Landkreis Börde. Die Geschichte der Befreiungskriege von 1813/1814 wollen der Landkreis Börde, das Jerichower Land und die Landeshauptstadt Magdeburg als ILE-Projekt (Integrierte Ländliche Entwicklung) für die gemeinsame Entwicklung ihrer ländlichen Region nutzen. Bei einem Regionalforum in Dannigkow bei Gommern im Jerichower Land wurde diese Kooperation kürzlich offiziell besiegelt.

"Das Interesse ist wirklich erstaunlich groß. Geplant sind nach einem zentralen Auftakt zu diesem militärgeschichtlich bedeutsamen Jubiläum Einzelveranstaltungen in der Region. Wünschenswert ist, dass die regionale Betroffenheit in regionaler Zusammenarbeit mündet", informierte Kreisdezernent Dietrich Bredthauer die Mitglieder des Umwelt- und Wirtschaftsausschusses.

Die Kultur- und Tourismus-Branche hat das Ereignis längst für sich entdeckt: Traditionsvereine richten historische Biwaks und Gefechtsdarstellungen aus, Radwege entstehen zwischen den Stationen, an denen einst verfeindete Truppen lagerten. All dies soll nun vernetzt werden. Das Thema sei geeignet, wesentliche Ziele des ländlichen Entwicklungskonzeptes umzusetzen, wie Bredthauer weiter sagte.

Auch im Landkreis Börde finden sich zahlreiche Hinweise, was vor 200 Jahren geschah. 1814 kam es zum Beispiel zwischen Meitzendorf und Klein Ammensleben zu einem Gefecht, bei dem sich zahlreiche Bürger aus den Orten rund um Wolmirstedt mutig gegen die Franzosen erhoben. "Die hatten sich zuvor in einem Wald bei Samswegen heimlich darauf vorbereitet. Es gelang ihnen, die französischen Truppen dermaßen zu attackieren, dass die sich verbarrikadieren mussten. ", wie Historiker Dr. Wilfried Lübeck erforscht hat. 100 Franzosen und 30 Bürger der Region kamen bei den Gefechten ums Leben. Daran erinnert in der Kirche in Groß Ammensleben eine Gedenktafel. Glindenberg gehörte damals zum Elbedepartement und wurde von einem Maire verwaltet. 18 Glindenberger sollen sich an der Befreiung mit der Waffe in der Hand beteiligt haben. Aus Farsleben sollen es 8 Männer gewesen sein, aus Zielitz 17, zwei fanden den Tod. Bekannt ist auch, dass die Lützower 1813 in Wolmirstedt ein Lager aufgeschlagen hatten, bevor es zum Sturm auf Magdeburg ging.

Um die Erinnerung an die napoleonische Besetzung und die Befreiungskriege wieder mehr ins Bewusstsein zu bringen, wurde die erwähnte Zusammenarbeit beschlossen. Dahinter steht das Leitprojekt Nr. 19 des Integrierten ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) der ILE-Region Magdeburg – und damit die Aussicht auf EU-Fördergelder. Von dem Leitprojekt werden regional- wirtschaftliche Effekte erwartet. Das Projekt trägt den Titel: "Befreiungskriegs-Gedenken: Die Region Magdeburg 1806 bis 1813/14 – Besetzung, Befreiung, Perspektiven".

Eingebunden sind neben Magdeburg, Burg, Möckern und Gommern auch Dodendorf, Langenweddingen und Hundisburg. Ziel ist, alle Aktivitäten zu vernetzen, Geschichtskenntnisse zu vertiefen, Heimatbewusstsein zu fördern und die regionale Identität der Bevölkerung zu stärken. "Es soll der jungen Generation vermittelt werden, dass Kriege Not und Leid für die Menschen mit sich bringen", heißt es in dem Vertrag.

Ausschuss-Vorsitzender Manfred Behrens schlug vor, dass die Mitglieder in Vorbereitung auf das Jubiläum Denkmale, die auf die Befreiungskriege zurückgehen, zu besichtigen.