Noch zwei Tage, dann beginnt das Jahr, in dem Barleben seine 950-Jahrfeier begeht. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Auch ein Hörbuch entsteht.

Barleben l Am 13. März 1062 wurde von Heinrich IV die Kaiserurkunde ausgestellt, die das kleine Landgut Partunlep, wie Barleben damals hieß, erstmals erwähnte. Das ist 950 Jahre her und in diesen 950 Jahren ist in Barleben viel passiert. Viele dieser Geschichten sind in Büchern zusammengefasst. Was es noch nicht gibt, ist ein Hörbuch. Doch auch daran wird schon heftig gearbeitet.

Der Heimatverein hat für dieses Projekt die Mütze auf, Wolfgang Buschner, der Projektmanager der 950-Jahrfeier, kümmert sich um die Umsetzung. "Unser sagenhaftes Barleben" ist der Arbeitstitel des Hörbuches und darauf werden alte Überlieferungen zu hören sein, zum Beispiel die des Warners oder die Schrecken der Hexenprozesse. Außerdem wird der Frage nachgegangen, was eigentlich "Barleber halblang" ist. Darüber machte sich Heike Hildebrandt Gedanken. Röcke, Hosen oder ganz was anderes?

Doch sie ist nicht die einzige, die eigene Werke zu diesem Hörbuch beisteuert. Auch die 13-jährige Pauline Winter freut sich, dass ihre Geschichte darauf für die Ewigkeit festgehalten wird. Pauline gehört zwar zur jungen Generation, hat aber trotzdem an der plattdeutschen Sprache einen Narren gefressen. "Als ich in die vierte Klasse ging, kamen die Plattspräker zu uns in die Schule", erzählt sie, "und haben für einen Plattsprecher-Kinderwettbewerb geworben." Pauline mag Sprachen ganz allgemein, im Besonderen auch Plattdeutsch. Sie besuchte die Plattsprecher-Gruppe, las mit vielen Ur-Barlebern Geschichten "op Platt" und griff eines Tages selbst zur Feder. In "Dat Jlück im Unjlück" erzählt sie eine wahre Begebenheit, über die immer noch alle herzlich lachen. "Ich habe meiner Oma Fiete zu Weihnachten eine kleine Dose geschenkt", erzählt Pauline und Oma Fiete (Elfriede Brämer) fährt fort: "Ich hatte Zahnschmerzen und habe mein Gebiss rausgenommen. Ich wusste so schnell nicht wohin damit und habe es in die Dose gesteckt, die ich von Pauline bekommen hatte." Dann klingelte es an der Tür. "Oma Fiete" wollte die "Zähne" aus der Dose nehmen, doch die klemmten unter dem Rand fest, bewegten sich kein bisschen, lacht "Oma Fiete". Und immer noch wartete jemand vor der Tür. Gerade wollte sie die schöne Dose fallen lassen, um ihre Zähne zu befreien, das hielt sie inne, drehte die Dose noch einmal um und plötzlich ließ sich das Gebiss ganz leicht herausnehmen. "Ja, die Plattspräker haben über die Geschichte gelacht", erinnert sich Pauline. Am 5. Januar wird sie mit Wolfgang Buschner ins Studio gehen und sie für das Hörbuch einlesen. Op Platt.

Einen ganz anderen Ur-Barleber Beitrag steuert Henrik Pieper bei. Er hat ein Lied geschrieben, dass nicht nur auf dem Hörbuch laufen soll, sondern wahrscheinlich über die gesamte Festzeit. Es ist eine Ergänzung zum traditionellen Barleber Lied, in einem Stil gehalten, der sich schwer einordnen lässt, am ehesten in die Ecke von Deutschrock. "Oh mein Barleben, du Perle in der Börde", beginnt der Refrain, "bist ein sonniger Ort, voller Stolz und mit Würde..."

Der Servicetechniker, dessen Familie schon seit dem Dreißigjährigen Krieg in Barleben lebt, ist musikalisch kein unbeschriebenes Blatt. Er macht Musik, seit er 16 ist, erst in einer Schülerband, später mit der Band "Feine Leute". Inzwischen hat er sich mit Frank Schröter zusammengetan, zum Gitarrenduo "Kenny und Frank". Die beiden vertraten die Gemeinde Barleben im Jahr 2010 bereits musikalisch beim Europatag in Notre Dame d\'Oe.

Zusammen mit Frank Schröter arrangiert Henrik Pieper auch den neuen Barleber Song. Dreieinhalb Minuten ist er lang, wird von zwei Gitarren, einem Bass und einem Schlagzeug gestaltet.

Pieper hat schon die Fußballhymne für den Barleber Fußballsportverein geschrieben. "Die lief sogar im Magdeburger Stadion." So war der nächste Gedanke nur eine logische Konsequenz. "Dann schreibe ich für Barleben eben auch einen Song." Die 950 Jahrfeier ist ein toller Anlass und doch legt er Wert darauf, dass das Lied eine breite Öffentlichkeit erreicht, lange über das Fest hinaus. "Ich habe den Text bewusst nicht als Geschichte geschrieben", sagt Henrik Pieper. Jede einzelne Zeile ist zwar auf Barleben gemünzt, lässt jedoch genug Raum, dass jeder seine eigenen Bilder hinein interpretieren kann. Mehr soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden. Nur soviel: Gerade wird die Essenz des Liedes herausgefiltert."Frank und ich tüfteln gerade an einem Jingle, mit dem jede Veranstaltung beginnen kann, die zur 950-Jahrfeier gehört."