Die Kulturhistorische Gesellschaft Groß Ammensleben, der Heimatverein Gutenswegen und der Förderverein Dorfkirche Sankt Katharina gemeinsam als Veranstalter, etwa 50 heimatkundlich interessierte Menschen mit der Bürgermeisterin an der Spitze, die fünf Stunden Sitzefleisch bewiesen, sieben Referenten im Saal des Bürgerhauses der Ortschaft Gutenswegen – die dritte heimatgeschichtliche Konferenz der Niederen Börde ist Geschichte. Landrat Thomas Webel (CDU), der bei seiner Partei in Kloster Helfta weilte, übermittelte ein Grußwort.

Gutenswegen. Kurz vor 20 Uhr hieß es: Vorhang zu! Fragen blieben aber offen. Zum Beispiel, wann die ländliche Bevölkerung ihre Festtagskleidung getragen hat. Thomas Ruppel hatte soeben mehr als Stunde lang über das Thema Trachten der Magdeburger Börde referiert. Der Leiter des Bördemuseums Ummendorf stellte Ergebnisse eines kleinen Forschungsprojektes vor, das mit Unterstützung der Deuregio Ostfalen zustande gekommen war. Die Forscher konnten auf 540 Stück weiblicher und zehn Stück männlicher Bekleidung aus den Magazinen der umliegenden Museen zurückgreifen. Es handelte sich durchweg um Festtagskleidung. Arbeitskleidung ist nicht überliefert. Gesicherte Erkenntnis ist, dass Frauen ihre prägnante Schnabelhaube und den 1000-Falten-Rock mit dem Zuckerrübenboom ab 1870 abgelegt haben. Es spricht auch vieles für die Tatsache, dass die Landleute ihr Kleider nicht selbst hergestellt haben, sondern durch entsprechendes Handwerk oder Fabrikanten versorgt wurden.

Der Vortrag über die Trachten der Magdeburger Börde war der letzte von insgesamt sieben zu ganz unterschiedlichen Themen, quasi das "Sahnehäubchen", wie ihn Versammlungsleiter Rüdiger Pfeiffer angekündigt hatte.

Burkhard Gehrke (Klein Ammensleben), Erster am Rednerpult, referierte über steinzeitliche Funde auf dem Liethenberg und im Hünenkeller, eine Einbuchtung oberhalb des selben Berges. Jürgen Kanstorf hatte eine Separationskarte von 1836 und andere Flurkarten im Saal aufgehängt. Er deutete Flurnamen, die von wüsten Ortschaften um Gutenswegen wie Volkensdorf, Nennemark, Botzendorf oder Wasserthal herrühren.

Klaus Kagelmann aus Magdeburg-Ottersleben, auf das Sammeln, Bearbeiten und Neuerzählen von Sagen verlegt, kündigte eine Publikation mit 56 Sagen aus der Niederen Börde für März nächsten Jahres an. Kreisdenkmalpfleger Erhard Jahn, der sich als Fan des Haufendorfes Gutenswegen und dessen kompakter Struktur outete, bereitet eine neuerliche Initiative vor, erhaltenswerte Toranlagen unter Schutz zu stellen. Lothar Chelvier umriss ausführlich die landwirtschaftliche Historie seines Heimatortes Gutenswegen – von der Separation im 19. Jahrhundert, über die Bodenreform 1945/46, die 1953 beginnende LPG-Ära, bis hin zur Heutzeit. Kirchenmusiker Matthias Müller will die verschwundene Orgel aus der Dorfkirche Sankt Katharina in Hundisburg wiederentdeckt haben, von wo sie um 1830 herum durch eine Geldsammlung aufgekauft worden war.