Der Titel "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" ist für die Förderschule (L) Güterglück Verpflichtung, dauerhaft gegen Vorurteile und Diskriminierung vorzugehen. Beim Projekttag gegen Rechts näherten sich die Zweit- bis Neuntklässler dem Thema Toleranz in dieser Woche auf ganz unterschiedliche Weise. Sie reisten mit Hase Felix zu fremden Kulturen, kochten kolumbianische Gerichte oder begaben sich mit Alois Koschig auf eine Zeitreise in die düstere deutsche Vergangenheit.

Güterglück. Seit 2007 veranstaltet die Güterglücker Förderschule jährlich einen Projekttag gegen Rechts. Ziel ist es, die Schüler auf ganz unterschiedliche und altersspezifische Weise an das Thema Toleranz heranzuführen. "Es geht vor allem darum, Vorurteile abzubauen", erklärte Schulleiterin Kathrin Noack und ergänzte: "Wir haben festgestellt, dass da Aufklärungsbedarf besteht." Denn Diskriminierung fängt bereits auf dem Pausenhof an, beispielsweise wenn einer anders ausschaut. Um die Mädchen und Jungen dafür zu öffnen, Menschen nicht wegen irgendwelcher äußeren Merkmale, wegen ihrer Hautfarbe, Religion oder Herkunft zu verurteilen, wurde auf verschiedene Mittel zurückgegriffen.

Da begaben sich die Schüler der zweiten und dritten Klasse mit Hase Felix auf eine Reise um die Welt. Wie die Trickfilmfigur versetzten sie sich in die Rolle des Fremden, der plötzlich in einem Land ankommt, dessen Sprache er nicht versteht und merkten, wie schnell man selbst in der Rolle des Exoten ist, der aus der Masse herausragt. Und eben "Irgendwie anders" ist, wie der Titel des Buches lautet, mit dem sich die Viertklässler befassten. Über die Geschichte einer entstehenden Freundschaft beschäftigten sie sich mit gegenseitiger Akzeptanz, die mitunter einer Herausforderung darstellt. Rasch werden Menschen in Schubladen gesteckt.

Wie aus Klischees Vorurteile werden, die in Diskriminierung münden, damit setzten sich die Achtklässler zusammen mit Linda Kölling und Linda Salzer vom Netzwerk für Demokratie und Courage auseinander. Zugleich gaben ihnen die beiden Studentinnen Tipps, wie man sich als Beobachter oder direkt Betroffener in einer solchen Situation verhält. Wird man wegen seiner vermeintlichen Andersartigkeit angegriffen, ist es gut sich selbst verteidigen zu können. Deshalb zeigte Klaus-Dieter Kaßler vom Kampfsportverein Zerbst den Schülern der neunten Klassen einige Kniffe, wie sie Angriffe abwehren können.

Unterdessen machte Nasly Fischer die Sechstklässler mit Rezepten aus ihrer kolumbianischen Heimat vertraut. "Wir kochen heute Arroz con Pollo, Reis mit Hühnerfleisch", erläuterte sie den Nachwuchsköchen. "Und nachher tanzen wir noch wie Shakira", erntete die junge Frau begeisterten Jubel. Sie war von der St. Johannis GmbH genau wie Julius, Kalu und Jacob. Die drei Männer, die aus Kamerun und Nigeria stammen, zogen die Schüler aus Klasse 5 und 6 mit ihrem ausdrucksstarken Trommeln in den Bann. Natürlich durften die Mädchen und Jungen sich auch mal selbst an den Instrumenten versuchen. Schließlich ging es darum, andere Kulturen zu erleben.

In eine völlig andere Zeit und zwar in das Kriegsjahr 1945 entführte Alois Koschig die Siebtklässler. Er schilderte ihnen eindrucksvoll, wie er und seine Familie damals ihre schlesische Heimat verlassen mussten. "Was wir auf der Flucht erlebt haben, hat mich geprägt", erzählte der 78-Jährige, wie er als Kind mit ansehen musste, wie Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge willkürlich erschossen oder erschlagen wurden. "Gewalt ist keine Lösung", lautete seine Botschaft.

Das Geschehen während der Hitler-Diktatur spielte bei Polizeihauptmeisterin Heike Lindner ebenfalls eine Rolle. Sie klärte die Schülern aus Klasse 7 über verbotene Symbole und Kennzeichen des Rechtsextremismus auf. Die Altersstufe war bewusst gewählt, werden die Jugendlichen mit 14 strafmündig.

 

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