Er ist bekanntlich sehr engagiert, der Förderkreis St. Nicolai Zerbst. Deshalb hat er auch für das Jahr 2010 eine stolze Liste vorzulegen, was er alles geschafft hat. Und natürlich sind die Vereinsmitglieder wieder beim Weihnachtsmarkt dabei, der morgen beginnt.

Zerbst. Walter Tharan ist kein Mann, der sich selbst lobt. Und so fängt er seinen Rückblick nicht mit den Erfolgen seines Vereins an, sondern er sagt zunächst schlicht: "Wir haben nicht alles geschafft, was wir uns vorgenommen haben." Der ehemalige Lehrer zuckt mit den Schultern, ein wenig entschuldigend klingt das. Doch dazu haben er und seine Vereinsmitglieder keinen Grund.

"Alle Projekte haben wir leider nicht geschafft."

Die Erklärung für das Nichtgeschaffte: "Die Fördermittelbescheide sind zu spät bei uns eingetroffen. Erst im August hielten wir sie endlich in Händen, konnten die Aufträge auslösen. Doch da war schon zu viel Zeit ins Land gegangen und der frühe Wintereinbruch legt jetzt unsere geplanten Bauvorhaben im wahrsten Sinne des Wortes auf Eis." Der Fußboden des Durchgangs zum Turm sollte schon fertig sein und darauf die neuen zweifarbigen Fliesen liegen. Die wurden extra in einer Manufaktur gefertigt, stehen auch bereit. "Aber wir können sie wegen der Witterung natürlich nicht verlegen." Es geht um insgesamt 40 Quadratmeter Fußboden.

Es ist zwar schade, dass der Durchgang nicht zum gewünschten Termin fertig wurde, aber das schmälert die Verdienste des Förderkreises auf keinen Fall. Der Soll- steht eine dicke Habenseite gegen-über. Da wäre beispielsweise das Erreichte im Südturm zu nennen. "Den haben wir in diesem Jahr komplett elektrifiziert", sagt Walter Tharan und zum ersten Mal schwingt ein klein wenig Stolz in seiner Stimme mit. "Wir können jetzt den Ausstellungsraum zweckentsprechend ausleuchten." Übrigens wurde auch der in diesem Jahr komplett hergestellt. "Genauso wie die Böden im Turm, bei denen die Köthener Beschäftigungsgesellschaft mit ihren Mitarbeitern uns viel geholfen hat und nicht nur dabei", sagt Walter Tharan anerkennend.

Zu den 2010-Erfolgen des Förderkreises St. Nicolai gehört auch, dass ein großes Problem jetzt keines mehr ist. Im strengen Winter des vergangenen Jahres fror die Entwässerungsanlage ein. "Die ist wieder in Betrieb und einfrieren kann sie auch nicht mehr, denn die Anlage wird jetzt bei Frost elektrisch beheizt."

In wenigen Tagen wird zu der Bilanz des Förderkreises auch die Beteiligung am Zerbster Weihnachtsmarkt in St. Nicolai stehen. Und hier können die Besucher gleich eine neue Erfahrung machen. Denn um in den Südturm zu gelangen, können sie gleich durch das Kirchenschiff gehen. Von dort führt eine neue Treppe in den Turm. Der schmale Aufstieg von außen gehört damit der Vergangenheit an.

Apropos Weihnachtsmarkt. Der findet von morgen bis zum Sonntag in der Kirche St. Nicolai statt, und die Ehrenamtler sind wieder mit dabei. "Der Südturm ist an allen vier Tagen von 15 bis 18 Uhr geöffnet und kann bestiegen werden", freut sich Walter Tharan auf die Besucher.

Außerdem ist der Förderkreis mit einem Stand vertreten. "Hier verkaufen wir unsere CD ,Geläut der St. Nicolai‘, ein schönes Geschenk zu Weihnachten, und es gibt auch zwei Bücher über das ehemalige Gotteshaus."

"Wir suchen ganz dringend jungen Nachwuchs."

An dem Stand liegt Informationsmaterial über die Kirche und über die Arbeit des Freundeskreises aus. "Die ist wirklich abwechslungsreich, spannend, interessant und sinnvoll", zählt Tharan ein paar gute Gründe für Vereinsarbeit auf. Und doch: "Unser Förderkreis ist überaltert. Wir suchen dringend jüngeren Nachwuchs, der unsere Arbeit engagiert weiterführen wird", bitte er darum, dass sich Interessierte melden. Je eher, desto besser.

Eine Besonderheit gibt es am Sonnabend. "Da können die Besucher nicht nur auf den Turm steigen, sondern sich das Geläut bei der Arbeit ansehen", erläutert Walter Tharan. "Um 18 Uhr läuten alle fünf Glocken."

Zu dem Engagement auf dem Weihnachtsmarkt gehört ebenfalls eine Ausstellung. "Beim Turmaufstieg und im Ausstellungsraum zeigen wir Exponate junger Architekten. Die Arbeiten stammen aus einem europäischen Denkmalschutz-Wettbewerb. Arbeiten, die sich mit unserer Nicolaikirche befasst haben, kaufte unser Förderkreis und zeigt sie der Öffentlichkeit", so Walter Tharan. "Das sind insgesamt 25 Arbeiten. Die reichen von Konstruktionsplänen bis hin zu Modellen in verschiedenen Größen."

Natürlich wird auch der Turm von einer Lichterkette beleuchtet. "Danach wurde ich in den vergangenen Tagen schon ganz oft gefragt", lächelt Walter Tharan. "Wir bringen sie natürlich wieder pünktlich an", verspricht er.

Im kommenden Jahr möchte der Förderkreis, dass das Unionsdenkmal einen seiner beiden fehlenden Köpfe wiederbekommt. "Den Förderantrag haben wir gestellt", so der Vorsitzende. "Außerdem soll die Edelstahltreppe überdacht werden und auch eine Bestuhlung für den Innenraum haben wir geplant. Außerdem wollen wir eine Überdachung beispielsweise für die Chöre und Orchester schaffen", so Walter Tharan.

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