Mit einem klaren Nein spricht sich Heike Mortell, Gartendenkmalpflegerin im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, gegen die jüngst beschlossene Trassierung des Westflügelweges aus.

Zerbst l "Wir werden der Unteren Denkmalbehörde die Ablehung dieses Wegverlaufes empfehlen", sagt Heike Mortell zum jüngst im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss getroffenen Entscheid, als sie am Mittwoch mit dem Bauausschussvorsitzenden Helmut Seidler, der zuständigen Amtsleiterin Kerstin Gudella, Planer Uwe Merz und Ute Schilling, Sachbearbeiterin für Grünflächen, diese Entscheidung besprach. Die fordert eine Trassierung des Westflügelweges mit Sichtachse auf das Katharina-Denkmal und damit einen Bruch mit dem historisch belegten Wegverlauf.

"Diese Kehrtwendung ist für mich nicht nachvollziehbar", fügt Mortell an und verweist auf den 2008 beschlossenen Denkmalrahmenplan als wissenschaftliche Arbeitsgrundlage. Bisher habe es mit Zerbst eine konstruktive und gute Zusammenarbeit gegeben. Bereits das Aufstellen des Katharina-Denkmals im Schlossgarten sei ein Kompromiss gewesen. "Eine weitere Inszenierung des Denkmals ist denkmalfachlich nicht akzeptabel."

Planer Uwe Merz legte die dem Beschluss zugrunde liegende neue Wegführung als Skizze vor. Dabei führt der Weg vom Katharina-Weg aus blickend direkt auf das Denkmal zu. Der Böschungswinkel bleibt unverändert. Und in dieser Planung ist auch der historische Verlauf der Bäume beibehalten. Die würden mit neuer Wegführung nun - ausgehend vom Katharina-Weg - rechts des Weges stehen. Bisher standen sie links davon. Weiterhin sollen auch - ebenfalls nach historischen Belegen - kleinkronige Obstbäume den Weg säumen. Die Runde sprach sich für Apfelbäume aus - reichlich blühend, wenig fruchtend.

Der mittig des Weges geplanten Treppe steht Heike Mortell wohlwollend gegenüber, weniger der ebenfalls beschlossenen Gestaltung aus Naturstein und mit Holzgeländer. "Ich bin gegen Holz. Es wird grün, bei Nässe glitschig und unansehnlich." Auch die Steinoptik überzeugt sie nicht. "Es handelt sich hier um ein neues Element, das auch als solches zu erkennen sein sollte." Die Existenzberechtigung der Treppe liegt für Mortell in deren touristischer Wirkung und Bedeutung - beispielsweise als wichtiges Bestandteil der in Arbeit befindlichen Katharina-Route und als Markierung des Mittelresaliten des zerstörten Westflügels, um die einstige Dimension des Schlosses zu unterstreichen.

Merz nutzt das Treffen auch, um eine neue Treppen-Lösung vorzustellen. Die sieht vor, die Treppe mittels Einfassungswänden so weit wie möglich in die Böschung zu integrieren. Die Oberfläche bestünde aus oberflächenbehandeltem Beton, das Geländer aus Metall, der Handlauf aus Holz. "Um der Treppe die Wucht zu nehmen, wird sie von 2,4 auf 1,8 Meter Breite reduziert." Lediglich am oberen Ende der Böschung würde das Geländer zu sehen sein. Der Rasen würde die leicht überstehenden Einfassungswände überdecken.

Mit der beschlossenen Naturstein-Treppe würde das Gesamtprojekt "Westflügelweg" in dieser neuen Variante mit rund 159 000 Euro zu Buche schlagen, mit Beton etwas weniger. Rund 138 000 Euro würde es mit 2,4 Meter breiter Treppen aus Beton ohne Integration in die Böschung kosten.

Im Januar wird der Bauausschuss über den Westflügelweg abstimmen. Die Verwaltung wird aufgrund des drohenden Vetos des Fachamtes den historischen Wegverlauf zur Abstimmung stellen. Merz verwies nochmals darauf, dass er als Planer nur genehmigungsfähige Planungen für die denkmalrechtliche Genehmigung abgeben dürfe.

Die Genehmigungsbehörde für die Ausführungsplanung des Westflügelweges ist die Untere Denkmalbehörde - sprich der Landkreis. Sollte sie dem Veto des Landesamtes nicht folgen und der Neutrassierung zustimmen, würde das Fachamt Einspruch bei der Oberen Denkmalbehörde einlegen. "Dann würde erstmal nichts mehr passieren", sagt Mortell zu dem, was eintreten könnte, sollte keine Einigung gefunden werden.