Petrus war am Sonnabend nicht in Karnevalslaune. Aber den Jecken des Carneval Clubs "Rot-Weiß" Zerbst (CCZ) konnte auch der heftigste Regen die Stimmung nicht verderben. Sie starteten in ihre Jubiläumssession - die 33. Deren Motto heißt dann auch "33 - 3 von hinten, 3 von vorn. Vieles nahmen wir aufs Korn".

Zerbst. Mit einem Umzug durch die Stadt nehmen die Zerbster Karnevalisten seit Jahren "Anlauf" auf die Übernahme der närrischen Herrschaft für die "fünfte Jahreszeit". Ebenfalls schon Tradition hat, dass dieser Umzug auf der Breite einen Zwischenstopp einlegt. Am Gildehaus empfingen nicht nur Wirt und Senator "Jacko" (Achilleas Tzanis), sondern auch weitere der bis dahin 16 CCZ-Senatoren und Anhänger des CCZ den rot-weißen, mit Regenschirmen und Regencaps geschützten Zug. Angeführt wurde er vom Prinzenpaar Tina I. und Martin I., standesgemäß in einem Zweispänner. Bei Musik gab es "beim Griechen" eine flüssige "Stärkung" und die ersten Sitzungsorden für die Senatoren. Dann waren endgültig die Schloßfreiheit und das Rathaus das Ziel.

Einen kräftigen Bürgermeisterkuss

So wie die Närrinnen und Narren wissen, dass es nie einfach ist, den Rathausschlüssel zu erobern, so gespannt sind sie und alle weiteren Zuschauer jeweils, auf welche Art und Weise sich der Bürgermeister wehrt. "Damit in Zukunft nichts mehr klemmt", will der CCZ die Macht im Rathaus, erklärte das Prinzenpaar und nahm Kritisches wie Positives vom neuen Marktplatz bis zum Katharina-Denkmal ins Visier. Auch die erfolgte Verstärkung durch das Umland werde den Bürgermeister nicht vor der Abgabe des Rathausschlüssels bewahren. "In diesem Jahr möchten wir den Schlüssel fordern, damit die Ratsherren Zeit haben, den gesetzlich befohlenen Müll zu ordern", so Prinzessin Tina. Und genau das gerade viel diskutierte Müllthema hatte sich auch Helmut Behrendt ausgesucht.

Ganz in Müllmann-Outfit gekleidet trat er "mit meinem treuen Weggefährten Wolfgang (Wolfgang Salomon - d.A.)" vor den CCZ, "die Chaos Clique Zerbst", um in "neuer Tätigkeit mit Arbeitskluft zu richten jeden Elferratsschuft". Derb-deftig nahm er sich die Elf vor. Symbol dafür war auch eine Mülltonne mit CCZ-Puppe und der Aufschrift "CCZ-Präsident Dietmar Mücke. Alter Sack in Gelber Tonne? (Fehlwurf)".

Der Bürgermeister-Müllmann warf den Karnevalisten vor, nach den 91 Tagen der letzten närrischen Herrschaft das Rathaus ruiniert und "wie ein Schweinestall" verlassen zu haben. Selbst die Anhalt-Bitterfelder Kreiswerke würden vor den Reinigungsarbeiten kapitulieren.

Darum: "Wolfgang, verteile die Müllsäcke an die Karnevalsjecken. Dann räumt jeder weg seinen eigenen Dreck." Einzeln aufgerufen, bekamen die Elferratsmitglieder blaue Säcke in die Hand gedrückt und wurden ins Rathaus geschickt, um als "Roter Narr im blauen Sack" dort aufzuräumen.

Mit viel Spaß verfolgten bei Dauerregen und zwischenzeitlich heftigem Guss die anderen Karnevalisten, darunter auch wieder Vertreter der befreundeten Käs-Jäger aus dem baden-württembergischen Raitwangen, und die zahlreichen Zuschauer dieses Treiben.

Nach getaner Arbeit gab es zum Schluss "einen kräftigen Bürgermeisterkuss" für die Prinzessin - und den Rathausschlüssel für den CCZ. Helmut Behrendt will sich "bis zum nächsten Lenz" darum kümmern, die Stadt sauber zu halten ...

Am Sonnabendabend erlebte das neue Programm des Carneval Clubs "Rot-Weiß" Zerbst in der ausverkauften Friesenhalle eine bejubelte Premiere. (Die Volksstimme berichtet gesondert.)

 

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