Wie alle Monate, las auch im Dezember Roswitha Kus in der Bibliothek in Barleben Märchen vor. Am Donnerstag voriger Woche tat sie das mit Unterstützung von Bernhard Lange. Der Veteran stellte Kindergeschichten aus eigener Feder vor. Der Heimatverein hatte alles daran gesetzt, die mit großem Zeitaufwand und viel Liebe gestalteten Geschichten in Buchform zusammenzufassen und der Nachwelt zugänglich zu machen. Für dieses Projekt hatte er im Oktober auch finanzielle Unterstützung von der Gemeinde bekommen. Seine Mitglieder versammelten sich am Donnerstag in großer Schar in der Bibliothek.

Barleben. Erich Wehner vom Heimatverein in Barleben stellt Bernhard Lange auf eine Stufe mit dem Wolmirstedter Museumsgründer Hans Dunker und Friedrich Danneil ("Der Kreis Wolmirstedt"). Der inzwischen 91-Jährige hat Großes für die Aufarbeitung der Siedlungsgeschichte und die Bewahrung historischer Zeugnisse aus den Kiesgruben geleistet. Erich Werner schmückte Bernhard Lange jetzt mit einem weiteren Beinamen. Er nannte ihn den "Wilhelm Busch von Barleben". Was viele nicht wissen: Lange hat Kinderbücher im Stile Wilhelm Buschs selbst gestaltet. Abends im Bett sind im die Geschichten eingefallen. Er wollte aber keinesfalls historische Vorbilder kopieren.

Im Juli des vorigen Jahres feierte der im Grünen zwischen Barleben und Rothensee wohnende Lange seinen 90. Geburtstag. Zum Kreis der Gratulanten gehörten Einheitsgemeinde-Bürgermeister Franz-Ulrich Keindorff und der Heimatverein. Im Rahmen der Gratulationscour reichte der Jubilar das erste Mal jene Kindergeschichten von Hand zu Hand, die er nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft im Zweiten Weltkrieg selbst gestaltet – sprich getextet und illustriert – hat. Nach seinen Worten fehlte es in dieser schweren Zeit manchmal sogar an Papier und Tusche zum Schreiben und Zeichnen. Ziemlich frei oder in Erinnerung an Erzählungen aus seiner Kindheit gestaltete Lange ein reichliches halbes Dutzend Geschichten. Die erste im Frühjahr 1948 galt seinem damals vierjährigen Sohn Eike. Es hieß "Peterle im Traumland", ein Bilderbuch zum Erzählen. Weitere Bände wie "Hinz und Heinz, die bösen Buben", "Wer nicht hören kann, muss fühlen", und "Muckis Reiseabenteuer" folgten. Die Bücher blieben auch nach dem Älterwerden der Kinder in der Obhut von Bernhard Lange. Dadurch sind sie in einem guten Zustand. Der Heimatverein mit seiner Vorsitzenden Heike Hildebrandt setzte alles daran, die mit großem Zeitaufwand und viel Liebe gestalteten Geschichten der Nachwelt zugänglich zu machen. Im Rahmen eines geförderten Projektes wurde die Sammlung im Eigenverlag in größerer Stückzahl aufgelegt, damit Erwachsene sie heutigen Kindern vorlesen können. Zum diesjährigen Weihnachtmarkt wurde das 86 Seiten dicke, im Copyshop Bergemann erstellte Druckerzeugnis das erste Mal verkauft und ist fortan dienstags zur Öffnungszeit der Heimatstube käuflich für 14,80 Euro erhältlich. Der Wehnersche Vergleich schmeichelte Bernhard Lange. "Ich bin kein Brecht und kein Picasso. Ich habe Kunst nicht studiert. Ich bin ein offizieller Laie." Im Malen hätte er in der Schule immer die Note zwei gehabt, so Lange. "Ich bin aber der Meinung, dass meine Zeichnungen im Verlaufe der Zeit immer besser geworden sind."