Zehn Traktoren, drei Lkw und über 40 Einzelmaschinen aus der Landwirtschaft früherer Jahrzehnte hat der Zerbster Horst Finger zu einer beeindruckenden Sammlung auf seinem Grundstück vereint. Manchmal bekommen Fremde die Technik zu sehen – beim Bollenmarkt-Umzug beispielsweise. Die Volksstimme durfte sich jüngst die komplette Sammlung anschauen.

Zerbst. Seit 1962, ihrem Hochzeitsjahr, leben Marlies und Horst Finger auf ihrem Grundstück nahe der Dobritzer Straße. Der heute 72-jährige ist Traktorist gewesen, auch Gattin Marlies war in jungen Jahren in der Landwirtschaft beschäftigt. Zwangsläufig ergab sich Kontakt zur Landtechnik, aber dass Horst Finger Anfang der 1970-er Jahre wegen einer Kornsense darauf kam, die Technik aufzuheben, zu reparieren, zu restaurieren und überall auf dem Grundstück zur Parade aufzustellen, war nicht vorherzusehen. "Er kann sich von nichts trennen", zuckt Frau Finger mit den Schultern. Auch heute noch rettet Horst Finger alte Landtechnik vor der Schrottpresse, wo immer er sie findet.

Manchmal waren es Tauschgeschäfte, die ihn in den Besitz von sieben Traktoren "Famulus" oder drei RS 09 brachten. "Entweder haben mir die Landwirte die Geräte und Maschinen einfach so überlassen, oder ich musste ihnen anderen Schrott liefern. Schrott war ja wichtig", schmunzelt Horst Finger in Erinnerung an alte Zeiten.

Jede der über 40 Maschinen, drei Lkw und zehn Traktoren könnte er komplett auseinander- und wieder zusammenbauen. "Das nimmt man sich über die Jahre so an", meint er nur. Die Werkstatt auf dem Grundstück hält alles Nötige bereit, und die Zeit zum Reparieren, Restaurieren und Bewegen nahm er sich. Auch heute noch. Ärger mit der Frau wegen der vielen Zeit? "Nö. Das geht nur, wenn der Partner das akzeptiert. Meine Frau hat beispielsweise immer die Farbe kaufen und herschleppen müssen. War auch nicht immer einfach." Zugleich hat das Paar seine sechs Töchter groß gezogen, und nebenbei auch Gemüse angebaut.

Die Maschinen und Geräte sehen aus wie geleckt. Auf manche ist Finger besonders stolz. "Ich habe hier eine Haferquetsche von 1920. Funktioniert wie eh und je. Haferquetschen waren wichtig, um die Futterverwertung bei den Pferden zu steigern. Ungequetschten Hafer verdauen die ja nur unvollständig." Direkt daneben steht eine Sackkarre mit Kettenaufzug. So konnten die schweren Säcke bis auf Gürtelhöhe gebracht werden. "Das ist eine wesentliche Erleichterung für die Leute gewesen." Oder die große hölzerne Dreschmaschine "Eiger 2" aus dem Jahr 1923. Finger kennt jedes Detail der voll betriebsfähigen Maschine. "Hier vorn, wo das Stroh gebunden wird, haben wir einen Knotenbinder nach dem Wagner-Patent. Das finden Sie auch heute noch an allen Maschinen, die etwas binden. Der Wagner war echt schlau und hat sehr viele Arbeitserleichterungen ausgetüftelt."

Die Maschinen folgen keinem Sammel-Muster. Sie sind alt, einst wichtige Hilfen im Landwirtschaftsalltag. Doch Finger hat auch Platz für Raritäten aus angrenzenden Branchen. So steht ein "LO 1800" mit ganz speziellem Aufbau auf dem Hof. Er ist als Bergungsfahrzeug mit hydraulischem Greifer, Spill und Hydraulik-Stempeln zum Abstützen ausgestattet.

Am Ende des Rundgangs wird Finger etwas schwermütig. "Was wird mit den Maschinen, wenn ich nicht mehr kann?" Die gesamte bisherige Zeit hat er nur für sich gesammelt. "Anderen zeigen? Nein, das ist keine Schau. Und wird es auch nicht", will er ich die Ruhe auf dem Grundstück nicht nehmen lassen. Statt dessen Fahren Fingers mit Maschinen und Traktoren bei Umzügen durch Zerbst wie andere Städte mit. Allein fünfmal war er schon am Bollenmarkt- und Gfa-Wochenende dabei. "Dieses Jahr auch wieder. Einen Trecker fährt meine Enkelin."

Bilder