Aufgespießt

Edles aus dem Weltraum

Nach 14 Monaten im All soll ein Wein 830.000 Euro kosten

Von Siegfried Denzel
Eine Flasche Weltraum-Wein
Eine Flasche Weltraum-Wein dpa

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2021, in dem ein aus dem All zur Erde herniedergekommener Wein einen neuen Eigentümer selig machen soll. 14 Monate lang hatte der Gran Cru des französischen Edel-Weinguts Château Petrus bei Bordeaux gemeinsam mit elf weiteren Flaschen des Jahrgangs 2000 den Planeten an Bord der Internationalen Raumstation umkreist. Dass er nach so langer Zeit ungeöffnet zurückkehrte, lag nicht etwa an Dauer-Abstinenz der ISS-Besatzung: Alkohol im Weltall gehört zu einem französisch-deutschen Forschungsprojekt. Die von Experten der Unis Bordeaux und Erlangen zu klärende Frage: Sind Spitzenweine auch dann noch spitze, wenn sie Schwerelosigkeit und erhöhter Strahlung ausgesetzt waren? Wissenschaftler haben sich wohl noch nie so auf die Rückkehr von Forschungsobjekten gefreut wie bei diesem Weinprojekt: Denn zur Auswertung gehörte das Verkosten von überirdischen und zum Vergleich auch irdischen Tröpfchen. Ergebnis: Weltraumwein weist gegenüber seinen erdgebundenen Verwandten zwar Unterschiede bei Farbe und Duft auf – er verwöhne jedoch mit einem etwas „blumigeren“ Aroma.

Erfreulich für Nicht-Wissenschaftler: Für diese Erkenntnis mussten nicht alle Raumfahrt-Flaschen geöffnet werden. Und so kann das New Yorker Auktionshaus Christie’s eine übriggebliebene versteigern – bei einem Schätzpreis von 830?000 Euro. Damit wäre es der teuerste Wein aller Zeiten. Oder anders ausgedrückt: Der Weltraum – unendliche Preise.