In der Redaktion sind weitere Meinungen zum Thema angekommen: Zuerst dachte ich, das ist ein schlechter Scherz. Aber nein, man will wirklich so etwas planen in unserer Stadt. Es ist doch wirklich soviel Platz in Zerbst, wo so etwas realisiert werden kann. Gerade im Innenstadtbereich sind diverse Baulücken, die darauf warten, dass etwas vernünftiges passiert.

Im Hinblick der nach wie vor sichtbaren Spuren der starken Zerstörung der Stadt zum Ende des zweiten Weltkrieges und der Fehler der innerstädtischen Bebauung in der Folgezeit ist es ein großer Fehler, wenn dieses Vorhaben durchgeführt wird.

So viele Zeitzeugen der einstigen alten Stadt Zerbst haben wir nicht mehr und es wurde in den letzten Jahren viel für die Nicolaikirche getan, um den Eindruck zu vermitteln, dass diese Kirche etwas besonderes war.

Man kann nur hoffen, dass dieses Vorhaben nicht realisiert wird, denn damit geht wieder ein Stück altes Zerbst verloren!

Frank Wecke, Zerbst

Ich verstehe zwar, dass das Francisceum (mein altes Gymnasium) einen Platz zum Turnen braucht, aber muss man dafür gleich eine Kirchen-Ruine zu einer Sporthalle umbauen? Es gibt eine Alternative: das Gelände um die ehemalige Sekundarschule Nord am Wegeberg. Ich halte es für sinnvoll, dort zu bauen. Vier Wände zu errichten, ist einfacher als eine Schulsporthalle in eine gotische Kirchen-Ruine hineinzubasteln.

Wie wäre es mit einer Nicolaischule? Ich weiß, dass es im 16./17. Jahrhundert eine Nicolaischule gab und bin der Meinung, dass eine solche Idee in die richtige Richtung führt. Aus meiner Erfahrung ist es angebracht und nachhaltig, einen freien Schulträger zu gründen. Die Finanzierung zum Umbau der Kirche zu einem 4- bis 5-geschossigen Gebäude muss gedeckelt/geklärt werden. Und der Landkreis, hier insbesondere der Landrat Schulze, muss sich hinter die Idee einer Schule stellen. Nur so kann ein so großes Projekt umgesetzt werden.

Martin Freudenreich, Zerbst

Das Francisceum braucht eine neue Sporthalle. Die Kirchenruine St. Nicolai braucht eine Nutzung. Beides zusammenzuführen ist mutig und im ersten Moment vielleicht auch etwas "verrückt". Anhalt war immer Vorreiter für Neues. Die Aufklärung durch Fürst Franz, die technische Experimentierfreudigkeit eines Hugo Junkers oder die gesellschaftskritische Architektur der Bauhausmeister - all das war umstritten und hat den Menschen in Anhalt zu einem besseren Leben verholfen.

Übrigens, wenn wir die Maßstäbe manch Kritikers des Sporthallenbaus ernsthaft anlegen wollten, müsste sich das Francisceum einen neuen Standort suchen. Der Komplex ist als Kloster gebaut und genutzt worden, nicht als Bildungseinrichtung. Die heutige Aula hatte die Funktion einer Klosterkirche, heute werden dort Klausuren geschrieben und finden Veranstaltungen weltlicher Art statt.

Ohne Nutzung wäre der Klosterkomplex längst eine Ruine. Im kommenden Jahr feiern wir 800 Jahre Anhalt, 2014 begehen wir den 200. Todestag des Gründers und Namensgebers des Francisceums, 2017 feiern wir 500 Jahre Reformation und 2019 einhundert Jahre Bauhaus. Alles Persönlichkeiten und Ereignisse, die Anhalt in der Welt bekannt und berühmt gemacht haben. Wäre es nicht eine wunderbare Sache, wenn in Zerbst wieder etwas Neues entsteht, etwas auf den ersten Blick Ungewöhnliches?

Ich sage voraus, internationale Experten für Bau und Stadtentwicklung werden kommen und neue Ideen mitnehmen. Welch eine Chance für Zerbst und Anhalt! Und ganz nebenbei bekommt unser Francisceum eine dringend benötigte Sporthalle und sichert damit die Zukunft des gymnasialen Standortes Zerbst. Eine wunderbare Idee!

Holger Hövelmann, Zerbst