Ein "steinernes Geschichtsbuch" besitzen die Rosianer mit ihrer Dorfkirche. Spuren aus der Erbauungszeit sind heute noch vorhanden. Die Sanierung des Gotteshauses ist jedoch dringend notwendig. Ein erster Bauabschnitt konnte abgeschlossen werden. Für weitere Maßnahmen braucht es Unterstützung. Grund genug für den CDU-Landespolitiker Markus Kurze, sich die Dorfkirche bei seinem Besuch in Rosian genau anzuschauen.

Rosian. Die Dinge haben die Zeit wie im Dornröschenschlaf überdauert – vor allem die Kirchen in der Region, für deren Sanierung bislang kein Geld da war. Im April dieses Jahres begannen an der evangelischen Kirche "Unser lieben Frau" in Rosian die Arbeiten eines ersten von mehreren Bauabschnitten zur Sanierung des Gottehauses aus dem 12. Jahrhundert. Neue Deckenbalken im Altarbereich und ein neuer Dachstuhl über der Apsis waren nötig, Mauerkronen mussten saniert, partiell neuer Außenputz angebracht werden. Das Landesamt für Denkmalpflege war vor Ort und siehe da, stellte den außerordentlichen historischen Wert der Kirche fest. Ein Baustopp war verhängt worden.

Nachdem das Projekt in Bezug auf Fördermöglichkeiten beim Kultusministerium auf Anfrage 2009 zwar nicht bedacht worden war, sollte nun plötzlich alles dokumentiert und untersucht werden. Es bestand die Gefahr, dass das mühsam gesammelte Geld für die Untersuchungen draufgehen würde, ohne bauen zu können, blickte Ute Stiebler vom Magdeburger Architektenbüro Dr. Ribbert Saalmann, das auch die Sanierung der Loburger Laurentiuskirche übernommen hatte, zurück. Zumindest konnte im Kultusministerium schließlich das Bewusstsein geweckt werden, welcher Schatz sich in Rosian befindet. Auf Anregung des Landesamtes für Denkmalpflege wurde eine dendrologische Untersuchung zur Altersbestimmung des Dachstuhls veranlasst. Für die restauratorische Konservierung des Fugenritzputzes aus der Erbauungszeit wurde die Zusage eines Förderantrages in Aussicht gestellt.

Ende Oktober konnte der erste Bauabschnitt mit den dringendsten Maßnahmen nun abgeschlossen werden. 83 000 Euro wurden investiert. Insgesamt stecken in der Kirche inzwischen 130 000 Euro, denn vor drei Jahren musste der Turm gemacht werden, der einzustürzen drohte. In einem nächsten Bauabschnitt wären Apsis und Chor innen an der Reihe. Auf rund 200 000 Euro schätzt Ute Stiebler die Kosten. Derzeit wird das konkrete restauratorische Konzept erstellt. Da muss abgewogen werden, welche Spuren der Geschichte – ob der Gotik, der Renaissance oder des Barock – hervorgehoben werden sollen.

Im Januar wird das Konzept vorliegen, dann sollen Fördermittel beantragt werden. 2012 könnte die Sanierung weiter gehen. Erschwerend kommt hinzu, dass bei kulturhistorisch wertvollen Objekten keine Baufirmen, sondern nur Spezialfirmen ran dürfen, was die Kosten natürlich in die Höhe treibt. Das Problem sind die Eigenmittel, machte die Architektin deutlich. Die Einwohner – die Ortschaft zählte zum Jahresende 2009 laut statistischem Landesamt 533 Köpfe, Rosian allein 382 – können das aus eigener Kraft nicht schaffen.

Kraft kosteten schon die letzten Eigenmitteln, Spenden wurden gesammelt, Kuchen ver-kauft, Konzerte veranstaltet und auch das heute Abend kommt der Sanierung der Kirche zu Gute. Besonders engagiert sich Pfarrer Georg Struz, der beispielweise mehr als 50 Stiftungen mit der Bitte um Unterstützung angesschrieben hat.

Hoffnung setzen Ute Stiebler, Dr. Friedhelm Ribbert, Pfarrer Georg Struz, die Ortsbürgermeisterin Gudrun Donner, die voll hinter dem Projekt steht, und die Gemeindemitglieder nun auch in Markus Kurze, den stellvertretenden Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion und Vorsitzenden der Kreistagsfraktion. Auf seiner Tour durch die "neuen" Orte des Wahlkreises stattete er in der vergangenen Woche Rosian einen Besuch ab und ließ sich die Kirche zeigen.

Es sei nicht nur der gotische Flügelaltar, der die Kirche zu etwas besonderem macht, versuchte Dr. Friedhelm Ribbert dem Gast zu vermitteln. Als "steinernes Geschichtsbuch" bezeichnete er das Haus mit seiner vorreformatorischen Bausubstanz, die von der gemeinsamen katholisch-evangelischen Geschichte zeugt.

Es sind viele Kleinigkeiten, die den Wert ausmachen, von der historischen Verglasung, über die Wandmalereien, den Putz bis zur Ausstattung. Markus Kurze fand den Vergleich mit der Himmelsscheibe von Nebra treffend. Er erkannte, dass hier über die politische Schiene etwas passieren muss. Er bot an, an Wirtschaftsminister Reiner Haseloff heranzutreten. Auch der Tourismus gehöre schließlich in sein Haus. "Wenn an anderer Stelle eine Förderung in Größen geht, warum nicht auch hier", meinte Kurze.

Von Pfarrer Struz bekam Kurze die Informationen zum Anliegen des Vereins "Straße gotischer Flügelaltäre", der Vernetzung der Kirchen mit solchen wertvollen Altären, die Entwicklung als Touristenroute mit Zentrum in Isterbies. Dr. Ribbert verwies auf die nahegelegene Straße der Romanik, zu der eine Anbindung vorstellbar wäre.

Geschichte, die vermarktet werden kann, ist reichlich vorhanden. Wichtig sei es, dass Fördermittelanträge sowohl für Rosian als auch Isterbies eine positivere Bewertung bekommen. Kurze will sich einsetzen. Für die Isterbieser Kirche, die der Politiker ebenfalls besuchte, liegt der Förderantrag für den zweiten Bauabschnitt vor.

Bilder