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Kriminalitätsstatistik Bilanz der Polizei: Warum Bremen sicherer ist - und brutaler

Weniger Einbrüche und Diebstähle, dafür umso mehr Gewalt: Warum Bremen sicherer wird – und doch viele Angst haben.

Von dpa Aktualisiert: 04.03.2026, 14:52
Bremens Innensenatorin Eva Högl (SPD) und Bremens Polizeipräsident Dirk Fasse gaben einen Einblick in die Arbeit der Polizei.
Bremens Innensenatorin Eva Högl (SPD) und Bremens Polizeipräsident Dirk Fasse gaben einen Einblick in die Arbeit der Polizei. Sina Schuldt/dpa

Bremen - Insgesamt weniger Straftaten, aber mehr Gewalt: Die Polizei hat zuletzt deutlich weniger Delikte im Land Bremen verzeichnet. „Sowohl Bremen, als auch Bremerhaven, sind sicherer geworden“, sagte Bremens Innensenatorin Eva Högl (SPD) bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS). „Weniger Einbrüche, weniger Raub, weniger Diebstahl.“ Doch es gibt auch eine alarmierende Nachricht: „Wir haben eine Zunahme bei den Gewaltdelikten.“

Die Ermittler schlossen 2025 die Ermittlungen bei mehr als 94.400 Straftaten im kleinsten Bundesland ab. „Das ist ein Rückgang um zehn Prozent“, sagte Högl mit Blick auf das Vorjahr. „Darüber freuen wir uns sehr.“ Die Polizei konnte auch mehr Straftaten aufklären. Die Aufklärungsquote im kleinsten Bundesland lag im vergangenen Jahr bei 49 Prozent, wie die Innensenatorin weiter mitteilte. „Das ist ein Höchstwert.“ 

Warum die Ermittler weniger Diebstähle verzeichnen

Beim Blick auf die Statistik ist vor allem ein Wert auffällig: Die Polizei bearbeitete in der Stadt Bremen 2025 fast 7.000 Diebstähle weniger als noch im Vorjahr, auch in Bremerhaven gingen die Straftaten in dem Bereich deutlich zurück. „Das ist sozusagen der statistische Wert, der die Zahlen am Ende nach unten drückt“, sagte Polizeipräsident Dirk Fasse.

Dafür gebe es mehrere Gründe: Tatsächlich seien wohl weniger Langfinger unterwegs, sagte Fasse. Doch es liege auch daran, dass die Polizei 2024 viele liegengebliebene Fälle aus den vergangenen Jahren abgearbeitet habe, die dann nicht mehr in die aktuelle Statistik einfließen. Denn in der PKS werden alle Straftaten erfasst, die die Polizei abschließend bearbeitet hat - also auch Fälle aus den zurückliegenden Jahren.

Wie Bremer ihr Zuhause und ihr Fahrrad sichern

Laut Statistik sanken zuletzt die Raubdelikte in Bremen. Die Ermittler führen diese Entwicklung unter anderem auf mehr Videoüberwachung und die Arbeit der Sonderkommission „Junge Räuber“ zurück. 

Positiv ist mit Blick auf die Zahlen auch der Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen und Fahrraddiebstählen. Hier werden viele Bremerinnen und Bremer selbst aktiv, wie Innensenatorin Högl ausführte. Sie sichern Fenster und Türen, lassen ihr Rad registrieren und nutzen überwachte Fahrradparkhäuser oder Bike-Sharing.

Immer mehr Gewalt in Familien und gegenüber Einsatzkräften

Sorgen macht der Innensenatorin jedoch die zunehmende Gewalt. „Der Ton in unserer Gesellschaft ist rauer geworden“, meint Högl. „Das merken wir auf der Straße, das merken wir in den Familien, und das merken auch unsere Einsatzkräfte jeden Tag.“ 

So verzeichnete die Bremer Polizei 2025 nach eigenen Angaben einen Anstieg von 31,5 Prozent bei Körperverletzungen und um 27,8 Prozent bei Tötungsdelikten. In zwei Fällen kam für die Opfer jede Hilfe zu spät. Laut Statistik nahmen auch Messerangriffe deutlich zu. 

In vielen Fällen arte Gewalt in Beziehungen oder Familien aus, führten die Ermittler weiter aus. In der Stadt Bremen nahm die Partnerschaftsgewalt zuletzt um elf Prozent zu, die innerfamiliäre Gewalt um sieben Prozent. „Bei häuslicher Gewalt ist jeder Fall einer zu viel“, betonte Högl.

Immer öfter richtet sich die Gewalt auch gegen Einsatzkräfte: Die Polizei berichtete von fast 800 Fällen, bei denen Kolleginnen und Kollegen im kleinsten Bundesland attackiert wurden. Auch Rettungskräften sehen sich laut Statistik mehr Gewalt ausgesetzt.