Die St. Johannisgemeinde feiert in diesem Jahr das 125. Bestehen der historischen Ladegast-Orgel. Seit 2005 erklingt sie in der Konzertreihe "Orgel zur Nacht". Sandra Poerschke, Praktikantin bei der Harzer Volksstimme, hat mit Kantor und Organist Konrad Paul (31) über die Veranstaltungsserie, die neue CD und die Zukunft der Orgelmusik gesprochen.

Harzer Volksstimme: Herr Paul, Sie betreuen die Konzert-reihe "Orgel zur Nacht". Was steckt dahinter?

Konrad Paul: Diese Veranstaltungsreihe ist 2005 von mir initiiert und zusammen mit der St. Johannisgemeinde umgesetzt worden. Bereits in meiner Studienzeit habe ich meist zu Pfingsten und Weihnachten Konzerte auf der Ladegast-Orgel gegeben. Daraus ist die Idee erwachsen. "Orgel zur Nacht" zeichnet sich durch eine beinahe mystische Atmosphäre in Raum und entsprechender Musik aus. Darum beginnen die Konzerte kurz nach Einbruch der Dunkelheit, um 21 Uhr, und im Oktober um 20 Uhr.

Volksstimme: Wer wird am 18. September gastieren?

Paul: Erstmalig haben wir die Ehre, einen international bekannten Künstler der großen französischen Orgelschule, Frédéric Blanc aus Paris, bei uns begrüßen zu dürfen. Das wird ein ganz besonderes Erlebnis, eine "Sternstunde" für Wernigerode und den Harz.

Volksstimme: Die historische Ladegast-Orgel der St. Johanniskirche feiert in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass haben Sie eine CD eingespielt. Stimmt es, dass dies die einzigen Aufnahmen einer Wernigeröder Orgel sind?

Paul: Um die Wendezeit wurde schon einmal eine CD in der St. Johanniskirche eingespielt. Inzwischen wurde die Orgel aber komplett gereinigt und das ein oder andere Register nachintoniert. So spiegelt die neue Aufnahme die besonderen Klangfarben wider.

Volksstimme: Wie spielt es sich auf so einer alten Orgel?

Paul: Vergleichen kann man das mit dem Fahrgefühl eines Oldtimers. Man muss sich auf die technischen Bedingungen dieser Zeit einstellen, braucht mehr Körpereinsatz. Meist benötigt man außerdem einen Assistenten, der beim Umstellen der Register hilft. Und wenn es zu starken Temperaturschwankungen kommt, können bei empfindlichen Pfeifen Verstimmungen, manchmal sogar auch mechanische Störungen auftreten.

Volksstimme: Werden die auf der CD zusammengestellten Werke auch innerhalb eines Konzerts zu hören sein?

Paul: Ja, am 30. Oktober. Da ist ein Benefizkonzert in der St. Johanniskirche für die Gemeinde geplant. Der Umbau der Kirche sowie die Orgelreinigung hat enorme Kosten verursacht.

Volksstimme: Sie sind ein Kind Wernigerodes, hier aufgewachsen und haben Ihre musikalische Grundausbildung am Landesgymnasium für Musik erhalten. Haben Sie noch Kontakt dorthin?

Paul: Der Rundfunk-Jugendchor des Gymnasiums hat vor zwei Jahren das Abschlusskonzert mitgestaltet, zur Eröffnung der Orgelreihe spielte das Philharmonische Kammerorchester. Auch das Blechbläser-Ensemble der Kreismusikschule war bereits mehrfach zu Gast. Es ist mir wichtig, auch mit regionalen Größen zusammenzuarbeiten.

Volksstimme: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Orgelreihe?

Paul: Zunächst, dass sie fortgesetzt wird und dass das Interesse der Bevölkerung daran wächst. Es wäre auch schön, wenn sich "Orgel zur Nacht" über Wernigerode hinaus einen Namen macht. Meine Vision: eine "Orgellandschaft Harz".

Volksstimme: Wie sieht es mit der Zukunft der Orgelmusik aus?

Paul: Ich versuche schon, Kindergarten- und Schulkinder zur klassischen Musik zu führen. Fast jeder mag Technik - und die Kinder sollen sehen, dass auch hinter der Orgel eine sehr interessante Technik steckt. Unterstützung bedarf es da natürlich auch aus dem Elternhaus. Außerdem bin ich der Meinung, dass Orgel- literatur vielfältig sein muss. Anspruchsvolle und populäre Stücke sollten sich abwechseln. So könnte man in Zukunft mehr junge Menschen für diese Musik interessieren.