Sachsen-Anhalts Bahnhofsmissionen suchen dringend neue Helfer. Wegen der gestiegenen Mobilität Älterer wird die Hilfe der Missionen verstärkt nachgefragt.

Magdeburg (dapd) l Ohne Ehrenamtliche lassen sich die Angebote mit der Betreuung Reisender und sozial Schwacher nur schwer aufrechterhalten. "Deshalb müssen in Magdeburg im ersten Quartal des kommenden Jahres die Öffnungszeiten eingeschränkt werden", sagte die Leiterin Adelheid Bornhold. Wie es danach weitergehe, sei noch unsicher.

Den Trägern der ökumenischen Bahnhofsmission fehlt das Geld, um alle notwendigen Dienste aus eigener Kraft zu leisten. Mittel für derartige Arbeitsförderungsmaßnahmen werden zunehmend nur für kurze Zeiträume bereitgestellt. Eine planmäßige Tätigkeit lasse sich deshalb kaum realisieren, bedauerte Bornhold.

Die Bahnhofsmission in Halberstadt, die erst 2009 eröffnet wurde, steht vor ähnlichen Problemen und reduziert ab Januar vorübergehend ihre täglichen Öffnungszeiten. Dort ist inzwischen die Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter um fast die Hälfte auf neun gesunken. Über Arbeitsfördermaßnahmen lasse sich der Ausfall nur teilweise kompensieren, erklärte der Leiter Constantin Schnee. Über Personalmangel klagt auch die Bitterfelder Bahnhofsmission. Deshalb könne man nur von Montag bis Freitag die Dienste anbieten, sagte Koordinatorin Birgit Richter. Getragen wird die Einrichtung ausschließlich über ein Projekt der Arbeitsförderung. Ehrenamtliche gebe es gar nicht, fügt sie hinzu.

Trotz knappen Budgets und einer sinkenden Zahl von Ehrenamtlichen steigt die Nachfrage nach Angeboten der Bahnhofsmissionen. Allein im zu Ende gehenden Jahr betreute die Magdeburger Station mit 38200 Menschen neun Prozent mehr als 2010. Zwei Drittel davon seien Reisende sowie ein Drittel Frauen und Männer in sozialen Notlagen gewesen, sagte Bornhold. Vor allem die zunehmende Mobilität von Senioren spürten alle fünf Bahnhofsmissionen in Sachsen-Anhalt. Diese bräuchten Hilfe beim Umsteigen, suchten Rat und wollten sich ausruhen, sagte er. Die Mitarbeiter kümmerten sich in der Region auch um Fahrgäste in Zügen und auf anderen Bahnhöfen wie in Wernigerode und Quedlinburg.