Er liebt den Harz und die Literatur. In seinen Werken verbindet der Blankenburger Schriftsteller Bernd Wolff beides - und bekommt dafür am Donnerstag den Kunstpreis der Stadt Wernigerode.

Wernigerode l Die Liebe zur Natur wurde dem Förstersohn in die Wiege gelegt. Seine andere Leidenschaft, die zur Kunst, zur Literatur, entwickelte sich später. Doch nachhaltig und dauerhaft sind beide - auch in seinem 75.Lebensjahr ist Bernd Wolff unermüdlich als Schriftsteller tätig und ebenso unermüdlich in der Natur, im Harz, unterwegs. Am Donnerstag wird er mit dem Kunstpreis der Stadt Wernigerode ausgezeichnet.

Bernd Wolff lebt und arbeitet seit Ende der sechziger Jahre in Blankenburg. Doch die Jahre, die ihn prägten - Kindheit und Jugend - die verbrachte er in Wernigerode. Erst nach dem Abitur 1957 verließ er den Harz, studierte Deutsch und Kunsterziehung in Erfurt und nahm 1960 seine erste Lehrerstelle in Werben an der Elbe an. Bereits während des Studiums begann er zu schreiben, vor allem Lyrik, und schloss sich der Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren an. 1963 kam Wolff zurück in den Harz, erst nach Benneckenstein und wenige Jahre später nach Blankenburg. Dort begann der Vater eines Sohnes und einer Tochter Kinderbücher zu schreiben, etwa "Manne Forschtrat" von 1968, wurde im selben Jahr in den Schriftstellerverband aufgenommen und begann mit der Arbeit an seinem ersten biographischen Goetheroman "Winterströme - Goethes Harzreise 1777".

Der Harz samt seiner Geschichte und seiner Natur ist es auch, der Wolffs literarisches Schaffen bestimmt, immer wieder kommt er auf ihn zurück. In seinen Kinderbüchern, natürlich in den Bildbänden und vor allem in seinen Romanen über Goethes Brockenfahrten: "Winterstürme", "Im Labyrinth der Täler", "Die Würde der Steine" und zuletzt "Klippenwandrer".

Obwohl er die meiste Zeit seines Lebens in Blankenburg verbrachte, sind Wolffs Wurzeln doch in Wernigerode "meine Eltern sind dort begraben, meine Kinder sind in Wernigerode geboren". Künstlerisch verbindet ihn ebenfalls viel mit der bunten Stadt am Harz, die doch kulturell reichhaltiger ist. Dieser Unterschied macht sich auch für einen Schriftsteller bemerkbar, in der "Art und Weise, wie man dort wahrgenommen wird", sagt Wolff. Will heißen: In Wernigerode findet sein literarisches Schaffen wohl mehr Aufmerksamkeit als andernorts. Das mag daran liegen, dass Wolff regelmäßig im historisch-literarischen Salon liest und seine neuen Bücher meist in seiner früheren Heimatstadt vorstellt. Das kommt nicht von ungefähr - schließlich ist der Schriftsteller Gründungsmitglied des Wernigeröder Kunst- und Kulturvereins. Dessen Vorsitzender, sein langjähriger Freund Rainer Schulze, wird am Donnerstag bei der Verleihung des Kunstpreises auch die Laudatio halten.

"Es ist eine wirkliche Wahrnehmung meiner Arbeit", sagt Bernd Wolff. Eine Anerkennung, die ein Schriftsteller, der ganz bewusst keine leicht bekömmlichen Bestseller schreibt, nicht alle Tage bekommt. Nicht vom breiten Publikum, aber auch nicht von der Wissenschaft, zu der Wolff durchaus einiges beizutragen hat. Über Goethes und Heines Harz-Reisen hat er so manches herausgefunden, das der offiziellen Literaturwissenschaft bislang unbekannt war. Nachzulesen ist das im "Klippenwandrer", doch die Reaktionen aus der Fachwelt waren eher spärlich. Doch Wolff bleibt dran. Etwa mit seiner derzeitigen Arbeit, einem Essay, in dem er sich auf feuilletonistische Weise einem ganz besonderen Goethe-Werk nähert. Dessen "Faust" besteht zu einem Drittel aus Harz-Bezügen, ein Thema, das weiterer Betrachtungen bedarf. Die liefert der Blankenburger Schriftsteller gerne, aber vielleicht nicht ganz so schnell. Denn selbst wenn er jeden Tag am Schreibtisch sitzt, ist das eigentliche Schreiben dem Winter vorbehalten. Jetzt, im Sommer, ist er in der Natur unterwegs, seiner zweiten großen Leidenschaft.