Das Umfeld von St. Sebastian wird umgestaltet. Bevor jedoch neues Pflaster und Grün kommen, sind die Archäologen im Einsatz. In Kirchennähe stoßen sie auch auf menschliche Überreste.

Altstadt l Ohne orange Warnweste eines Bauarbeiters, aber in bunter Bluse buddelt gestern eine Dame in einer knapp ein Meter tiefen Grube vor dem Eingang der Altstädter Kathedrale. Sie gehört auch nicht zum Bautrupp, der im Auftrag der Stadt das Umfeld von St. Sebastian in den kommenden Monaten neu gestaltet. Zusammen mit Christian Matthes ist sie im Einsatz für das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Denn immer, wenn im Flächendenkmal Altstadt der Boden geöffnet wird, sind die Archäologen zur Stelle, um etwaige Funde freizulegen und zu untersuchen.

Auch unter den Baumscheiben gibt es offenkundig einiges zu entdecken, ein Ober- und Unterschenkelknochen ragt aus dem Boden hervor, auch andere menschliche Überreste sind zu erkennen. Wenig überraschend, wie Christian Matthes erklärt: "Im Umfeld einer Kirche ist das nicht ungewöhnlich. Der Körper liegt in West-Ost-Richtung, also typisch für eine christliche Bestattung."

Auch Dr. Thomas Weber, für Magdeburg zuständiger Referatsleiter im Landesamt, ordnet die Funde als frühneuzeitliche Gräber ein. Wann genau die Bestattungen durchgeführt worden sind, ist jedoch noch schwer zu bestimmen. Alles zwischen dem 15. Jahrhundert und 1827 sei möglich. Ab diesem Jahr durften innerhalb der Stadtmauern nämlich keine Toten mehr begraben werden, klärt der Experte auf.

Für rund 260000 Euro lässt die Stadt bis Ende des Jahres entlang der Kirche neues Pflaster verlegen sowie die Bordsteine, die Entwässerung und die Straßenbeleuchtung erneuern. Außerdem werden die gefällten Kastanien im Herbst durch neue Bäume ersetzt.

Wer den Archäologen über die Schulter schauen will, hat dazu noch Gelegenheit. Laut Thomas Weber wird man noch ein paar Wochen graben.

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