Auf der Suche nach Freiheit und Glück entschloss sich Mario Goldstein, die Welt zu umsegeln. Über seine Abenteurertour über "Fünf Jahre – fünf Meere" erzählte der gebürtige Vogtländer am Sonnabendnachmittag im Nuthaer "Dorfkrug". In gut zwei Stunden nahm er seine Zuhörer mittels hunderter Bilder und eingeschnittener Videosequenzen mit auf eine anschauliche Reise, die sein Leben verändern sollte.

Nutha. Eine neugierige Runde von 22 Interessenten hat sich am Sonnabendnachmittag im Saal des "Dorfkrugs" eingefunden. Gespannt lauschen die Frauen und Männer der Geschichte von einem, der auszog, das Glück zu finden. Und dieser jemand ist Mario Goldstein. Ein blondhaariger Mann mit offener Ausstrahlung und sympathischem Lächeln, von dem die Oma stets sagte, dass er ein Rumtreiber sei. Aufgewachsen in Oelsnitz, einem kleinen Ort im Vogtland, lockte es ihn immer wieder ans Meer und in warme Länder.

Bei einem Mallorca-Urlaub schließlich fasste Mario Goldstein den Entschluss, nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren. Er verkaufte daheim sein ganzes Hab und Gut für seine Suche nach Freiheit, die ihn einst bereits aus der damaligen DDR flüchten ließ. "Es entstand der Traum, einmal über den Atlantik zu segeln", blickt Mario Goldstein zurück. Er werkelte schon tüchtig an einem kleinen Motorsegler herum, als er der Amerikanerin Alice von seinem Plan erzählte. "Da brauchen wir ein größeres Boot", entgegnete sie. Plötzlich waren sie ein Team.

In Thailand, in das sich Mario Goldstein sofort verliebte, erstanden sie den Katamaran "Good Life". Der alte Seebär Paul wurde sein Lehrmeister. Auf Turns hinüber nach Malay-sia und zurück sammelte der gebürtige Sachse monatelang Erfahrungen. Zugleich zeigte sich, dass Alice aus gesundheitlichen Gründen nicht mit auf die Weltumseglung gehen konnte. Doch einsam und allein sollte Mario Goldstein nicht auf die Reise gehen. Bei einer kurzen Rückkehr nach Deutschland traf er Yvonne Pommer, die nicht nur sein Herz eroberte, sondern bald schon das Navigieren beherrschen sollte. Gemeinsam starteten die beiden in ein Abenteuer, das sie mit Fotoapparat und Videokamera genau dokumentierten.

Töchterchen Yoko kommt mit an Bord

Gut 80 bis 100 Stunden Filmmaterial seien bestimmt zusammengekommen, schätzt Mario Goldstein. Einzelne Sequenzen präsentiert er zwischen den 700 ausdrucksstarken Bildern, die sie für die Multivisionsshow ausgewählt haben. Verstärkt durch die untermalende Musik und passende Geräusche begeben sich die Zuschauer auf eine anschauliche Reise, die das Paar zu malerischen Buchten und einzigartigen Menschen führen sollte. Sie erleben das geschäftige Treiben auf dem Fischmarkt der Hauptstadt der Malediven und tauchen ein in eine faszinierende Tierwelt, die von Meeresschildkröten, Delfinen und Haien bevölkert ist. Sie machen Halt auf dem Chagos-Archipel, wo sich Mario und Yvonne wie im Paradies fühlten. Sie lernen die kleine Hündin kennen, die sie auf den Seychellen mit an Bord nahmen und begegnen dem 67-jährigen Pawel aus der Ukraine, der in 72 Tagen über den Indischen Ozean ruderte.

Fasziniert begleiten sie Mario Goldstein auf seiner Tour ins Rote Meer, die ihn Stopps im Oman und Jemen einlegen ließ. Auch ein Abstecher zu den ägyptischen Pyramiden durfte nicht fehlen, während die schwangere Yvonne in Deutschland weilte. Töchterchen Yoko war gerade sechs Wochen alt, als sie mit ihren frisch gebackenen Eltern über das Mittelmeer segelte. Auf der griechischen Insel Kos überwinterten die Drei. Unterdessen wurde "Good Life" für die bevorstehende Fahrt über den Atlantik überholt. Über Sizilien und die Balearen näherten sie sich der Straße von Gibraltar, die ihnen den Weg in den Ozean eröffnete, von dem Mario Goldstein von Anfang an geträumt hatte. Der Nordostpassat sollte sie in die Karibik tragen. Aber als sie die Crew der Dschunke Kublais Kahn II trafen, änderten sie ihre Meinung und den Kurs. Brasilien hieß das neue Ziel.

Atlantik-Querung wird zu einem Wendepunkt

"Der Atlantik war eine Herausforderung, die mich an meine Grenzen führte", gesteht Mario Goldstein. In ihm reifte der Wunsch nach einer Pause. "In Brasilien ist Schluss", dachte er sich. Fünf Monate verbrachte die junge Familie in dem süd- amerikanischen Land. "Die Lust zum Segeln blieb verschwunden", erinnert sich der blondhaarige Mann, den das stetige Leben allerdings nicht auf Dauer zufriedenstellt. "Das wird schnell langweilig", findet er. So wurden sie auch auf Grenada nicht sesshaft und brachen ihre Zelte ab.

Inzwischen ist "Good Life" verkauft und eine neue Idee geboren. Einen ausrangierten Wasserwerfer will Mario Goldstein in ein Expeditionsmobil umbauen. Vielleicht kommt er dann eines Tages nach Nutha zurück, um über ihre aufregende Tour durch Indien zu berichten. "Der Einzige, der sie aufhalten kann, sind sie selbst", gibt er den Anwesenden zum Abschied mit auf den Heimweg.