Fast zwei Jahre nach dem ersten Spatenstich am Sudturm der ehemaligen Bördebrauerei durch den damaligen Bauminister Karl-Heinz Daehre und einem anschließenden Stillstand kommt nun wieder überraschend Bewegung in das Sanierungsprojekt. Die Beckers als Eigentümer des Großteils der Flächen haben nun die Schuttberge beseitigen lassen. Nach dem Ausräumen von Statikproblemen soll es auch am Sudturm weiter vorangehen.

Magdeburg. Zumindest als Nachkriegskulisse für Spielfilme wird die Schuttlandschaft auf dem ehemaligen Brauereigelände in der Sieverstorstraße nicht mehr dienen können. Bagger und Radlader haben das Areal inzwischen zum größten Teil eingeebnet. Auf den nächsten Filmdreh würden die Magdeburger wohl gerne verzichten, wenn es auf einem der größten Schandflecke der Stadt (3,5 Hektar) endlich vorangeht.

Für den Architekten Wolfgang Langhoff, der den ehemaligen Sudturm entwickelt, sieht es jetzt danach aus. "Jetzt geht es wirklich los", ist er sich sicher. Kurz nach dem Baustart und der Freigabe von Fördermitteln gab es ein Problem mit der Statikberechnung, so dass die Unterlagen noch einmal neu erstellt werden mussten.

Hoffnung auf eine Initialzündung

"Das hat erheblich Zeit in Anspruch genommen", so Langhoff. Seinen Angaben zufolge rechnet er noch im Juli mit der Freigabe. Langhoff will 12 Wohnungen mit Loftcharakter in Größenordnungen von 60 bis 100 Quadratmetern in den denkmalgeschützten Sudturm bauen. Daraus erhofft sich der Magdeburger eine Initialzündung für das übrige Areal. "Aus diesem Grund haben wir auch die Fördermittelzusage für das Projekt bekommen. Es muss hier endlich vorwärtsgehen", erklärt er. Insgesamt sollen im Bereich des Sudturmes rund 1,6 Millionen Euro investiert werden.

Georg Beckers jr. und sein Vater Georg Beckers hoffen darauf auch. Letzterer hatte 2005 sich das Grundstück angeeignet, nachdem der Eigentümer dieses wegen hoher Finanzierungsbelastungen aufgab und sich aus dem Grundbuch austragen ließ. "Wir versuchen das seit 20 Jahren problembehaftete Gelände zu entwickeln und haben dabei immer wieder Schwierigkeiten", erklärt Beckers. Man hätte schon wesentlich weiter sein können, wenn zum Beispiel der Flächennutzungsplan so umgesetzt werden könnte wie er besteht. Die Stadt gebe für Bauvorhaben, die eigentlich dafür zulässig sind, keine Baugenehmigung. "Damit sind uns erhebliche Probleme entstanden", erklärt Georg Beckers jr. Große Investoren, die unter anderem einen Markt und Kleingewerbe auf dem Areal bauen wollten, sprangen ab.

Die Beckers wollen dennoch an dem Vorhaben der Gesamtentwicklung des Areals festhalten. Der neue Wohnturm könnte nun vielleicht neue Investoren anlocken, die sehen, dass aus dem Schandfleck vielleicht doch eine "Alte-Neustadt-Perle" werden könnte.

"Das Potenzial ist absolut vorhanden", ist sich Wolfgang Langhoff sicher.

Wenn auch die Zufahrtsstraße und das Außengelände des Sudturms fertig sind, fassen möglicherweise weitere Investoren Mut. Vor allem auch für den gegenüberliegenden Häuserkomplex nördlich der Sieverstorstraße. Dort stehen fast alle Gründerzeithäuser leer.

Auch hier haben die Beckers einige Immobilien gekauft und wollen diese entwickeln. "Wir brauchen dazu aber eine Planungssicherheit", erklärt Georg Beckers jr.. Auch hier gelte es, die "Problemimmobilien" zu entwickeln. Erst vor einigen Jahren haben die Beckers auch das ehemalige TGA-Hochhaus erworben und wollen dies in das Entwicklungskonzept mit einbeziehen. Es soll später unter anderem ein Wohn- und Geschäftshaus werden. Das hänge vom B-Plan ab, der noch beschlossen werden muss. Zurzeit nutzen einige kleinere Logistik-Firmen das unsanierte Areal.

Interessenten auch für das Rayonhaus

Interessenten gebe es inzwischen nach Aussagen von Beckers auch für das leer stehende Rayonhaus (Fachwerkbau) auf der äußersten westlichen Ecke der ehemaligen Brauerei.

Es hätte sogar schon erste Verkaufsgespräche gegeben. Anfängliche Schwierigkeiten mit der Stadt seien inzwischen ausgeräumt, sagte er.

Die Brauerei wurde 1823 gegründet, hieß später A. Bodenstein und wurde dann nach 1945 verstaatlicht und nach der Wende geschlossen, das Gelände verfiel zusehends. Im Jahr 2006 wurden große Teile der Immobilie abgerissen, worauf es Rechtsstreitigkeiten mit der Denkmalschutzbehörde gab, die Beckers aber gewann.

 

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