Zerbst. "Es wäre das letzte Mal", blickt Heinz Lischke auf den Oktober voraus. Wenn sein Buch "Die Umkehr" im Herbst, wie es jetzt geplant ist, in polnischer Sprache gedruckt erscheint, würde der frühere Zerbster Pfarrer noch einmal nach Breslau fahren.

Zum, wie er es sich im Moment vorgenommen hat, letzten Mal. Zum dritten Mal aber in diesem Jahr. Heinz Lischke wurde am 26. April 1927 in Wroclaw/Breslau geboren. 1954 kam er als Vikar nach Zerbst, wurde später Pfarrer in Grimme und wieder in Zerbst.

Zwischen 1945 und 1950 war Heinz Lischke in russischer Kriegsgefangenschaft. Mit "Die Umkehr" ist 2004 das Tagebuch aus dieser Zeit als Buch erschienen. Zwei Jahre später folgten mit "Rufe aus der Nacht" Gedichte, die Heinz Lischke in der Zeit der Gefangenschaft geschrieben hat. Das erste im Juni 1945. Seine Bücher veröffentlichte er unter dem Pseudonym "Henryk Silesius".

Wichtige Erinnerungen

"Die Umkehr" ist bereits auch in tschechischer und in russischer Sprache erschienen. "Jetzt hat sie der deutschsprachige Katholik Gerhard Lepszy-Lehnert in Breslau auch ins Polnische übersetzt", erzählt Heinz Lischke. Und auch seinen Gedichtband hat Gerhard Lepszy-Lehnert in die polnische Sprache übertragen. "Mehrere haben mir bestätigt, dass das gut geworden ist", freut sich der Pfarrer i.R., der seiner Heimatstadt weiter sehr verbunden ist und sich nach wie vor ehrenamtlich für die Bewahrung schlesischer Kultur und Tradition engagiert.

Wie wichtig seine Bücher, aber auch das Gespräch darüber sind, hat Heinz Lischke erst im Frühjahr bei einer Breslau-Reise erneut erfahren. Dort hatte er eine Wiederbegegnung mit Firmlingen aus der Schweiz. Ihnen hatte er im Vorjahr "Die Umkehr" mitgegeben. Sie haben mit dem Buch gearbeitet, und, so Heinz Lischke, "zum Teil merkwürdige Ergebnisse erzielt". So habe einer der Jugendlichen gemeint, das Buch sei Fiktion, "Erfindung meiner dichterischen Fantasie. Er hat einfach nicht verstehen können, dass das von mir Geschilderte ganz reale, am eigenen Leib erfahrene Wirklichkeit ist".

Eiserne Konfirmation

Eine Wirklichkeit, die Heinz Lischke zur "Umkehr" bewegt hat. Von einem jungen Mann, der sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet hatte und dann den Weg zum christlichen Glauben findet. Zum "Glauben, der dir in der Nazizeit geraubt worden war", heißt es in der Rede zur Eisernen Konfirmation, die Heinz Lischke vor Kurzem bei seiner zweiten Reise in die Heimatstadt in diesem Jahr erlebte. In der St.-Christopheri-Kirche wurde dieses 70-jährige Konfirmationsjubiläum gewürdigt.

"Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist und bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen", lautet der aus diesem Anlass überreichte Denkspruch.

Einer, der auch Bezug nimmt auf Heinz Lischkes Lebens-weg.

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