Haldensleben (dapd) l Die Märchen der Brüder Grimm spielen im Museum in Haldensleben eigentlich eine eher untergeordnete Rolle. Dieser Teil des Schaffens werde nur am Rande beleuchtet, die Dauerausstellung widme sich eher deren Leben insgesamt, sagt Museumschef Ulrich Hauer.

1300 Bücher, Möbel, Kleidungsstücke, Haushaltsgegenstände und Plastiken aus dem Nachlass liegen in Vitrinen, im Depot oder der Bibliothek. Mit dem Grimm-Nachlass hat ein regelrechter Schatz seinen Weg gefunden in eine Stadt, die das berühmte Brüderpaar selbst nie besucht hatte.

Nun, im Jahr des 200. Jubiläums der ersten Veröffentlichung der Kinder- und Hausmärchen, gibt es aber eine Ausnahme: Bis zum 7. Oktober wird die Haldensleber Sonderausstellung "200 Jahre Märchen der Brüder Grimm" gezeigt. Zu sehen sind 120 Bücher und Bilderbögen mit Märchendarstellungen, die aus der Staatsbibliothek zu Berlin stammen. "Solch einem Anlass können wir uns nicht verschließen", sagt Hauer.

Devotionalien kamen schon 1963 ins Museum

Die Devotionalien aus dem Familiennachlass der Familie Grimm erreichten schon im Jahr 1963 die Stadt. Schweren Herzens hatte sich damals die letzte Grimm-Nachfahrin Albertine Plock, die einzige Enkelin von Wilhelm, von diesen familiären Dingen getrennt. 1902 hatte die Lehrerin eine Anstellung in Althaldensleben erhalten und vermachte schließlich Teile ihres Besitzes dem Museum.

Hauer zeigt auf eine Standuhr aus dem 18. Jahrhundert. "Das ist mein Lieblingsstück", sagt er. Jacob Grimm (1785 - 1863) habe sie von den Eltern geerbt. Dann ist da ein Gala- frack, den dieser bei Sitzungen des Staatsrates des Königreichs Westfalen in Kassel getragen haben soll. Selbst seine Geldkatze, umgangssprachlich für Börse, liegt in der Auslage. Dagegen geht ein Eckschrank auf den Bruder Wilhelm Grimm (1786 - 1859) zurück. Das Möbelstück hat ein süßes Geheimnis: In ihm bewahrte Wilhelm unter anderem seine Süßigkeiten auf.

Das Museum hat sein Konzept für die Grimm-Rezeption bodenständig gestaltet. Man will sich auf Dinge beschränken, die einen Bezug zur Region haben. "Die Brüder Grimm und ihre Familie" sind nur ein Teil der gesamten Präsentation. Die Nachfahren, meist im Schatten ihrer Verwandten, spielen ebenfalls eine Rolle. Wilhelms Sohn Hermann (1828 - 1901) gehört dazu. Als Professor für Neue Kunstgeschichte an der Berliner Universität genoss er einen guten Ruf.

Stück für Stück Wohnkultur der Biedermeier-Zeit

"Wir suchen Parallelen zur Zeit des Biedermeier", sagt Hauer. Stück für Stück will das Museum städtische und ländliche Wohnkultur dieser Zeit lebendig werden lassen. Zwei direkt an das Haupthaus angrenzende Fachwerkhäuser bilden mit Hühnerhof und Blumengarten ein kleines Freilichtmuseum des biedermeierzeitlichen Stadtlebens.

Die Gebäude sind vom Keller bis zum Boden zu besichtigen, beherbergen Tischlerei, Leinenweber und Schuhmacherwerkstatt. Auch Zeitgenossen der Grimms, die Familie Nathusius, werden im eigentlichen Museumstrakt gewürdigt.

Als Industriepionier hatte zum Beispiel Johann Gottlob Nathusius die ersten Kontakte zu den Märchensammlern und Wissenschaftlern geknüpft. Er und seine Nachfahren spielten auch bei der wirtschaftlichen Erschließung der Region rund um Haldensleben eine wichtige Rolle.

Nähere Informationen im Internet unter: www.museumhaldensleben.de