Moskau (dapd). Die Geschichte des Weltraumpioniers Juri Gagarin muss 50 Jahre nach seinem historischen Flug vom 12. April 1961 zumindest in einem wichtigen Detail korrigiert werden: Noch zum Jubiläum, das mit großem Pomp und zahlreichen ausländischen Gästen im Moskauer Kreml gefeiert wurde, war explizit von der 108-minütigen Erdumkreisung des sowjetischen Luftwaffenoffiziers die Rede, mit der die Ära der bemannten Raumfahrt eingeleitet wurde. Nun enthüllt die Fachzeitschrift "Nowosti kosmonawtiki", dass der Flug nur 106 Minuten gedauert hat.

Das renommierte Blatt beruft sich auf eines der rund 200 Geheimdokumente, die am Vorabend des 50. Jahrestages des Gagarin-Flugs zur Veröffentlichung freigegeben wurden. Bisher ist in allen offiziellen Dokumenten festgeschrieben, Gagarin sei um 9.07 Uhr Moskauer Zeit gestartet und um 10.55 Uhr gelandet. Nach Angaben der Zeitschrift ist der Kosmonaut aber bereits um 10.53 Uhr auf einem Sturzacker im Gebiet Saratow am Fallschirm niedergegangen. Sein Wostok-Raumschiff, aus dem er in etwa sieben Kilometern Höhe herauskatapultiert worden war, sei bereits fünf Minuten früher aufgeschlagen.

Noch weitere Details berichtet "Nowosti kosmonawtiki". Im Vorfeld des Starts seien an der Konstruktion, an den Triebwerken und am Steuerungssystem der Wostok-Trägerrakete noch sechs grundlegende Verbesserungen vorgenommen worden. Beim Wostok-Raumschiff habe es 72 Defekte und Beanstandungen gegeben. Zudem seien in 48 Fällen Nacharbeiten an einzelnen Systemen durchgeführt und Ausrüstungen wieder demontiert worden, da die Kapsel zu schwer gewesen sei. Dazu gehörte auch ein Gerät zum Erwärmen von Speisen.

Der Kosmonaut selbst habe kurz vor dem Start noch Probleme mit seinem Tonbandgerät gemeldet, mit dem er seine Beobachtungen während des Fluges aufzeichnen wollte. Es funktioniere weder automatisch noch im Handbetrieb, habe er sich beschwert und die Bodenstation gebeten, das Band umzuspulen, schreibt die Zeitschrift. Meinung