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Magdeburg | Eine App auf Facebook macht es möglich, Blutspenden zu katalogisieren und sich an seinen nächsten Blutspendetermin erinnern zu lassen. Der Benutzer kann die App ähnlich wie Facebook-Spiele in sein Profil integrieren.


Nur wer regelmäßig zur Blutspende geht und sich dabei vom Empfangspersonal spezielle Codes aushändigen lässt, kann sein Bluttröpfchen in einem Jahr füllen. Insgesamt 17 Blutspendedienste in ganz Deutschland nutzen die App. Erfunden wurde sie in Magdeburg.

Idee aus Magdeburg

"Damals haben alle gesagt, das ist Quatsch", sagt Silke Schulze,
Pressesprecherin der Blutbank des Uniklinikums Magdeburg. Dort ist
die App seit 2010 im Einsatz. Inzwischen nutzen sie auch Unikliniken
und Blutspendedienste in Berlin, Bonn, Dortmund, Halle, Köln und
Stuttgart.

"Da sind manche ganz heiß drauf", sagt Beatrice Weiß. Die Mitarbeiterin der Blutbank verteilt die Facebook-Codes an der Anmeldung des Blutspendedienstes, der fünf Tage die Woche und sogar einen Sonnabend im Monat geöffnet hat.

Wirksame Spielerei

"Es war am Anfang nur eine Spielerei, aber es war sehr wirksam", sagt Jana Sieber von Webvariants. Die Agentur für Webdesign betreut die App ehrenamtlich. Webvariants wurde 2008 von ehemaligen Studenten der Magdeburger Hochschulen gegründet. Die hatten zuvor für das Studierendenportal Webuni ein elektronisches Punktesammelsystem für Blutspender entwickelt.

Der Erinnerungseffekt der App soll den Spender an das Klinikum binden. Die Beziehung zum Spender für die Blutbank der Uniklinik überlebenswichtig, denn Spenderzahlen sind rückläufig. Frauen können vier Mal im Jahr Blut spenden, Männer sechs Mal.

Wenn zu wenige Spender in die Blutbank kommen, muss das Klinikum
Blutkonserven zukaufen. "Das wird dann sehr teuer", so Pressesprecherin Schulze. Im letzten Jahr gab das Uniklinikum etwa 640.000 Euro für Blutkonserven aus.

Würdigung im Alltag

Schulze findet es außerdem wichtig, dass der Spender durch die App die Möglichkeit hat, sein Engagement mit anderen Facebook-Nutzern zu teilen. "Der Blutspender kriegt im Alltag keine Würdigung," sagte sie.

Seit 2014 hat die Blutbank am Sonnabend zwei Stunden länger geöffnet, damit es auch Langschläfer bis 14 Uhr zur Blutspende schaffen. Auch am Dienstag und Mittwoch wurden die Öffnungszeiten erweitert. Die Blutbank hat an diesen Tagen bis 19 Uhr geöffnet.

Viele Spender kommen ohne Facebook aus

Personaldienstleister Jan Mehlfeldt kam am Sonnabendtermin im Juni zur Blutspende in das Uniklinikum. "Ich komme aus Havelberg und bin nur am Wochenende in meiner alten Heimatstadt", so der 41-Jährige. "Der Sonnabend ist der einzige Termin für mich." Mehlfeldt kommt seit 2009 zur Blutspende. Seine damals 9-jährige Tochter hatte ihn gefragt, warum er kein Blut spende. Seitdem hat Mehlfeldt nach eigener Aussage 21 Mal gespendet.

Die meisten Freiwilligen kommen ohne App-Erinnerung zur Blutspende. Von den zuletzt gut 5.000 Spendern des Uniklinikums nutzen nur 300 die Facebook-App. Auch Jan Mehlfeldt ist nicht auf Facebook. "Ich schaff das so", sagt er.