Warme Worte auf der kalten Tenne des Caritas-Gutes in Glüsig gab es am Donnerstag für den scheidenden Geschäftsführer Karl Michael de Boor. Nach fünf Jahren verlässt de Boor das Öko-Gut mit sozialem Antlitz. Seine Bilanz kann sich sehen lassen.

Glüsig. Geglaubt haben ihm das die Wenigsten, als Michael de Boor, der sich eigentlich lieber bei seinem zweiten Namen Karl rufen lässt, 2005 bei seinem Amtsantritt anmerkte: "Fünf Jahre lang bleibe ich gewöhnlich auf einer Stelle."

Umsatz in fünf Jahren nahezu verdoppelt

Und de Boor verzeichnete im Laufe seiner Amtszeit zunehmend Erfolg. So schreibt die Gut Glüsig Gmbh – der neben der Sozialarbeit in Glüsig von Michael de Boor geführte Verarbeitungs- und Vermarktungsbetrieb von Biofleisch – inzwischen eine schwarze Null. "Unser Karl hat es geschafft den Umsatz von knapp 500 000 Euro im Jahr 2005 auf 800 000 Euro im Jahr 2009 fast zu verdoppeln", unterstrich Hans Könecke, Geschäftsführer des Caritasverbandes für das Dekanat Magdeburg, auf der Tenne. Damit sind 15 (!) neue feste Arbeitsplätze entstanden.

Michael de Boor blickte zurück und verkündete: "Ich habe einen Zettel gefunden." Allein das sorgte am Donerstag bei seinen engeren Mitarbeitern wegen seines legendären (Un-)Ordnungssinns für Erstaunen. "Auf dem Zettel hatte ich 2005 einige meiner Pläne für das Gut Glüsig notiert. Und Einiges davon haben wir erreicht. Ich betone wir, denn auf diese tollen, motivierten, vielgestaltigen und klugen Mitarbeiter war Verlass. Wir haben den Hofladen und die Verkaufsstellen in Magdeburg größtenteils verschönert. Die Übernachtungskapazitäten in Glüsig konnten mit dem Schäferhaus-anbau erweitert werden, das Seminarhaus wurde ausgebaut, wir haben neue Absatzwege für unsere Produkte erschlossen und auch die Attraktivität der Hofanlage verbessert – wie zum Beispiel durch den Streichelzoo und den Bauerngarten."

Zwei Nachfolger führen erfolgreiches Erbe fort

In den vergangenen fünf Jahren wurden insgesamt eine halbe Million Euro investiert, auch dank vieler eingeworbener Förder-, Stiftungs- und Spendengelder. "Aus der Anfangszeit und den folgenden Jahren sind mir zwei Sätze besonders in Erinnerung geblieben: ¿Wir haben kein Geld!‘ und ¿Das war schon immer so‘." De Boors Bilanz verdeutlicht, dass es mitnichten immer so bleiben muss.

Dass eine Führungskraft heutzutage nicht nur streng und durchsetzungsfähig, sondern auch verständnisvoll und beispielgebend sein sollte, dafür ist de Boor beredtes Beispiel. Das war von allen Rednern zu hören. Vertreter aus allen Arbeitsbereichen der regionalen Caritas, Mitglieder des Fördervereins des Gutes Glüsig oder der Vorsitzende des Ortsverbandes der Caritas Magdeburg, Propst i.R. Josef Kuschel, – alle hatten ein Geschenk und besondere Abschiedsworte mitgebracht. Alle sangen ein Abschiedslied. Sozialarbeiterin Jeannett Magdeburg verlas sogar ein Zeugnis für den scheidenden Chef, den Hans Könecke "als Lutheraner, der gut in katholische Projekte passt" würdigte. "Alter Bruder Karl, wir vergessen Dich nicht", sagte Könecke gerührt.

Der Caritas bleibt Michael de Boor erhalten. Im nächsten Jahr wird er in das Caritas-Behindertenwerk Naumburg/Ostefeld wechseln. Damit verringert sich für den Hallenser der Arbeitsweg von täglich 200 auf 100 Kilometer .

Seine Nachfolge in Glüsig ist bereits geregelt. Neuer Betriebsleiter der Gut Glüsig GmbH wird der Hadmersleber Fleischermeister Hagen Hofmann. Für die Sozialarbeit in Glüsig ist zukünftig Hans Könnecke als Geschäftsführer verantwortlich. Die Tatsache, dass die Verantwortung nun von doppelt so vielen Schultern getragen wird, darf als Beleg für "Michael de Boors aufopferungsvolle Arbeit" (Könecke) gewertet werden.