Viele Studenten arbeiten neben dem Studium, um sich etwas Geld dazuzuverdienen. In letzter Zeit gibt es jedoch immer mehr junge Studierende, denen ein einzelner Job nicht mehr reicht. Teilweise haben sie bis zu vier Nebenjobs gleichzeitig. Was ist aus dem aufregenden Studentenleben geworden, von dem uns unsere Eltern einst erzählten?

Magdeburg. Steven Michl (31) studiert an der Hochschule Magdeburg und arbeitet eigentlich so gut wie immer, wenn er nicht gerade im Hörsaal sitzt. Den Grund dafür erklärt der Student so: "Ich bin über 30, bekomme kein BAföG, muss 500 Euro Studiengebühren zahlen und bin Krankenkassenvollzahler." Die Gebühren kommen zustande, weil Michl bereits ein abgeschlossenes Studium und mehr als 13 Fachsemester studiert hat.

Momentan hat er drei Nebenjobs, unter anderem als Aushilfe in einem Altenpflegeheim und Telefonist in einem Callcenter. Kommt das Studium bei der vielen Arbeit nicht zu kurz? "Alles eine Frage von gutem Zeitmanagement", erklärt Steven schmunzelnd. Noch müsse das Studium nicht leiden.

Allerdings hat Michl nur selten Zeit für sich. Um nichts zu verpassen möchte Steven nämlich trotzdem bei jeder Party dabei sein. "Aber ab und zu will man auch einfach mal abends auf der Couch sitzen". Ein einziger Nebenjob kommt für den Magdeburger nicht in Frage, denn nur durch die vielen unterschiedlichen Jobs, die er flexibel einteilen kann, verdient er das meiste Geld.

Michls Situation kennen viele Studenten: 67 Prozent aller Studenten arbeiten nebenbei, im Jahr 2006 waren es noch rund 64 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks von 2009. Das Studentenwerk vermutet einen Zusammenhang mit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge. Die Zahl der Studenten mit Nebenjob ist seit der Einführung gestiegen – die Stundenpläne sind dagegen voller geworden. Die wenige freie Zeit der Studenten wird also zunehmend für Nebenjobs genutzt.

Doch die "Viel-Jobber" sind nicht nur Studenten wie Michl, die kein Bafög bekommen und Semestergebühren zahlen müssen, es sind auch junge Menschen wie Jo Volkwein (21), die ihr Auslandssemester finanzieren wollen. Volkwein hat ihren Auslandsaufenthalt schon hinter sich: Vier Monate hat sie in Mexiko studiert und hat jedoch mehr Geld ausgegeben, als sie anfangs eingeplant hatte.

Nun arbeitet die Studentin bis zu zwölf Stunden hintereinander in einem großen Magdeburger Hotel. "Wenn ich dann nachts noch in einem Club an der Kasse arbeite oder im Magdeburger Opernhaus, kann es sein, dass ich 30 Stunden wach bin", erklärt sie erschöpft. Überfordert fühlt sich die Berlinerin eigentlich nicht, zwei ihrer Jobs machen ihr auch richtig viel Spaß, aber Jos Gesundheit leidet manchmal unter dem Stress. Und da die Uni im Vordergrund stehen sollte, kommen Freunde und vor allem ihre Beziehung oft zu kurz.

Nicht nur bei Michl und Volkwein reicht das Geld nicht: Laut einer Umfrage der Internetseite Nebenjobidee.de braucht ein Student ca. 700 Euro im Monat, um für Miete und Co. aufzukommen. Der BAföG-Höchstsatz von ca. 670 Euro reicht also nur knapp. 71 Prozent der von Nebenjobidee.de befragten Studenten geben daher auch an, nebenbei arbeiten zu müssen. Da können Jo und Steven von Glück reden, dass sie in Magdeburg wohnen, wo die Mieten nur halb so hoch sind wie beispielsweise in München. Sonst würden die Studenten wohl keinem "Nebenjob" nachgehen, sondern eher einem "Nebenstudium".


*) Katharina Vock studiert Journalistik/Medienmanagement an der Hochschule Magdeburg-Stendal



Mehr zur 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks auf http://www.abi.de/studium/finanzen/nebenjobs06809.htm

Mehr zu der Studie von Nebenjobidee.de auf
http://www.nebenjobidee.de/nebenjob-bafoeg.html