Aufgespießt

Schüler ab ins Bierzelt!

Warum in Deggendorf Kinder den Lebensraum bajuwarischer Mannsbilder erobern

Von Siegfried Denzel
Zwei Schulen im niederbayerischen Deggendorf haben Bierzelte aufstellen lassen, um in Corona-Zeiten Präsenzunterricht anzubieten.
Zwei Schulen im niederbayerischen Deggendorf haben Bierzelte aufstellen lassen, um in Corona-Zeiten Präsenzunterricht anzubieten. Foto: dpa

Auf diese Idee können wohl nur Bayern kommen: Schüler ab ins Bierzelt! Dort, also im Lebensraum bajuwarischer Mannsbilder in krachledernen Trachten, sollen aber keine Maßkrüge gestemmt werden. Nein, hier geht’s um die Pflege der (hoch)deutschen Sprache, um das Ziehen mathematischer Wurzeln oder das Deklinieren und Konjugieren von Fremdsprach-Vokabeln - also: Kein Prosit der Gemütlichkeit, das hier ist Schule in Corona-Zeiten.

Genauer: Zwei Schulen im niederbayerischen Deggendorf haben Zelte aufstellen lassen, damit keine engen Klassenzimmer dem Präsenzunterricht Grenzen setzen. Allerdings hat eine Zeltschule auch Nachteile: Wenn's regnet oder gar hagelt, herrscht ein Dezibel-Wert im Zelt, der kaum unter dem einer zünftigen Blasmusik liegt. Aber, sagt ein Schul-Sprecher, „die Kinder hatten einen Riesenspaß". Die Frage ist jetzt nur, ob besorgte Schulpsychologen protestieren: Könnten die Kleinen durch frühe Bierzelt-Erlebnisse geprägt werden auf regelmäßige Aufenthalte an solchen Promille-Orten - also auch dann, wenn's nicht um Deutsch, Mathe oder Geschichte geht, sondern einfach um „O'zapft is“?