Zerbst l Große, spektakuläre Funde sind in der Archäologie selten. Auch für die Zerbster Archäologen um Dr. Gösta Ditmar-Trauth. Neue Erkenntnisse brachte das Ausgrabungsjahr 2011 dennoch, da die zahlreichen Grabungen und deren Befunde die bereits vorhandenen Erkenntnisse bestätigt oder weiter verdichtet haben.

Zum Beispiel haben die Grabungen bzw. baustellenbegleitenden Untersuchungen auf der Alten und Neuen Brücke in diesem Jahr, aber auch auf dem Markt, der Wolfsbrücke und der Haselopstraße in den vergangenen Jahren gezeigt, dass der gesamte Nuthe-Niederungsbereich im Zentrum der Stadt großflächig befestigt wurde. "Und das mehrmals zu verschiedenen Zeiten", erklärt Gösta Ditmar-Trauth. Sowohl die gefundenen Materialien als auch vergleichbare Schichthöhen an verschiedenen Fundorten lassen diese Schlußfolgerung zu.

"Diese Auffüllungsschichten sind panzerhart und sehr gut verdichtet." Immer wieder sind die Straßen großflächig neu aufgeschüttet sowie zusätzliche Bodenbefestigungsmaßnahmen durchgeführt worden. Von Holzhäckseln über Pflanzenfasern, Lederresten, Knochen bis Abfällen der Korbflechter und Befestigungsmatten finden sich Zeugnisse.

Mehr Zeit hätten sich die Archäologen bei den Grabungen an der Alten Brücke 8 gewünscht. Dort fanden sich Spuren, die für ein langfristig angesiedeltes Metallhandwerk sprechen. "Wir haben hier eine Stapelung der Schichten. Das spricht dafür, dass hier Öfen nicht nur über eine Generation hinweg standen." Bereits frühere Funde legten die Vermutung nahe, dass die heutige Alte Brücke einst die Zerbster Adresse für das Metallhandwerk war. Doch die detaillierte Untersuchung der verbliebenen Spuren damaliger Öfen gelang nicht. "Die stecken noch unter der Erde. Aber sie sind da", weiß Ditmar-Trauth.

Zudem wurden dort aus einem Brunnen Massen an Scherben und Keramik geborgen. "Dieser Brunnen ist neuzeitlich und nach 1809 verfüllt worden", erklärt Ditmar-Trauth. Der Fund einer Scherbe mit dieser Jahreszahl untermauert das Ergebnis. Ob die Aufgabe des Brunnens und vielleicht des darum befindlichen Hauses in Zusammenhang mit den napoleonischen Feldzügen steht, konnte nicht verifiziert werden. "Wahrscheinlich ist lediglich der Hausstand entsorgt worden", so Ditmar-Trauth. Viele Scherben enthielten Farbreste, die eine gründliche Sanierung oder Renovierung nahelegen. "Zumal dies in der Aufbruchzeit geschah, in der sich die Wasserversorgung weiterentwickelte."

Weitere Einsätze hatten die Archäologen dank Erdarbeiten zur Verlegung neuer Gasleitungen in der Bäcker-, Silber- und Brüderstraße sowie der Alten Brauerei. In diesem Fällen konnten Profiluntersuchungen vorgenommen werden. "Dabei konnten wir Profile aus der Zeit des Mittelalters erkennen und sogar aus der Zeit Ende Bronzezeit/Anfang Eisenzeit", resümiert Archäologe Frank Besener. Zahlreiche Keramikfunde runden das Bild ab. "Die waren in Ordnung und datierfähig. Wir reden hier von der Zeit um 1000 bis 1200 vor Christus."

Weitere Nachuntersuchungen fanden Anfang 2011 auf dem Areal der Jüdenstraße statt. "Wir wollten weitere Ergänzungen zur Lage der Häuser vornehmen und weitere Funde bergen", sagt Ditmar-Trauth. Beide Ziele wurden erreicht, auch wenn keine neuen Erkenntnisse durch diese Grabungen gewonnen werden konnten.

Es sind Kellerstrukturen aus der Zeit um 1200 gefunden worden sowie Keramiken. Das mit Abstand einprägsamste Fundstück war eine Scherbe mit Drachen- oder Vogelkopf. "Davon haben wir keine weiteren Spuren gefunden, obwohl man annehmen könnte, dass sie dort liegen müssten."

Für 2012 hoffen die Archäologen vor allem auf den Baubeginn des Schleibank-Areals. "Die dortige Grabung könnte sehr interessant werden und weitere Erkenntnisse bringen", ist Ditmar-Trauth optimistisch.

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