Veränderungen im Bestellsystem für den Anrufbus hat der Geschäftsführer der Vetter GmbH Salzfurtkapelle, Thomas Vetter, für Ende Januar 2011 angekündigt. Ab diesem Zeitpunkt sollen Kunden auch das Internet nutzen können, um ihre Fahrten anzumelden.

Köthen/Zerbst (mz). Im Kreishaushalt 2011 sollen rund 160 000 Euro der "Qualitätsverbesserung im Anrufbus-System" vorbehalten sein. Das Geld wird für investive Zwecke zur Verfügung gestellt, wie Amtsleiter Uwe Hippe erklärte. Sein Amt habe zudem bereits einem vorzeitigen Maßnahmebeginn zugestimmt: Das Busunternehmen Vetter kann folglich die Anrufbus-Bestellungen per Internet technisch vorbereiten, auch wenn der Haushalt noch nicht genehmigt ist.

Verärgert waren Kunden bislang vor allem über den hohen Zeitaufwand bei der Bestellung und das Steckenbleiben in der Warteschleife der Bestellhotline. Ein Zustand, der auch dem Beförderungsunternehmen nicht gefiel. "Wir haben eine kritische Ist-Analyse vorgenommen", wie Thomas Vetter dieser Woche dem Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr des Kreistages erklärte.

Mit welchen Problemstellungen der Verkehrsbesorger im Öffentlichen Personen- und Nahverkehr im Landkreis Anhalt-Bitterfeld beim Thema Rufbus konfrontiert ist, machte Thomas Vetter anhand von Zahlen deutlich: Etwa 220 000 Fahrgäste werden bis Ende 2010 den Rufbus genutzt haben, der bekanntlich auf den Linien verkehrt, auf denen keine fahrplanmäßigen Fahrten durchgeführt werden.

Etwa 1,4 Millionen Kilometer werden die Anrufbusse (ARB) Ende 2010 gefahren sein. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von zehn Prozent bei den Fahrgästen und 15 Prozent bei den Kilometern. Ein Trend, so Vetter, der zu denken gibt und neue Lösungen erfordert. Geschuldet ist er zum einen dem demografischen Wandel und zum anderen der Situation in den Privathaushalten, die immer öfter über einen Zweitwagen verfügen.

Immense Kosten

Den Kunden steht also der Sinn nach diesem flexiblen Bus, den man bisher ausschließlich per Telefon bestellen kann. Dass der ARB in den Altkreisen Köthen und Bitterfeld schon zum festen Bestandteil des ÖPNV geworden ist, sieht Vetter mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Zum einen helfe der Anrufbus, die Fahrgäste im konventionellen ÖPNV zu halten, zum anderen sei er ein "immenser Kostenfaktor", weil sich die rund 18 000 Fahrten monatlich so verteilen, dass am Ende durchschnittlich nur 1,5 Fahrgäste zu einer bestimmten Zeit in einem Bus sitzen. Die Flut der Bestellungen sei von den 14 Disponenten kaum noch zu beherrschen. Von den über 140 000 Anrufen im ersten Halbjahr 2010 entfielen etwa 10 000 auf einen Disponenten. Wobei der Trend immer mehr von der reinen Bestellung hin zum Beratungsgespräch gehe, was die Gesprächsdauer verlängert.

Mehr Fahrten bündeln

Wie das neue digitale Anrufbus-System aussehen soll, erläuterte Programmierer Patric Dentzer von der Vetter GmbH den Ausschussmitgliedern. Die Anruf-Bus-Bestellung im Internet soll dabei nur der Anfang sein. Sie mache den Kunden unabhängig von der Öffnungszeit des Callcenters. Weitere Schritte sind die Einführung des elektronischen Tickets (e-ticket) oder die Nutzung von iPhone und iPad bis hin zur GPS-Datenintegration. Damit soll es künftig zum Beispiel möglich sein, Fahrten besser zu bündeln, was derzeit durch die Disponenten nicht mehr händelbar ist. Denkbar sei es in Zukunft also, per GPS den Standort der Busse zu erfassen und so Fahrgästen auch kurzfristig noch den Zustieg zu ermöglichen, macht es Dentzer anschaulich. Wie diese Vorhaben von den potenziellen Fahrgästen aufgenommen werden, wurde in einer Fahrgastbefragung ermittelt. Die Ergebnisse wurden ebenfalls im Ausschuss vorgestellt (siehe oben).

Zerbst zieht nach

Uwe Hippe begründete die Förderung durch den Landkreis auch damit, dass Anhalt-Bitterfeld mit seinem Anrufbussystem eine Vorreiterrolle in Sachsen-Anhalt spielt und dass die angestrebte Qualitätsverbesserung letztlich auch für Nachhaltigkeit bei den Tarifen sorgen soll. Selbst im Altkreis Zerbst, wo der Anrufbus noch in den Kinderschuhen steckt, sei die Zahl der Fahrgäste zwischen Juli 2009 von knapp 800 auf 6000 im Jahr 2010 gestiegen.

Sven Lachmann, der im Juli 2009 ins Linien- und Rufbusgeschäft im Zerbster Raum einstieg, hatte monatlich anfangs 20 000 Kilometer Linie zu fahren sowie 2700 Kilometer Anrufbus. Dies habe sich auf aktuell 6300 Kilometer Linienfahrten und dafür 8400 Kilometer Anrufbusfahrten verändert. Die Linienkilometer seien jedoch nicht komplett entfallen, sondern würden in Teilen von anderen Unternehmen gefahren. Lachmanns Problem: "Die Linienkilometer wurden und werden deutlich besser finanziert. Bei entsprechender Linienkilometerzahl konnte ich auch die Kosten des Anrufbusses mit ertragen. Das geht bald nicht mehr." Was auf eine weitere Notwendigkeit, die Effizienz im ÖPNV zu steigern, hinweist.