Während das Land seine Stadt nur noch als Grundzentrum einstuft und wohl auch weniger Geld zuweisen wird, sieht Blankenburgs Bürgermeister Hanns-Michael Noll optimistisch ins neue Jahr. Er hofft auf die Umsetzung des neuen Kurgastzentrums und sieht überraschend auch gute Chancen, endlich die Domäne wiederzubeleben.

Blankenburg. Die ruhigeren Tage zwischen Weihnachten und Silvester bieten eine gute Gelegenheit, auf das zu Ende gehende Jahr zurückzublicken. Für Blankenburgs Bürgermeister Hanns-Michael Noll fällt dieser Rückblick trotz einiger Wermutstropfen positiv aus. "Ich denke, dass wir schon jetzt mehr erreicht haben, als wir uns bei meinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren vorgenommen haben", sagt er im Volksstimme-Gespräch.

Die absoluten Höhepunkte sind für ihn die Eröffnung des Freibades am Thie, die Aufnahme eines touristischen Eisenbahnbetriebs auf der Rübelandbahn und die Sanierung der Turnhalle an der Hasselfelder Straße. "Besonders haben wir uns aber alle gefreut, dass eine Blankenburgerin Olympiasiegerin geworden ist", erinnert das Stadtoberhaupt an die Erfolge von Tatjana Hüfner.

Wirtschaftlich habe ihn sehr gefreut, dass das Forschungs- und Entwicklungswerk, das zu Jahresbeginn in Insolvenz gegangen ist, wieder auf sicheren Füßen stehe. "Inzwischen sind sogar 20 neue Mitarbeiter eingestellt worden", so Noll, der trotz der angespannten Haushaltssituation eine "gute unternehmerische Basis" in der Stadt sieht. Denn für viele unerwartet, seien die Gewerbesteuereinnahmen nicht eingebrochen.

"Wir kämpfen für einen positiven Förderbescheid"

Die Signale weiterer kleiner und mittelständischer Unternehmen, sich im kommenden Jahr in der Blütenstadt anzusiedeln, stimmen ihn optimistisch. "Sie kommen hierher, weil zum einen die Verkehrsanbindung stimmt, aber auch, weil wir eine Stadt mit rund 23000 Einwohnern sind", so Noll, der diesen eingeschlagenen Weg so weiter beschreiten möchte. Darüber hinaus werde sich die Verwaltung verstärkt darum bemühen, für ihre Gewerbeflächen solide Investoren zu finden. Als großen Erfolg wertet er aktuell die Ansiedlung einer Tankstelle an der Lerchenbreite.

Als große Herausforderung, aber auch Chance sieht der Bürgermeister für 2011 vor allem die Umsetzung des geplanten Kurgastzentrums auf dem ehemaligen Jahnsportplatz. "Wir kämpfen für einen positiven Förderbescheid und werden bis Januar auch unsere Hausaufgaben ordentlich machen", so Noll. "Wenn wir das Kurgastzentrum hinbekommen, müssen wir aber auch die gesamte Innenstadt noch besser und schöner gestalten."

Das sei die Stadt nicht nur seinen Gästen, sondern auch den Einwohnern schuldig. Seine Pläne dazu wolle er im Frühjahr öffentlich vorstellen.

"Die Zeichen für die Domäne sehen gut aus"

Umso mehr freue es ihn, dass sich gerade zu Beginn der Weihnachtszeit der Marktplatz wieder freundlicher präsentiert. Die Belebung durch Gastronomen und Gewebetreibende sowie die Sanierung des Hauses Markt 5 durch die Wohnungsgesellschaft schaffe ein deutlich ansehnlicheres Bild. "Dadurch wird dieser Bereich deutlich aufgewertet."

Für ein weiteres neuralgisches Areal, für das seit Jahren keine Lösung in Sicht war, deutet sich bereits in wenigen Wochen überraschend eine Zukunft an: die Domäne. Wie der Bürgermeister erklärt, hoffe er, dass beim nächsten Versteigerungstermin Ende Januar endlich ein Käufer gefunden wird, der die Gebäude sinnvoll nutzen wird. "Die Zeichen dafür sehen gut aus. Es gibt Interessenten", so Noll, ohne auf weitere Details eingehen zu wollen.

Dass auch in den Ortsteilen im zu Ende gehenden Jahr einiges passiert ist, darauf ist das Stadtoberhaupt besonders stolz. "Wir haben die Ortsteile mitgenommen. Und ich denke, dass sie in der gemeinsamen Stadt auch angekommen sind." Noll verweist auf die Sanierungen der Grundschule in Timmenrode, der Kindertagesstätte Börnecke sowie der Turnhalle und des Hortes in Derenburg. Die kritischen Stimmen aus den umliegenden Orten, die sich zum Teil gegen eine Eingemeindung nach Blankenburg ausgesprochen haben, seien ernst genommen worden.

"Die Ortsteile sind in der Stadt angekommen"

"Ich bin der Meinung, dass die Wahl zum Stadtrat im März richtig war. Wir hätten es uns auch einfach machen und mit dem alten Stadtrat weiterregieren können", so Noll. Doch nun seien fast alle Ortsteile im neuen Stadtrat vertreten und könnten sich direkt für ihre Interessen einsetzen.

Neben diesen positiven Aspekten verweist er aber auf zwei Wermutstropfen, die die Stadtentwicklung aus seiner Sicht negativ beeinflussen werden. "Die Herabstufung Blankenburgs im Landesentwicklungsplan zu einem Grundzentrum ist eine ebenso unverständliche Entscheidung wie das neue Finanzausgleichsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt. Damit werden die kleineren Kommunen benachteiligt", sieht er damit zudem die Bemühungen seiner Verwaltung zum Sparen konterkariert. "Wie sollen wir vier Grundschulen, 13 Kindergärten und bei unserer Größe eine Wohngeldstelle unterhalten, wenn deutlich weniger Geld kommt?", kritisiert er.