Seit Jahren ist der "Jahrtausendturm" in Teilen gesperrt und daran wird sich auch künftig nichts ändern. MVGM-Geschäftsführer Hartmuth Schreiber sieht vorerst keine Chance für eine Sanierung. Ingenieure haben nämlich noch keine Lösung, das Unikat zu retten.

Herrenkrug l Der "Jahrtausendturm" wird, wenn es so weiter geht, eines mit Sicherheit nicht: das nächste Jahrhundert überstehen. Selbst das nächste Jahrzehnt dürfte schon zur Zitterpartie werden.

Denn der höchste Holzleimbinder-Turm der Welt ist nicht nur Wahrzeichen des Elbauenparks, sondern auch Garant für bauliche Probleme. Es regnet seit seiner Inbetriebnahme durch und seit einiger Zeit sind auch Feuchtigkeitsschäden an den Lagern bekannt. Das Problem: Experten können nicht mal sagen, welche der mehr als 40 Lager tatsächlich wie schwer davon betroffen sind, weil man gar nicht an sie herankommt. "Da liegt genau unser Hauptproblem. Niemand weiß, wie man überhaupt eine Überprüfung vornehmen kann, von einer Reparatur ganz zu schweigen", erklärt Geschäftsführer Hartmuth Schreiber von der Messe- und Veranstaltungsgesellschaft MVGM.

Ein von seiner Gesellschaft beauftragtes Ingenieurbüro aus Braunschweig sei erst kürzlich gekündigt und ein neues aus Wittenberg beauftragt worden. Doch auch die neuen Experten stehen vor einem Rätsel und können keine Lösung für die baulichen Probleme präsentieren. "Deshalb können wir auch keinerlei Schätzungen abgeben, was eine Sanierung kosten würde und ob sie technisch im Bereich des Machbaren wäre", so Schreiber.

Im Prinzip könne man nicht einmal sagen, wie lange der Turm noch genutzt werden kann. Der Turm werde freilich zweimal im Jahr untersucht und die Stellen, an die man eben herankommt, ausgebessert. Dies sei auch erfolgt und einige Lager (eines koste mindestens einen fünfstelligen Betrag) wurden ausgetauscht. Auch Abdichtungen gab es im Laufe der letzten Jahre immer wieder. Es gebe aber immer noch Stellen, an denen es durchregnet. Die Sperrungen und immer neu auftretende Stellen seien inzwischen bereits zur Routine geworden.

Aus diesem Grund werden die Rampe und einzelne Bereiche immer wieder gesperrt. "Um die Sicherheit muss sich dennoch niemand Gedanken machen. Der TÜV kontrolliert das einmal im Jahr", meint Hartmuth Schreiber.

Der Turm war seinen Informationen zufolge eigentlich nur für die Buga 1999 konzipiert worden. Man habe sich erst später wegen steigender Baukosten zur längeren Nutzung entschlossen. So hätten auch die Probleme für das Bauwerk begonnen.

Es gab eine Reihe von Gerichtsverfahren, die nach Angaben Schreibers inzwischen alle zugunsten der Gesellschaft oder in einem Vergleich endeten.

In dem 60 Meter hohen "Zipfel" ist die Dauerausstellung "6000 Jahre Entwicklung von Mensch und Technik" untergebracht. Der Turmentwurf stammt von dem Schweizer Bildhauer Johannes Peter Staub. Auf sechs Ausstellungsebenen werden 250 Exponate gezeigt. Die Aussichtsplattform in 43 Metern Höhe ist zurzeit nicht begehbar.

 

Bilder