Der Bornumer Otto Reichert hat das Anhalter Kreuz erhalten. Die Auszeichnung gilt seinem Wirken im Gemeindekirchenrat. Seit 1963 arbeitet er in dem ehrenamtlichen Gremium mit.

Bornum. Am Reformationstag erhielt der 75-jährige Otto Reichert das Anhalter Kreuz in der Köthener Kirche. Ein ganz besonderer Tag war es für ihn. Neunmal wird die Auszeichnung im Jahr verliehen. Er bekam die Ehrung für seine ehrenamtliche Arbeit im Gemeindekirchenrat.

Seit 1963 arbeitet der gelernte Landwirt in dem Gremium mit. Im Bauausschuss des Gremiums war er Jahrzehnte tätig, bis er bis heute den Vorsitz übernahm. Dabei kümmerte er sich vor allem um den Erhalt der Kirche in Bornum. In der rund 150 Einwohner zählenden Ortschaft ist etwa die Hälfte der Bürger Mitglied in der evangelischen Kirche.

"Als Kind wurde ich bereits getauft", erzählt er. Das war damals so üblich. Auch seine eigenen zwei Kinder erhielten die Taufe bereits im Säuglings-alter. 1949 wurde Otto Reichert konfirmiert. Bereits 14 Jahre später gehörte er dem Gemeindekirchenrat an. Probleme hatte er dadurch nicht. "Einmal sollte ich in die Partei eintreten", erinnert er sich. "Ich habe denen gesagt, dass ich im Gemeindekirchenrat bin. Dann war das Thema erledigt", lacht er heute. In dem sechsköpfigen Gremium kümmerte er sich im Bauausschuss um den Erhalt der Kirche. Erst nach dem Fall der Mauer konnte er das Gotteshaus so richtig sanieren. Neue Fenster wurden eingesetzt. Dann war die Turmuhr an der Reihe. "Zu DDR-Zeiten musste die Uhr jeden Tag aufgezogen werden", weiß er noch. Nach der Wiedervereinigung bauten die Kirchenratsmitglieder einen automatischen Aufzug ein. Der habe allerdings nur 15 Jahre gehalten. "Wir haben die alte Kirchturmuhr dann ersetzt", erzählt er weiter. Heute steuern Funkwellen einer Atomuhr die Zeiger in Bornum. Auf die Sekunde geht die Uhr jetzt genau. "Das ist nur noch ein kleiner Kasten jetzt. Viel Platz gibt es dadurch nun im Kirchturm", schildert er.

Die Leichenhalle auf dem Friedhof wurde ebenso renoviert. Um den Friedhof in Trägerschaft der Kirche kümmert sich Otto Reichert auch heute noch. Auf Trab hält ihn ebenfalls das ehemalige Gemeindehaus. Das Gebäude, in dem einst der Pfarrer wohnte ist heute vermietet. "Wir haben dadurch Einnahmen, aber auch Ausgaben jedes Jahr", erzählt er. So kümmere er sich beinahe täglich um die Wünsche der Mieter. Öl für die Heizung müsse bestellt werden, wenn Handwerker kommen, müssten die Arbeiten vorbereitet werden. Die Frau von Otto Reichert hat sich in den vergangenen Jahrzehnten an das rastlose Leben gewöhnt.

Eigentlich war Otto Reichert immer viel unterwegs. Neben dem Kirchenamt engagiert er sich in der freiwilligen Feuerwehr. "60 Jahre bin ich jetzt bei der Feuerwehr. Nach der Wiedervereinigung war ich auch einige Jahre als Kreisbrandmeister tätig", sagt er. "Manchmal gab es schon dicke Luft zu Hause wegen der vielen Termine", schmunzelt er. Als Kreisbrandmeister war er sehr viel unterwegs.

Auch mit 75 Jahren kennt Otto Reichert noch nicht viel Ruhe. "Ich habe mir vor einiger Zeit ein neues Hobby gesucht", erzählt er. In seinem Nebengelass beschäftigt er sich mit alten Gebrauchsgegenständen. Vorwiegend Einrichtungsgegenstände aus dem Haushalt sowie der Landwirtschaft arbeitet er hier liebevoll auf. "Die meisten Sachen haben mir die Leute gebracht", betont er. In mühevoller Kleinarbeit bringt der Rentner die Dinge wieder zum Glänzen. Eine ganze Serie von Fleischwölfen hat er aufgebaut. Im Dachgeschoss des Nebengelasses sieht es wie in einem Museum aus. Landwirtschaftliche Geräte stehen hier in Reih und Glied. Daneben alte Radios und andere Dinge aus dem Haushalt. Nur selten besuche er Trödelmärkte auf der Suche nach neuen Schätzen, schildert er weiter. Die meisten Sachen bringen die Nachbarn im Ort bei ihm vorbei.

Der Dachboden mit seinen Schmuckstücken ist sein größter Stolz. Hier bewahrt er ein Stück Geschichte für die Nachwelt auf. Wie alles funktioniert hat, weiß er auch. Nur bei einer kleinen Maschine ist er unschlüssig. "Das Gerät hat mir schon reichlich Kopfzerbrechen bereitet. Ich habe bereits bei Museen angefragt und bislang noch keinen gefunden, der mir sagen konnte, wozu das Geräte einst gebaut wurde", erklärt er. Bei dem Teil handelt es sich um ein gusseisernes Gerät mit zwei Klingen. Ob es sich dabei um ein Haushaltsgerät handelt, daran zweifelt der erfahrene Senior.