrechnung stimmt, bestätigte Kämmerer Frank Hulzer im Finanzausschuss. Er steht dem Handyparken durchaus wohlwollend gegenüber: "Vom Prinzip her ist das eine gute Idee, die man nicht ablehnen sollte." Die IT-Seite sei nicht das Problem, das System sei einfach in der Anwendung. Allerdings verursache es der Stadt Kosten. "Es ist die Frage, wie hoch die Nutzung sein wird", so Hulzer. Denn je häufiger das Handyparken genutzt wird, desto höher fallen die Provisionen aus.

In einer Modellrechnung, die Weber zusammen mit Ordnungsamtsleiter Gerald Fröhlich aufgestellt hat, wird angenommen, dass im ersten Jahr fünf Prozent der Parker den Handydienst nutzen. Im zweiten Jahr könnten es schon zehn Prozent sein und in den darauffolgenden Jahren jeweils zehn Prozent mehr.

Etwa 4000 Euro pro Jahr müsste die Stadt voraussichtlich zuschießen, sagt André Weber - bei Einnahmen aus den Parkgebühren in Höhe von 550000 Euro. Allerdings müsse man abwarten, wie sich die Kostenseite in den ersten zwei Jahren entwickele: "Wenn diese in die Höhe gehen, müsste sich der nächste Stadtrat Gedanken machen, ob man die Mehrkosten oder einen Teil davon auf die Nutzer umlegt."

Skeptisch zeigte sich Martina Tschäpe (Fraktion SPD/Grüne). Außer dem Imagegewinn gäbe es keine Vorteile für die Stadt. Das sah der Vorsitzende des Finanzausschusses, Thomas Schatz (Linke), anders: "Wir stellen uns sehr vielen Aufgaben, weil wir bürgerfreundlich sein wollen." Die Kosten sollten da nicht das Problem sein. Das Handyparken könnte zudem für die Händler und Gastronomen in der Innenstadt von Vorteil sein - nämlich dann, wenn es dem so genannten "Parkuhrfieber" entgegenwirke. Dies befalle Kunden, wenn sie loslaufen müssten, um rechtzeitig vor Ablauf der Parkzeit an ihrem Auto zu sein, statt entspannt weiter einzukaufen.

Erst der Sachsen-Anhalt-Tag

Den Parkschein per SMS wird es allerdings, wenn es nach den beiden Ausschüssen und der Verwaltung geht, noch nicht so bald geben. Kämmerer Hulzer appellierte an die Ausschussmitglieder, mit der Einführung bis Anfang 2015 zu warten. Vor dem Sachsen-Anhalt-Tag könne die Verwaltung es nicht schaffen. Die Ausschussmitglieder hatten ein Einsehen und empfahlen einstimmig, das Handyparken ab Anfang 2015 einzuführen. Initiator André Weber kann damit leben: "Ich hätte es mir sicher eher gewünscht. Aber im Endeffekt zählt das Ergebnis."