Privatschulen in Sachsen-Anhalt

Rund acht Prozent der Kinder und Jugendlichen in Sachsen-Anhalt besuchen eine allgemeinbildende Privatschule, bei den berufsbildenden Schulen sind es 15 Prozent. Finanziert werden die Einrichtungen durch Schulgeld, einen Eigenanteil des Trägers und Landeszuschüsse. In den ersten drei Jahren allerdings zahlt das Land nichts.

Die Gründung einer freien Schule ist aufwendig, viele Elterninitiativen scheitern an den Formalitäten. Zum neuen Schuljahr hat ein Trägerverein in Angern (Landkreis Börde) die Anerkennung des Kultusministeriums erhalten. Er möchte die Dorfschule übernehmen, für die das Land keine Lehrer mehr bereitstellt. (he)

Magdeburg l Wollen Eltern eine freie Grundschule errichten, müssen sie das künftig schon neun Monate vor Schuljahresbeginn beantragen (bislang sieben Monate). Gleichzeitig wird es grundsätzlich unmöglich, einzelne Unterlagen nachzureichen. Sind die geforderten Dokumente nicht vollständig, ist der Antrag sofort gescheitert. Das sieht die Neufassung einer Verordnung aus dem Kultusministerium vor.

Der Entwurf liegt derzeit bei den Verbänden zur Anhörung. Der Verband Deutscher Privatschulen (VDP) Sachsen-Anhalt fürchtet Schlimmes. "Sollte das so kommen, könnte es passieren, dass keine einzige freie Schule mehr die Anerkennung schafft", sagt VDP-Geschäftsführer Jürgen Banse.

Trägervereine müssen unter anderem die Namen, Examensnoten, Arbeitsnachweise und erweiterten Führungszeugnisse sämtlicher Lehrer vor dem 1. November einreichen. Sich selbst genehmigt der Staat deutlich großzügigere Fristen: Öffentliche Schulen wissen oft selbst Ende Juni noch nicht, welche Lehrer sie zum 1. August zugewiesen bekommen.

Private Schulträger klagen seit Jahren über ein äußerst restriktives Vorgehen. Winfried Kluth, ehemaliger Richter am Landesverfassungsgericht, hält mehrere Regelungen des Schulgesetzes sogar für verfassungswidrig. So müssen Privatschulen in den ersten drei Jahren ohne Geld vom Staat auskommen - für Kluth ein Verstoß gegen die Landesverfassung, die staatliche Zuschüsse garantiert. Die Privatschulen hätten gehofft, dass das Ministerium auf das Kluth-Gutachten reagiere, sagt Banse. "Jetzt passiert aber das Gegenteil, durch diese Verordnung wird es für uns noch schwerer."

Kultusminister Dorgerloh reagiert überrascht. Er kenne den Entwurf aus dem Ministerium gar nicht, sagt sein Sprecher Martin Hanusch. "Diese Neuregelungen sind im Interesse der Verwaltung, sie sind aber nicht im Interesse der Ministeriumsleitung." Sollte es unpraktikable Regelungen geben, würden diese einkassiert, kündigte Hanusch an: "Es wird definitiv keine Verschlechterung für Schulen in freier Trägerschaft geben."