Schloss Wernigerode hat seit vielen Jahren ein Heizungsproblem. Dank des Konjunkturpakets 2 kann es jetzt gelöst werden. Bereits im September wurde mit den Arbeiten begonnen. Im Juli 2011 sollen sie abgeschlossen sein.

Wernigerode. Dr. Michael Ermrich nennt die Übergabe des Zuwendungsbescheides über 721 700 Euro durch Sachsen-Anhalts Kultus-Staatssekretär Dr. Valentin Gramlich "einen großen Tag". Der Vorsitzende der Stiftung Schloß Wernigerode verhehlt auch nicht, "wir sind dankbar für das viele Geld, das geflossen ist". Aber: "Das Schloss ist wie der Kölner Dom." Dauerhaft teuer eben.

Das Geld aus dem Konjunkturpaket 2 hilft nun, " ein gravierendes Problem" aus der Welt zu schaffen. Die Dampfheizung von 1912 kann im Juli 2011 endlich abgeschaltet werden. Dafür beteiligen sich die Kreisverwaltung Harz und die Stadt Wernigerode mit 103 100 Euro an dem Projekt. Die Stiftung selbst gibt 117 828 Euro. Um das Vorhaben komplett abschließen zu können, ist das allerdings noch nicht genug. Laut Ermrich müssen dafür insgesamt rund 1,5 Millionen Euro aufgebracht werden.

Dennoch ist der jetzige Schritt für alle Beteiligten ein riesengroßer. So auch für Dr. Christian Juranek. Der Geschäftsführer verweist auf die knapp 3000 Quadratmeter Fläche für die Dauerausstellung und die Magazine, die beheizt werden müssen. Seine Mitarbeiter haben alle zusätzliche Elektroheizkörper in ihren Büros, weil dort sonst nicht die erforderlichen Temperaturen erreicht werden. Außerdem ärgerlich: Wenn für eine Veranstaltung nur ein Raum genutzt wird, muss mangels Steuerung gleich der gesamte Komplex beheizt werden. Und ein weiteres Dilemma: Die Anlage wurde Anfang der 90-er Jahre zwar auf Öl umgestellt. Bei widrigem Wetter wie derzeit schafft es aber kein Tanklaster den Schlossberg hinauf.

Die neue Technik wird mit Gas betrieben. Im Auftrag der Stadtwerke ist bereits eine Trasse dafür verlegt worden. Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert freut das: "Wir kriegen einen großen Abnehmer."

Über den Ablauf der Arbeiten informiert Gerlinde Brammer. Die Spezialistin im städtischen Baudezernat hat schon als Bedienstete der damaligen Kreisverwaltung Wernigerode beruflich viel mit dem historischen Wahrzeichen zu tun gehabt. Jetzt also die Heizung. Deren Zentrale wird sich im ehemaligen Museums-Shop befinden. Schornstein inklusive Kopf sind fertiggestellt. Momentan läuft die Montage der neuen Thermen.

"Wir haben wieder Schwamm gefunden"

Am 3. Januar wird mit der Installation im Schlosscafé und in der Wache begonnen. Bereits Ende des Monats sollen die ersten Räume mit Gas erwärmt werden. Anschließend geht es in den einzelnen Häusern weiter. Ziel ist die Fertigstellung im Juli 2011. Gerlinde Brammer: "Das nächste wird das Spannendste. In den Ecken." Gerade eben hat sie eine solche Nische untersucht und "bereits eine böse Überraschung erlebt". Die Bauleiterin: "Wir haben wieder Schwamm gefunden." Das bedeutet, die vorgesehene Leitungstrasse muss umverlegt werden. Daraus wiederum ergeben sich höhere Kosten.

Rund 180 000 Besucher hat allein Wernigerodes Schlossmuseum jährlich. Für Valentin Gramlich ist dies ein Grund, warum das Land Fördergeld zur Verfügung stellt. Der andere heißt "Investitionsstau". Dabei hat die "einmalige Chance" für das Baudenkmal an einem seidenen Faden gehangen. Die von der Stadtverwaltung im Februar 2009 beantragte Heizungssanierung konnte zunächst nur auf eine sogenannte Nachrückerliste gesetzt werden. Bei den davor rangierenden Projekten war man dann nach den Worten des Staatssekretärs "überrascht", dass diese alle umgesetzt wurden. Dennoch hat sich ein Weg gefunden. Valentin Gramlich: "Im März 2010 konnte ich mitteilen, es gibt eine Möglichkeit. Aber nur, wenn der Eigenanteil bereitgestellt wird."

Weil dies bereits einen Monat später geklärt war, darf Christian Juranek seine Gäste jetzt im Dezember noch hinunter in den Schlosskeller führen. Durch romanische Gewölbe aus dem 12. Jahrhundert und somit an Wernigerodes ältesten Platz. Der Blick fällt auf rostende und tropfende Rohre. Der bullige Heizkessel wirkt wie aus einem Stück gegossen.

"Zur Einweihung sehen wir uns wieder", verabschiedet sich wenig später Michael Ermrich. Also im Sommer. Das Schloss benötigt dann vermutlich gerade keine Heizung.

   

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