Die Volksstimme sucht mit ihren Lesern traditionell zum Jahresende den Magdeburger des Jahres. Bis zum 31. Dezember läuft die 19. Auflage der Aktion, die engagierte Magdeburger in den Mittelpunkt rückt. Einer davon ist Eckhart Peters. Der promovierte Architekt war von 1993 bis Oktober 2008 Leiter des Stadtplanungsamtes. Er hat ein vielfältiges interessantes Erbe hinterlassen.

Altstadt. Es gab Fachleute, die haben die Fußgängerbrücke übers Schleinufer zum neuen Elbbahnhof wegen ihrer Schlichtheit als verpasste Chance gescholten. Andere haben das Hundertwasserhaus geradezu verteufelt. Die Bastion Cleve wurde als überflüssiger Luxus bezeichnet. Heute wird die Ausgrabung des Festungsteils von vielen geradezu gefeiert. Die meisten halten die Grüne Zitadelle für ein großes Geschenk. Sie haben auch das Gebäude Nord/LB und das Allee-Center ins Herz geschlossen.

All dies zählt zum vielgestaltigen Erbe von Eckhart W. (Wilhelm) Peters. Zwischen 1993 und 2008 hat der Mann, der auch fünf Jahre lang als Archäologe in der Türkei und im Iran Forschungsgrabungen ausführte und später im Landkreis Hannover wirkte, die städteplanerischen Geschicke Magdeburgs gelenkt.

Direkt ins Herz vieler Elbestädter geplant hat sich dabei der promovierte Architekt (67) wohl wegen seiner Liebe zur Vielfalt in städtischer Architektur. Und speziell wegen seines Hangs zu historischen Verknüpfungen.

Die Bastion Cleve ist zur Attraktion Nummer 1 in Elbufernähe geworden. Der Zufall der Entdeckung bei der Blindgängersuche war bei der Sache die eine Seite. Seine fast an Besessenheit grenzende Beharrlichkeit, auch diesen Schatz zu heben, gab den Ausschlag, dass immer mehr Teile der Festung und der Turm Cleve zum Vorschein kamen.

Als Peters 2008 in Pension ging, begann sich das Ensemble einschließlich Fürstenwall, Möllenvogteigarten. Haus der Romanik und gotischer Dom zu einem einzigartigen Tourismusmagnet zu entwickeln. Das modern-verspielte und lebensfrohe I-Tüpfelchen ist dabei das Hundertwasserhaus, dessen Bau von Werner Opitz initiiert und von Peters befördert wurde.

Außer an der Elbuferpromenade hatte er die Federführung für das Sanierungsgebiet Buckau. Und für alles engagierte er sich beleibe nicht allein während seiner Dienstzeit. Peters war in zahllosen Bürgerversammlungen in allen Stadtteilen anzutreffen, er schrieb in seiner Freizeit mit seinen Kollegen über 100 Bücher über Magdeburg. Dazu gehören der Architekturführer, "Magdeburg aus der Luft", die Bischofs-chronik, "Die Festung Magdeburg". Er gestaltete Ausstellungen aus seinem eigenen Fundus. Das waren Bilder, Schriften, Dokumente und Schaustücke, die von der Familie gesammelt worden waren und von den hiesigen Antiquitätengeschäften ergänzt wurden. Familiär sei er tief verwurzelt mit der Stadt, bekannte Eckhart Peters. Er nennt sich selbst "Magdeburger aus Leidenschaft". Gebürtiger Elbestädter ist er aber nicht. Auch daran trägt der verhängnisvolle Zweite Weltkrieg die Schuld. In den 40er Jahren nämlich, als die Bomber kamen, wurden schwangere Frauen umgesiedelt. Die Mutter nach Mühlhausen. Die Kleinstadt in Thüringen ist deshalb sein offizieller Geburtsort. Und Magdeburg hatte er 1954 letztmals bei einem Besuch bei der Oma gesehen: Dunkler Himmel, weiter Blick vom Bahnhof bis zur Elbe, Trümmerberge, erinnert er sich. Schon vorher, 1950, waren Vater und Mutter, deren Vorfahren in Magdeburg wirkten, nach Westberlin gegangen – Vaters Chancen (ein Kunstschullehrer) seien gegen null gegangen ...

Magdeburg im Original sah Eckhart Peters erst nach der Wende wieder. Die Wiederbegegnung 1991 (im Flieger über der Elbestadt, um Bilder zu schießen) führte zum endgültigen Entschluss, in die Stadt seiner Vorfahren zurückzukehren ...

Die IBA war mit dem Motto "Leben mit und an der Elbe" für Magdeburg eine Chance, für ihn und sein Team eine ebenso große Herausforderung. "Wir haben sie genutzt, so gut wir konnten", sagte Eckhart Peters. Der neue Elbbahnhof zum Beispiel mit seinem Stadtplatz und dem Elbbalkon ist in aller Munde.

Maßgeblich ist sein Anteil an der Gestaltung des IBA-Pfades, und Peters gilt auch als Erfinder des IBA-Shops mit der Ausstellung "Kulturlandschaft Elbe". Letzteren hat er gemeinsam mit Liane Radike geprägt – bis IBA-Ende im Oktober. Als Pensionär mit Beratervertrag. Unzählige Stunden gingen auch hierbei vom Freizeit-Konto ab.

Für Magdeburg bleibt er weiter aktiv – so im Kuratorium Ulrichskirche. Die würde er gern in seiner Stadt sehen. Den Bahnhofstunnel weniger, gesteht er ein. Dagegen hofft er immer noch auf ein anderes, nicht minder umstrittenes Projekt: Er wünscht sich einen autofreien Boulevard zwischen Ulrichshaus und Allee-Center. Und möglichst überdacht – als Magdeburgs Mitte.