Welche strengen Sitten vor 125 Jahren an ihrer Schule herrschten, lernten gestern die Kinder der Grundschule "Hegelstraße". Um den Geburtstag des Schulgebäudes zu feiern, begaben sie sich auf eine Reise durch dessen Geschichte.

Altstadt l Sakkos, Westen, Schiebermützen sieht man heutzutage an Schulen eher selten. Wenn dann noch die Lehrerinnen in langen Biedermeier-Kleidern und gut behütet unterrichten, muss irgendetwas los sein. Und richtig, anlässlich des 125. Geburtstags ihres Schulgebäudes an der Hegelstraße verkleideten sich Schüler und Lehrer der gleichnamigen Grundschule passend zu dessen Alter. Wobei manche auch spätere Schulepochen aufleben ließen, indem sie Mamas altes Pionierhalstuch aus dem Schrank kramten.

An acht Stationen erhielten die Jungen und Mädchen einen Eindruck davon, wie Schule in früheren Zeiten funktionierte. In klassenübergreifenden Gruppen, in denen die Älteren den Jüngeren halfen, ging es vom Bau einer "Camera obscura" über einen Schwarz-Weiß-Film bis zum Kästchenhüpfen auf dem Schulhof. "Ohne Fleiß kein Preis", ein Spruch, der heute wie damals gilt, sollten die Schüler bei Lehrerin Barbara Gebhardt in Süterlin aufschreiben. In einem anderen Raum berichteten die Großväter mancher Kinder von ihren Schulerinnerungen, eine weitere Station widmete sich dem sozialistischen Bildungsapparat in der DDR.

Entsprechend der Zeitreisen-Vorgabe waren auch keine der sonst bunt gemischten internationalen Namen zu hören, sondern alle Kinder trugen Namensschilder mit zeitlich passenden Namen wie August oder Fritz, egal welche Hautfarbe sie hatten.

Auch in der Hof- und Frühstückspause wurde das Motto konsequent umgesetzt. "Zum Frühstück hat uns die Firma Gastro Concept Milchbrötchen gebacken. Dazu gab es nur Kakao, mehr nicht, eben wie früher", erklärte Ute Kleinert.

Der Pausengang glich eher einem Rundgang im Gefängnis. In Zweierreihen gingen die Kinder zehn Minuten lang um das Karree des Basketball-Spielfeldes - Rennen und Toben unerwünscht. "Noch hat sich keiner beschwert, aber es sind ja noch zehn Minuten", meinte eine Lehrerin. Am Ende des Schultages wird der eine oder andere wohl drei Kreuze gemacht haben, dass er heute und nicht vor 125 Jahren lernt.

Ute Kleinert brachte die Idee zur Zeitreise bereits zum 120. Schulgeburtstag vor fünf Jahren ein und war auch dieses Mal für die Organisation verantwortlich. "Das ist meine letzte Amtshandlung", sagte sie, denn im Juli geht sie in den Ruhestand und verabschiedet sich mit dem gelungenen Projekttag.

Die Schule an der Hegelstraße, in der neben der Grundschule auch die Sekundarschule ""Gottfried Wilhelm Leibniz" untergebracht ist, wurde 1888 als 3. Volksschule gegründet.

 

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