Altstadt l "Papi, ich hab den Türken gefunden!", ruft die kleine Lilli begeistert. Sie ist Teilnehmerin des Stadtrundgangs "Der Pascha von Magdeburg". Auf den ersten Blick finden sich heute nur schwer Spuren, die auf eine Verbindung Magdeburgs mit Tataren, Türken und Osmanen deuten. Doch wer genauer hinschaut - wie im Falle der steinernen Türken im Kreuzgang des Magdeburger Doms - entdeckt solche Spuren in der Domstadt.

Wer Lust auf eine interkulturelle Entdeckungsreise rund um den Dom hat, bekommt dazu am kommenden Donnerstag, 31. Januar, ab 15.30 Uhr Gelegenheit. Der Turkologe Dr. Mieste Hotopp-Riecke bietet dann einen historischen Stadtspaziergang an.

Treffpunkt ist dabei der Tatarenturm am Dom zu Magdeburg. Nicht ohne Grund, verweist dieser doch mit seinem Namen auf die weit verbreitete Tatarenangst des ausgehenden Mittelalters. "Während es in Deutschland Dutzende Tatarenberge, -straßen, -büsche und -gräber gibt, ist der Magdeburger Tatarenturm das sowohl älteste als auch am weitesten westlich gelegene deutsche Bauwerk mit dem Namen des östlichen Reitervolkes", erklärt Mieste Hotopp-Riecke. Ein paar Schritte weiter im Innenhof des Kreuzgangs verweisen dann die bereits erwähnten zwei kauernden Türken aus Sandstein auf die Türkenkriege vergangener Jahrhunderte sowie auf die auch in Magdeburg bezeugten "Türkentaufen".

Doch nicht nur negative zumeist militärische Begegnungen werden thematisiert, sondern auch auf Positivbeispiele interkultureller Begegnung wird auf dem Stadtrundgang verwiesen, wie z.B. die Ansiedlungspläne der preußischen Regierung für muslimische Tataren, Imame und Moscheen auf preußische Staatskosten inklusive oder die Tausenden muslimischen Soldaten in preußischen und sächsischen Armeen des 18. Jahrhunderts.

Auch die Biografien von Ishtiraki, Bruno Taut und Mehmed Ali Pascha werden angesprochen. Ishtiraki war das osmanische Pseudonym von Friedrich Schrader, ein progressiver Publizist, der in Wolmirstedt geboren und in Magdeburg und Halle ausgebildet wurde. Der deutsche Architekt Bruno Taut, der in Magdeburg das Stadtbild prägte, ist als einziger Nichtmuslim auf dem Ehrenfriedhof Edirnekapi in Istanbul begraben.

Der osmanische General Mehmed Ali Pascha wurde 1827 als Carl Friedrich Detroit in Magdeburg geboren. Nach abenteuerlicher Flucht als Schiffsjunge und Aufnahme bei einer osmanischen Adelsfamilie in Konstantinopel konvertierte er zum Islam, bestritt eine erfolgreiche Militärlaufbahn und wurde deshalb zum Pascha ernannt. Reichskanzler Bismark titulierte ihn während des Berliner Kongresses 1878 abschätzig als "den Magdeburger".

Den Abschluss des Rundgangs bildet ein Besuch in der Mescit (Gebetsstätte) "Al-Rahman" der Magdeburger Islamischen Gemeinde und ein Essen in einem orientalischen Restaurant.

Anmeldung: icatat@gmx.de oder Tel. 01573/1758823.

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