10 000 winzige Meerforellen haben in den Nuthe-Läufen rund um Zerbst eine neue Kinderstube gefunden. Im Rahmen eines seit 2009 laufenden Wiederansiedlungsprojektes wurden die Brütlinge an geeigneten Gewässerstellen ausgesetzt.

Zerbst l Winzig sind die flinken Fischlein, die Kurt Zebisch mit einem kleinen grünen Eimer sanft in die Grimmer Nuthe bei Straguth einsetzt. Einen agilen Schwarm nach dem anderen entlässt der passionierte Angler in das Wasser, in dem er teils bis zur Hüfte mit seiner Wathose steht. Manfred Kestler reicht ihm die knapp drei Zentimeter großen Brütlinge. Bei dem unscheinbaren Nachwuchs handelt es sich um Meerforellen.

Insgesamt 10 000 Stück finden am Montagnachmittag an geeigneten Gewässerstrecken rund um Zerbst eine neue Kinderstube. Ideal seien strukturreiche Bereiche mit Steinen, Wurzeln oder Pflanzen, "wo sie sich gleich verstecken können", erklärt Steffen Zahn. Von Beginn an ist er in Sachsen-Anhalt für die seit 2009 laufende Wiederansiedlung von Wanderfischen zuständig. Bei dem Projekt kooperieren das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt und der Landesanglerverband mit dem Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow. Ziel ist es, Lachse und eben auch Meerforellen in die Flüsse und Bäche zurückzuholen, in denen sie einst heimisch waren, aber nach dem Einbau von Wehranlagen verschwanden. Neben Bode, Jeetze oder beispielsweise auch die Wipper gehört dazu die Nuthe, wo sich inzwischen erste Erfolge des Programms zeigen. "Im vorigen Jahr sind sieben Lachse und 15 Forellen zurückgekehrt. Ich hoffe, dass das so weitergeht", bemerkt Steffen Zahn, bevor er den Helfern den aktuellen Plan für die dritte hiesige Meerforellen-Besatzaktion erläutert. Rote Punkte markieren in den ausgedruckten Karten die Stellen, an denen die Brütlinge ausgesetzt werden sollen - jeweils 2500 in der Lindauer und in der Grimmer Nuthe, die übrigen 5000 sind für die Boner Nuthe gedacht.

Die wuseligen Mini-Fische stammen aus Schleswig-Holstein, erzählt Steffen Zahn von Wildfängen, von denen man Eier und Milch für die künstliche Aufzucht abstreift. Nun sind die jungen Meerforellen etwa zwei Wochen alt und haben ihren Dottersack fast aufgezehrt. "Normalerweise führen wir den Besatz etwas früher durch", weist er auf die witterungsbedingte Terminverschiebung hin. Sonst hätte dem lebhaften Nachwuchs ein Kälteschock gedroht.

Ganz behutsam lassen Kurt Zebisch und die anderen Anglerfreunde die Brütlinge in den verschiedenen Nuthe-Läufen in ihre neue Freiheit schwimmen. "Wenn ein Prozent überleben, ist das schon gut", meint Steffen Zahn. Jene, die zu stattlichen Fischen von durchschnittlich 60 Zentimetern Länge anwachsen, werden ein bis zwei Jahre im Fluss bleiben, ehe sie gen Meer wandern und eines Tages - frühestens im Herbst 2015 - zum Laichen hierher zurückkehren.