Wolmirstedt l Eine griechische Göttin hilft einer türkischen Frau beim Binden des Kopftuchs. Ein junger Mann aus Kroatien trägt ein T-Shirt, das die Nationalfarben zeigt. Zwischendurch wird gekichert und getuschelt und immer wieder werden Szenen mit einer Kamera festgehalten. "Die Jugendlichen drehen kleine Filme, in denen sie zeigen, was sie unter Pluralismus verstehen", sagt BFZ-Mitarbeiterin Renate Kriegel, die für dieses Projekt verantwortlich ist. Die Filme wurden am Nachmittag im Wolmirstedter Jugendclub gezeigt. Da stellte sich heraus, dass das türkische Kopftuchmädchen einen Heiratsantrag von einem Christen bekommen hatte, eine andere Gruppe thematisierte das Flüchtlingsdrama und gleich zwei Teams stellten den Respekt für die gleichgeschlechtliche Ehe im Video dar. Wie bei der Oskar-Verleihung wurden anschließend beste Filme, Schauspieler und Szenen prämiert.

Obwohl es diese internationale Jugendbegegnung bereits zum achten Mal im BFZ gibt, ist die Kooperation mit dem Jugendclub die erste organisierte Begegnung mit "einheimischen" Jugendlichen. Bindeglied zwischen beiden Einrichtungen ist der Philosophiestudent Keven Kirschner. Er arbeitet sowohl mit den Jugendlichen im BFZ als auch im Vorstand des Jugendclubs und hofft, dass sich diese Zusammenarbeit im kommenden Jahr intensiviert.

Bei den anderen Aktivitäten bleiben die Teilnehmer weitgehend unter sich. Szusza ist Lehrerin in Budapest und mit fünf Kindern ihrer Schule nach Wolmirstedt gekommen. "Die Kinder können hier ihr Englisch verbessern", sagt sie, "es ist hier viel praxisnäher, als im Klassenraum." Englisch ist die Sprache, in der sich alle 47 Jugendlichen im BFZ miteinander verständigen.

Osman ist mit seiner Gruppe aus der Türkei angereist. "Es ist ein ganz anderer Austausch möglich, wenn man die Leute trifft, als in Büchern über ihre Länder zu lesen", sagt er. Ihn interessiert beispielsweise Kroatien. Mirjam aus Kroatien hofft, dass die Freundschaften, die im BFZ entstehen, gefestigt werden, sodass sie die anderen Jugendlichen später in ihren Heimatländern besuchen oder zu sich nach Hause einladen kann. Auch Thanasis aus Griechenland schätzt den Kontext der Nationen. Er und seine griechischen Mitreisenden leben zu Hause in Städten und schätzen in Wolmirstedt die Natur und die guten Radwege, die sie auf dem Weg zum Jersleber See und zum Mittellandkanal kennengelernt haben.

Die Jugendlichen haben in Workshops erarbeitet, was Pluralismus für sie bedeutet, dabei Gemeinsamkeiten aller Nationen gefunden und aufgeschrieben. Respekt und Freiheit werden mehrmals genannt.

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