Besuch aus Tschuwaschien, einer Wolgarepublik der russischen Förderation, empfingen am Mittwoch die Vorsitzende der Landfrauengruppe der Hohen Börde, Steffi Trittel, und Gastgeberin Ursula E. Duchrow im Niederndodeleber Holunderkontor. Landfrauen, ländlicher Tourismus und Möglichkeiten der Direktvermarktung standen dabei im Mittelpunkt.

Niederndodeleben. "Nachhaltige ländliche Regionalentwicklung" ist ein bilaterales Kooperationsprojekt zwischen der Republik Tschuwaschien und dem Bundeslandwirtschaftsministerium überschrieben. Projektkoordinatorin ist Marie Künstling von der Beraterfirma IAK Agrar Consulting aus Leipzig. Sie knüpft Kontakte mit deutschen Projektpartnern wie dem Bauernverband Anhalt. Der Verband knüpfte den Kontakt nach Niederndodeleben.

Interesse an Projekten im ländlichen Raum

Nach dem Besuch eines Ziegenhofes und einer Straußen- und Damwildfarm kehrten die tuschwaschischen Gäste am Mittwoch im Holunderkontor ein. "Es ist die bereits dritte tschuwaschische Delegation, die in Deutschland eine Woche lang beispielhafte Unternehmen und Projekte besucht", berichtete Marie Künstling. Zwei Landfrauen, der Landrat Anatoli Petrow, der Leiter eines tschuwaschischen Nationalparks und der Manager für ländlichen Tourismus eines Rayons in der Wolgarepublik gehörten zur Delegation.

Die Wolgarepublik Tschuwaschien ist landwirtschaftlich geprägt und mit besten Ackerböden gesegnet. Dort wächst laut Angaben der Gäste alles, was das Herz begehrt, auch der Holunder, zu russisch "busina". "Doch in Tschuwaschien wird nichts aus Holunder gegessen oder getrunken", merkte Marie Künstling an. Um so erstaunter waren die Gäste über die Vielfalt der Hollerprodukte, von denen Ursula E. Duchrow bei Kerzenschein und prasselndem Kamin reichlich zum Verkosten anbot. Vor allem die Werbung für das Holunderprojekt in der Hohen Börde und die Identifizierung mit der wiederentdeckten historischen Kulturpflanze, der enorme Wissensschatz um Kultur, Geschichte und Genuss des Holunders begeisterten die Gäste und entlockten ihnen sogar ein Lied über den Holunder.

Anstoßen mit dem beliebten Haustrunk

Mit nach Hause nehmen werden die Gäste jede Menge Erfahrungen bei der Direktvermarktung ihrer eigenen Produkte, denn zu gering sind die Erzeugerpreise der Landwirte auch in Tschuwaschien. Eine Landfrau will demnächst in ihrer Heimat einen Ziegenhof aufbauen, eine andere will ihr Rindfleisch stärker direkt vermarkten. Ansätze für den ländlichen Tourismus haben die Gäste im Kontor und bei den Gesprächen mit dem Landfrauen-Duo Trittel/Duchrow reichlich erfahren. Mit dem Haustrunk, einem hochprozentigen Holunder-Salbei-Wässerchen stieß die illustere Runde auf weitere Zusammenarbeit an. Visitenkarten, Adressen und jede Menge Anregungen gingen über den bunt gedeckten Tisch.