Zu lernen, wie Naturschutz und Ökologie funktionieren, ist ein Prozess. Schrittweise näherten sich rund 50 Bewohner des Bodelschwingh-Hauses in den vergangenen acht Monaten diesen Themen. Allerdings betraten sie damit nicht völliges Neuland. Wurde doch schon 2009 das Umweltprojekt vom Land Sachsen-Anhalt gefördert. In einer Abschlusspräsentation berichteten die Teilnehmer von ihren Erfahrungen.

Wolmirstedt. "Naturschutz beginnt vor der eigenen Haustür", sagt Jana Giera, die das Umweltprojekt bereits zum dritten Mal für Menschen mit Behinderungen konzipierte und begleitete. Während der Abschlussveranstaltung, die in der Werkstatt für Behinderte in der Angerstraße stattfand, wurde einmal mehr deutlich, dass jeder Natur und Umwelt aktiv schützen kann.

Nachdem die freiberufliche Pädagogin das neue Projekt unter dem Motto "Natur schützen – Natur leben" in den Häusern vorgestellt hatte, meldeten sich 50 interessierte Bewohner. "Wir wollten gemeinsam den Natur- und Umweltschutz im eigenen Umfeld erleben", nennt Jana Giera ein Ziel der achtmonatigen Arbeit.

Im Rahmen des Projektes wurden viele Möglichkeiten genutzt, die sich in der näheren Umgebung befinden: "Wir waren zum Beispiel beim Naturschutzbund (NABU), im Wildpark in Weißewarte und auf Gut Glüsig. Auch die Elbe als Naturschutzgebiet war für die Projektteilnehmer sehr interessant", so die Betreuerin.

Sie weiß auch, dass es immer eine logistische Herausforderung ist, die Ausflüge für Menschen mit Behinderungen zu organisieren. Das Bodelschwingh-Haus profitiert dabei besonders von dem Engagement ehrenamtlicher Mitarbeiter, die Ausflüge begleiten und auch selbst aktiv mitarbeiten. Sieben Männer und Frauen hatten sich diesmal bereit erklärt und waren deshalb natürlich auch zur Abschlusspräsentation mit abschließender kleiner Weihnachtsfeier eingeladen. Dort erzählen die Teilnehmer selbst, was sie seit Mai erlebt haben. "Auf Gut Glüsig werden Naturprojekte ohne Chemie gemacht", berichtet Simone Herzog von dem Ausflug, den sie und ihre Mitstreiter zum Thema ökologische Landwirtschaft gemacht hatten. Eine andere Gruppe erforschte zum Beispiel in der Ökoschule und dem Natur-Erfahrungszentrum Drömling die Biotope Sachsen-Anhalts.

Nie ging es dabei aber nur um die theoretische Wissensvermittlung. Die Menschen mit Behinderung sollten auch selbst Dinge ausprobieren und praktisch arbeiten. "Beim NABU in Buch haben wir zum Beispiel Saft aus Äpfeln gemostet, haben Seife aus Ringelblumen hergestellt und ein Insektenhotel gebaut, das wir erst vor Kurzem aufgestellt haben" , erinnert sich Jana Giera, die auch 2011 gerne wieder mit den Bewohnern des Bodelschwingh-Hauses ein Umweltprojekt durchführen würde. Derzeit hängt das aber noch davon ab, ob der Fördermittelantrag beim Landesverwaltungsamt – wie in den Vorjahren – bestätigt wird.