Magdeburg. Er ist gut 150 Kilometer weit weg und doch kann man sich Maurice Gajda ins Wohnzimmer holen. Der 29-jährige Magdeburger flimmert seit Anfang August über die Mattscheiben der Republik. Er ist Moderator und Redakteur des neuen TV-Senders Joiz. Zu empfangen ist der Sender noch nicht in allen Haushalten Magdeburgs: Bei Kabel Deutschland laufe Joiz bereits, Tele Columbus und die Primacom wollen vermutlich Ende September nachziehen, erklärt er. Im Internet ist Joiz dagegen via Live-Stream für jeden zu sehen.

Das Besondere an dem neuen TV-Format ist ein außergewöhnliches Konzept. Joiz ist ein sogenannter Social-TV-Sender - gewissermaßen Fernsehen zum Mitmachen. Die Zuschauer bilden dabei eine Community, die via Facebook, Chat und Skype die Sendungen mitgestalten kann. Bisher gab es das nur in der Schweiz. Seit 5. August gibt es Joiz auch in Deutschland.

Während Maurice den Sendestart noch aus den Vereinigten Staaten verfolgen musste (die Reise hatte er lange vor dem Start von Joiz geplant), ist am Dienstag seine dritte Sendung über die Bühne gegangen. Als Moderator der Sendung "Living Room" tritt der Magdeburger am intensivsten mit den hauptsächlich jugendlichen und jungen erwachsenen Zuschauern in Kontakt. Sie können den prominenten Gästen aus Musik, Fernsehen und Society in der Sendung direkt Fragen stellen. "Eine unglaublich spannende Sache", wie Maurice findet. Die Kommentare kommen fast ungefiltert im Studio an; und nicht immer seien die deutschen Jugendlichen höflich und fair.

Dennoch hat sich binnen kürzester Zeit eine große Gemeinschaft gebildet, die tagtäglich im TV mitmischt.

Im Studio hatte Maurice bereits Westbam, die Musiker von K.I.Z. und die Band Claire. In seiner nächsten Sendung am morgigen Donnerstag (17.30 Uhr) wird er die amerikanische Band "Family of the Year" und am darauffolgenden Donnerstag, 12. September, die Sportfreunde Stiller zu Gast haben.

Die ersten Bewährungsproben hat Maurice übrigens schon hinter sich bringen müssen. So sei der Band Clair bei der Fahrt nach Berlin erst ein Reifen geplatzt und dann haben sie im Stau gestanden: "Da kann man schon nervös werden, wenn die Band erst 15 Minuten vor Sendebeginn eintrudelt", erzählt er und lacht inzwischen darüber. Vor eine besondere Herausforderung stellten ihn auch die Musiker der Band K.I.Z.: Off-Air seien sie sehr nett gewesen; On-Air nicht mehr. Da mussten sie wohl ihr Rüpel-Image pflegen. "Die hatten keinen Bock zu reden. Man stößt mit solchen Leuten an seine Grenzen, vor allem wenn man die zig vorbereiteten Fragen nach zehn Minuten durch hat - aber noch 20 Minuten mit den Leuten auf Sendung ist."

Doch trotz dieser kleinen Bewährungsproben ist Maurice vollkommen glücklich in seinem neuen Job. Magdeburg vermisse er dennoch (gelegentlich) - vor allem die kleinen Streitigkeiten um Tunnel, Brücke und Co, "Aufreger, die keine sind", wie er sagt. Und er vermisse es, in der Goethestraße zu joggen. Jetzt laufe er in Neu Köln, verrät er mit latent mitschwingendem Unterton.

Wenn seine Arbeit es zulässt, kommt er regelmäßig zurück. Dies nicht zuletzt, weil er noch zweimal im Monat seinem "Baby" Pop10 (Musik-Sendung im Offenen Kanal Magdeburg) das Laufen lehrt.

Das nächste Mal wird er außerdem zur Bundestagswahl am 22. September nach Hause kommen. Persönlich möchte er seine Stimme abgeben und seinen Schulfreund Stephan Bischoff (Grüne) unterstützen.

Bevor Maurice jedoch nach Magdeburg kommt, wird ein Magdeburger zu Maurice fahren. Jasper Ihlenfeld kocht nächsten Donnerstag, 12. September, ab 19.30 Uhr in der Sendung "Flirt Kitchen".