Ein möglicher Rückzug des Arztes aus Stiege wurde gestern zum Aufreger - und ein Bürgergespräch zum Forum. Ergebnis: Für den Erhalt der Arztstelle wird alles Mögliche getan, und der Spielplatz am See lädt bald wieder ein.

Stiege. Der Oberharzort am See wird seit Tagen zum Brennpunkt: Erst gab\'s Streit um den Spielplatz, dann geben sich Landespolitikerinnen von Angela Gorr (CDU) bis Evelyn Edler (Linke) beim amtierenden Ortschef Harro Anlauf die Klinke in die Hand, und Orts-chefwahlen stehen auch an.

"Vertrag kann man so unterschreiben"

Das alles aber war nichts gegen die Nachricht, die gestern wie eine Bombe einschlug: Könnte sein, dass Dr. Jörg Liebsch seine vor etwa neun Monaten eröffnete Praxis wieder schließt, weil die Einigung über das Praxisgebäude, Stieges alte Schule, nicht zustande kommt (Ausgabe gestern). Hunderte Bürger befürchten, bald erneut auf Arztsuche gehen zu müssen.

Das bekam auch Evelyn Edler zu spüren, die zufällig gestern in Stiege auf Wahlkreistour war. Das von ihr geplante Gespräch wurde zum Forum mit zehn Stiegern "im Namen vieler Einwohner", wie betont wurde, sowie mit dem Orts- und Stadtchef, der kurzfristig im "Haus am See" eintraf.

Bürgermeister Frank Damsch informierte über den kritisierten Kaufvertrag für die alte Schule als Praxisgebäude. Er stellte vor allem richtig, dass Dr. Liebsch, falls er aus welchen Gründen auch immer die Praxis aufgäbe, nicht auch die Wohnung räumen müsste. Das war behauptet worden.

"Wichtig ist für Sie hier in Stiege und für die Stadt Oberharz am Brocken vor allem, dass hier ein Arzt arbeitet", so Damsch. Das sei erklärtes Ziel vom Ortsrat, von der Stadt und auch von Dr. Liebsch selbst. Wenn sich alle daran hielten, gäbe es eigentlich kein Problem. "In der Stadt ist niemand interessiert, den Doktor übern Tisch zu ziehen", stellte Damsch klar. Die Vertragsklauseln im Entwurf seien üblich, gestatteten Kreditaufnahmen und verhindere Spekulationen mit der lukrativen Immobilie.

"Hauptziel ist und bleibt - die Arztpraxis für die Bürger langfristig zu sichern", so Damsch. Es fand Zustimmung. "Diesen Vertrag kann man so bedenkenlos unterschreiben", brachten Gerd Lutze und Rolf Wachsmuth die Meinung der Bürgerrunde auf den Punkt.

Der Stadtchef informierte auf Anfrage von Marion Fiedler und anderen, dass gemeinsam mit Harro Anlauf eine Lösung zum Spielplatz gefunden sei. In spätestens acht Wochen sollen Rutsche, Schaukel usw. TÜV-gerecht aufgebaut sein. "An der alten Stelle, um Verschwörungstheorien gleich vorzubeugen", sagte Damsch.

"Spielplatz bald an alter Stelle"

Evelyn Edler, die das von allen als sehr aufschlussreich gelobte Gespräch vermittelt hat, wurde mit auf den Weg gegeben, sich für den Wassercent im Land und dessen Nutzen für die Stadt Oberharz als Wasser-einzugsgebiet einzusetzen.

Nun ist Jörg Liebsch, der an der Runde gestern nicht teilnahm, am Zuge. Bürgermeister Damsch will sich aber auch an ihn wenden.