Magdeburg/Kalifornien l Das Verschwinden des Magdeburger Professors Alois Krost in der US-Wildnis bleibt ein Rätsel. Im Oktober 2013 war der damals 62-Jährige für einen Physik-Kongress nach Kalifornien gereist, seit einer Wanderung in den San-Bernadino-Bergen ist er verschollen. Eine aufwendige Suche blieb erfolglos. "Wir haben bis heute keine Spur", sagt Jodi Miller von der dortigen Polizei gegenüber der Volksstimme. "Bergungsteams trainieren in dem Gebiet immer mal wieder, aber sie haben nie einen Hinweis gefunden."

Inzwischen hat seine Familie - Krost ist verheiratet und vierfacher Vater - beim Amtsgericht in seinem Wohnort Berlin beantragt, dass er für tot erklärt wird. Bei Verschollenen passiert das normalerweise erst nach zehn Jahren; es sei denn, die Angehörigen können glaubhaft machen, dass es keinerlei Überlebenschancen gibt.

"Möglicherweise wird eine solche Ausnahme noch im Sommer genehmigt", sagt Professor Jürgen Christen, langjähriger Freund Krosts. Auch er ist Physiker und an der Magdeburger Universität beschäftigt.

Christen reiste mit Krost-Tochter in die USA

Mit der Familie des Vermissten steht Christen bis heute in Kontakt. Anfang 2014 flog er mit einer von Krosts Töchtern und einem Kollegen aus Berlin in die USA, um mit dem örtlichen Polizeichef und dem Leiter der Suchteams zu sprechen und Unterlagen für die deutschen Behörden zu holen.

"Wir haben auch eine DVD bekommen, auf der die gesamte Suche mit Hilfe von GPS-Daten auf Karten festgehalten ist", erzählt Christen. "Sie macht noch einmal deutlich, wie viel Aufwand nach seinem Verschwinden betrieben wurde." Mehr als 250 Menschen durchkämmten damals die Wildnis, auch Hubschrauber und Spürhunde kamen zum Einsatz. Verschwunden war Krost bei einer Gruppenwanderung. Mit einem der beiden Bergführer war er zurückgeblieben, um sich auszuruhen. Nach Aussagen des Führers schickte dieser dann den Professor voraus zur Gruppe, dort kam er aber nie an. Hinweise auf ein Verbrechen gab es nicht.

An der Magdeburger Uni wird Krosts Stelle derzeit von einem Vertretungsprofessor abgedeckt, seine Projekte betreut ein wissenschaftlicher Mitarbeiter. Die E-Mail-Adresse ist inzwischen gelöscht. Ende des Jahres wäre Krost ohnehin in Rente gegangen, die Suche nach einem Nachfolger läuft. Im April soll er beginnen. Über eine Trauerfeier, sagt Christen, wolle man erst nachdenken, wenn der Professor für tot erklärt ist. In der Wissenschaftswelt sei er bisher nicht vergessen. "Ich werde noch weltweit von Kollegen auf ihn angesprochen."

Wie es Krosts Familie geht, dazu möchte Christen nicht ins Detail gehen. Nur so viel: "Ich kann mir vorstellen, dass der Umgang mit der Situation für sie immer noch schwierig ist. Aber vielleicht sind die detaillierten Informationen über die Suche zumindest eine Hilfe."

Die Polizei hatte Krosts Tochter bei ihrem USA-Besuch sogar im Hubschrauber mitgenommen, damit sie sich einen Eindruck vom unwegsamen Gelände machen konnte, in dem er verschwand. Und wie geht es ihm selbst? "Es ist nach wie vor ein Problem. Man fragt sich immer wieder, was passiert ist."

   

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