Knapp 200 Probebohrungen auf dem Schulhof Am Vogelgesang haben keinen weiteren dramatischen Arsenwert zu Tage gefördert. Vorsichtshalber werden dennoch Sand und Boden an einigen Stellen ausgetauscht.

Neue Neustadt l Mit einem Schreiben an Rico Hermes, Schulleiter der Grundschule Am Vogelgesang in Nachbarschaft des Zoos, gibt Gesundheitsamtsleiter Dr. Eike Hennig zwar Entwarnung. Am morgigen Freitag wird eine Expertenrunde nun aber beraten, wie es weitergehen soll. Denn vorsichtshalber sollen trotzdem Spielsand und weitere Teile des Bodens im Schulgarten und an der Böschung ausgetauscht werden. Gegenüber der Volksstimme erläuterte der Amtsleiter gestern: "Ich denke, dass an den betroffenen Stellen ein Austausch von 30 bis 40 Zentimetern eine gute Lösung sein dürften." Einen genauen Termin für den Bodenaustausch konnte die Stadtverwaltung bislang noch nicht benennen.

Hintergrund: Vor einigen Wochen hatte ein Arsenwert von 140 Milligramm pro Kilogramm Boden in einem Sandkasten für Aufsehen gesorgt. Der sogenannte Messwert für das giftige Halbmetall, das in geringen Mengen vielerorts vorkommt, liegt bei 25 Milligramm pro Kilogramm. Eike Hennig schreibt dem Schulleiter nach der Auswertung auch weiterer daraufhin veranlasster Probebohrungen: "Wir haben es mit einer Reihe von Überschreitungen der festgelegten Prüf- und Maßnahmewerte zu tun, können aber insgesamt eine deutliche Entwarnung aussprechen." Was den Arsenwert angeht, so wurde der Spitzenwert im Schulgarten gemessen. Dieser lag bei 29 Milligramm pro Kilogramm. In dem Schreiben an den Schulleiter heißt es nun: "Es ist bekannt, dass Arsen nicht oder nur in geringster Dosis in Pflanzenteile aufsteigt, somit können wir auch im Schulgarten von keiner gesundheitlichen Gefährdung ausgehen."

Bei der Untersuchung der Bodenproben ebenfalls im Fokus der Laboranten: die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, kurz PAK. Erhöhte Werte hat es bei 38 Proben gegeben. Bei zwei Proben wurde der Wert von 100 Milligramm pro Kilogramm Boden überschritten, ab dem etwas unternommen werden muss. Dies ist nach Einschätzung vom Leiter des Gesundheitsamtes durchaus richtig - dennoch aber als Vorsichtsmaßnahme und nicht als Resultat einer unmittelbaren Gefährdung für die Gesundheit der Schulkinder einzuordnen.

Der Grund: PAK kommen heute fast überall in der Luft und im Boden vor. Die Umweltgifte entstehen nämlich unter anderem bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material wie Kohle und Erdöl. Sie sind zudem in Weichmachern und damit zum Beispiel in Gummigriffen von Werkzeug, in manchen modischen Badeschuhen und in Gummireifen enthalten. Und: Sie entstehen beim Grillen und beim Rauchen. Eike Hennig nennt zur Einordnung die Menge der vier wichtigsten PAK, die im Jahr 2010 in Deutschland in die Umwelt gelangt sind: "Das waren immerhin 190 Tonnen", sagt der Leiter des Gesundheitsamtes. Pflanzen nehmen PAK vor allem über die Luft und kaum über die Wurzeln auf, so Eike Hennig. Zum Vergleich: Obst und Gemüse aus Gartensparten mit Werten bis 100 Milligramm PAK pro Kilogramm Boden gelten als gesundheitlich unbedenklich.