Groß waren die Hoffnungen, dass die Traditionsgaststätte Jägerhütte nach dem verheerenden Brand vom Oktober 2006 wieder aufgebaut wird. Allein: Vor Ort rührt sich nichts, außer, dass Vandalen regelmäßig aus- und eingehen.

Werder l Mitten im grünen Stadtpark bietet sich ein Trauerspiel. Die vor sechs Jahren abgebrannte Jägerhütte, Traditionsgaststätte seit 1974, dümpelt nach dem verhängnisvollen Brand vom Oktober 2006 weiter vor sich hin. Immer wieder stoßen Besucher des Stadtparks beim Spaziergang auf dieses traurige Kapitel jüngerer Stadtgeschichte. So auch unser Leser Bernd Hahn, der vor einiger Zeit an dem Haus vorbeikam. Was er dort sah, habe ihn "als ehemaligen Gastronomen erschüttert", schreibt er an die Redaktion. Von der alten Pracht der Jägerhütte, die schon in der DDR als ehemalige HO-Gaststätte bei Ausflüglern oder für Feiern sehr beliebt war, sei nicht mehr viel geblieben. "Ist denn der Standort so wenig attraktiv, dass potenzielle Investoren kein Interesse haben", fragt Bernd Hahn.

Zumindest in der Zeit nach dem Feuer keimte immer wieder Hoffnung auf, dass das Traditionshaus doch wieder zum Leben erweckt wird. So hatte der damals 64-jährige Jägerhüttenwirt Peter Falkowska wenige Tage nach dem Brand erklärt: "Bis Mai 2007 wollen wir alles wieder aufbauen." Falkowska hatte die Jägerhütte im Mai 2002 von der Stadt gekauft, nachdem sie jahrelang leer gestanden hatte. Doch der Wirt, der nach dem Brand über Nacht mit rd. 700000 Euro Sachschaden dasaß, stritt sich mit der Versicherung um die Zahlung der Versicherungssumme. 60 Prozent bekam er schließlich vom Gericht zugesprochen. Ein technischer Defekt soll letztlich Ursache für das Feuer gewesen sein. Doch über diese jahrelange Auseinandersetzung kam die Jägerhütte nicht wieder zum Laufen. Zwischenzeitlich war von einem erneuten Eigentümerwechsel die Rede, was Stadtsprecher Michael Reif auf Nachfrage gestern aber nicht bestätigen konnte.

Nach seiner Aussage sei der mit Falkowska geschlossene Erbbaurechtsvertrag über das Grundstück weiterhin gültig, an den auch Bedingungen geknüpft seien. Man habe, so Sprecher Reif, den Erbbauberechtigten inzwischen auch aufgefordert, "seiner Wiederaufbauverpflichtung nachzukommen". Längst gibt es dafür auch eine gültige Baugenehmigung für das Gebäude. Sie wurde bereits im Juni 2011 an Eigentümer Peter Falkowska erteilt. Gültig ist diese nach der Bauordnung Sachsen-Anhalt für drei Jahre. Doch nach der erteilten Genehmigung (der Antrag spricht ja zumindest für das Interesse des Eigentümers) tat sich vor Ort dann doch nichts. Für die Volksstimme war dieser gestern leider nicht zu erreichen. Die Stadt hat unterdessen die Hoffnung noch nicht aufgegeben. "Aufgrund der Lage im Stadtpark hat die Landeshauptstadt Magdeburg weiterhin ein großes Interesse an der Nutzung der Jägerhütte als Ausflugsgaststätte", heißt es. Darum auch die Aufforderung an den Erbbauberechtigten, den Wiederaufbau des nicht denkmalgeschützten Gebäudes in Angriff zu nehmen.

Ob und wann das wirklich klappt, vermochte gestern allerdings niemand zu sagen.

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