Magdeburg l Eine globale Pandemie kann nicht lokal bekämopft werden, sagt der Magdeburger Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). Anlass für die drastischen Worte  ist eine Entscheidung seiner Stadtverwaltung am 9. März 2020. Am jenem Montag hatte das Gesundheitsamt festgelegt, Veranstaltungen in Magdeburg mit mehr als 1.000 Besuchern zu untersagen. Die Tragweite dieser Maßnahme für Veranstalter, Besucher und Zulieferer war den Amtsleuten wohl bewusst.

Sturm der Entrüstung

Entsprechend schwer sei die Entscheidung gewesen, sagte Trümper. Was dann aber losbrach, sei ein Sturm der Entrüstung gewesen, so Trümper. Es habe viel Unverständnis und Beschimpfungen für diese Entscheidung gegeben.

Trümper betonte, dass er die Maßnahme verteidige und sich auch nicht davor scheue, weitreichende Entscheidungen wie diese zu treffen. Es sei aber schwer, den Menschen solche Einschnitte zu vermitteln, wenn die Nachbarstadt anders handele.

Jede Stadt entscheidet allein

 „Es kann nicht sein, dass bei einer weltweiten Pandemie jede Stadt für sich entscheidet, welche Maßnahmen ergriffen werden und welche nicht. Das führt nämlich dazu, dass Betroffene beispielsweise Veranstaltungsabsagen nicht nachvollziehen können, weil es in einer Nachbarregion anders gehandhabt wird.“

Ein Beispiel sei Leipzig. Während Magdeburg am Montag alle Großveranstaltungen unterband, konnten sich am Tag darauf 42.000 Fußballfans im Stadion in Leipzig über den Sieg ihrer Mannschaft in der Champions League freuen.

Eine Bedrohungslage, aber zwei entgegengesetzte Einschätzungen der lokalen Behörden führe dazu, dass Maßnahmen kritisiert und in Zweifel gezogen würden, so Trümper, der auch Vorsitzender des Städte- und Gemeindebundes in Sachsen-Anhalt ist.

 

Lage soll analysiert werden

Trümper kündigte an, nicht in Aktionismus verfallen zu wollen. Stattdessen will er die Zeit bis Freitag nutzen, um die Lage in der Stadt zu analysieren. „Wir werden uns in Beratungen mit vielen Ämtern der Stadt abstimmen, welche Maßnahmen für die Magdeburger und auch die Ämter der Stadt sinnvoll und angemessen sind.“ Dabei seien zahlreiche Detailfragen zu klären.

Insbesondere bei Ämtern mit viel Publikumsverkehr wie den Bürgerbüros oder der Ausländerbehörde müsse überlegt werden, welche Maßnahmen zum Schutz der dort arbeitenden Mitarbeiter als auch der dort eintreffenden Besucher ergriffen werden müssten.

Regeln von Bund und Land gefordert

Zu den immer wieder diskutierten Schulschließungen sagte Trümper, dass dies aus städtischer Sicht nicht geplant sei, solange es nicht einen konkreten Corona-Fall in einer Einrichtung gebe. Generelle und vorsorgliche Schulschließungen als Vorsichtsmaßnahme wegen Corona seien ohnehin Sache des Landes.

Von Land und Bund forderte er einheitliche Regelungen im Umgang mit der Corona-Abwehr. Die lokalen Behörden dürften nicht alleingelassen werden. Am 11. März 2020 abends hatte dann das Land Sachsen-Anhalt reagiert. Es verbot alle Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt mit mehr als 1000 Teilnehmern.