Zerbst. Um 7.45 Uhr startete Sophie Schäfer, Mitarbeiterin der Stadbibliothek Zerbst, am Donnerstag mit ihrem Vorlesen in einer 5. Klasse des Zerbster Gymnasiums Francisceum die 2. Lesemeile Zerbst. Die Lesemeile, im vorigen Jahr von der Stadtbibliothek Zerbst und der Kreisvolkshochschule, Standort Zerbst, anlässlich des bundesweiten Vorlesetages ins Leben gerufen, ist der spezifische Zerbster Beitrag. Den diesjährigen Abschluss fand die Lesemeile ab 19 Uhr in der Stadtbibliothek selbst mit einem Vorlesefinale.

"Dazwischen, über den ganzen Tag verteilt, wurde an weiteren 27 Orten vorgelesen", berichtet Margitta Benecke, Leiterin der Zerbster Stadtbibliothek. "Dazu gehörten alle Schulen und Kindereinrichtungen, die zur neuen großen Stadt Zerbst gehören", erläuterte Martina Marczok-Stück von der Kreisvolkshochschule. In die Vorleseaktion waren auch das AWO-Seniorenheim Zerbst und der Seniorentreff in Zerbst-Nord einbezogen.

Über 500 junge und auch ältere Zuhörerinnen und Zuhörer nahmen so an der 2. Zerbster Lesemeile teil.

Insgesamt 39 Vorleser waren im Einsatz. "Hervorzuheben ist", so Margitta Benecke, "dass alle, die wir dazu angesprochen hatten, wenn es ihnen terminlich möglich war, sofort zugesagt haben. Einige haben sich auch bei uns selbst gemeldet, um mitlesen zu können".

Die meisten haben sich selbst Bücher ausgesucht, die sie vorstellten und aus denen sie vorlasen. "Zusätzlich hatten wir auch Empfehlungen gegeben", ergänzt die Bibliotheksleiterin. In der Regel, vor allem in Abhängigkeit vom Alter, dauerte das Vorlesen etwa 30 Minuten.

Ein besonderer Dank gilt den einzelnen Einrichtungen, die, so Martina Marczok-Stück, mit sehr viel Engagement die Lesemeile vor Ort organisierten.

Bei unseren Teilnahmen an einzelnen Vorlesestunden "spürten wir, dass es eine gute Sache war und Spaß machte sowohl für die, denen vorgelesen wurde, aber auch für diejenigen, die vorlasen", berichtet Sophie Schäfer. Öfter kam es auch zu Diskussionen über die vorgestellten Bücher und Texte. Vielleicht, so Margitta Benecke, wurden einige "angesteckt", wieder mal ein Buch oder ein Buch mehr in die Hand zu nehmen und selbst zu lesen.

In der Zerbster Stadtbibliothek wurde am Donnerstag- abend nach 21.30 Uhr das Licht ausgemacht. Bis dahin hatten fünf bekannte Zerbster Bürgerinnen und Bürger in einer kurzweiligen und unterhaltsamen Runde meist humorvolle Texte gelesen. Tourist-Informationschefin Viola Tiepelmann las aus den 100 Jahre alten Reisebeschreibungen von Karl Emil Franzos über Zerbst, Frank Straube, Richter am Amtsgericht Dessau, steuerte reizvolle Alltagsgeschichten über das Schenken und Kaufen bei. Comic-Fan und Museumsdirektor Heinz-Jürgen Friedrich stellte zwei Tiergeschichten von Mark Twain vor. Pfarrer Michael Blaszcyk las über eine "Weihnachtsmann-Invasion". Kulturamtsleiter Andreas Dittmann, bekennender Harry-Potter-Anhänger, hatte die vergnügliche Harry-Potter-Parodie "Barry Trotter" ausgesucht. Margitta Benecke verband die einzelnen Vorträge mit Kurzgedichten von "Tieren auf Fersfuß".

Das Fazit über alles: Gut gelungen – und im nächsten Jahr zur gleichen Zeit, vielleicht an noch mehr Orten, wird es die 3. Zerbster Lesemeile geben.

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